Auf unserem weiteren Weg in den Norden fahren wir zunächst kilometerlang durch traumhafte Heidelandschaft. Später schlängelt sich die Straße durch bewachsene Dünenkämme und kleine Orte zwischen Nordsee auf der einen und Fjorden und Seen auf der anderen Seite. Es gibt kleine Rastplätze mit Picknick-Tischen zwischen Bäumen, Weiden mit Kühen und Pferden, Wege durch die Dünen zum Strand und immer wieder hat man rechts und links den Blick auf Wasser. In der Sonne sieht die Landschaft einfach traumhaft aus und man versteht sofort warum hier die Haupt-Urlaubsregion Dänemarks ist.
In Thorsminde gibt es ein Museum für Schiffsstrandungen, das Strandingmuseum St. George, mit einem netten kleinen Kaffee. Schiffsstrandungen interessieren uns nicht wirklich, aber den Kaffee nehmen wir. Es windet beständig und riecht nach Meer und Fisch. Es ist wie an vielen Stellen in Dänemark ein Ort um die Seele baumeln zu lassen und zu entschleunigen – und wieder einmal sind die Dänen gerade ein klein wenig netter als man es als Deutscher erwartet.
Wir fahren weiter an der Küste entlang und nehmen in Thyborøn die Fähre über den Limfjord. Die Sandzunge zwischen Meer und Fjord wurde erst 1825 von der Nordsee durchbrochen und hat die Natur stark verändert, weil aus Süßwasser Salzwasser wurde. Da wir nicht mehr auf die Fähre nach Agger passen und eine halbe Stunde warten dürfen, gibt es Kaffee und Plätzchen aus der Defender-Küche. Wir sind angekommen im Urlaub und angekommen in der Ruhe und Entspanntheit Dänemarks. In Vorupør fahren wir auf den Platz Strandgaardens Camping. Über die Sanitäranlagen schweigen wir lieber (die dringend notwendige Renovierung ist laut Aushang für 2019 geplant), aber der Platz ist wieder einmal völlig genial. Auf Empfehlung von Alexander Kneitz von der Platz-Rezeption im Supermarkt Meny entscheiden wir uns für Platz 100 und sind vollkommen hin und weg: wir haben einen Einzelplatz oben auf der letzten Düne am Ende des Platzes mit unverbautem Blick auf’s Meer. Einfach phantastisch.

Wieder einmal laufen wir durch die Dünen und am Strand entlang und lauschen dem Klang der Wellen auf dem diesmal steinigen Strand sowie dem Geschrei der Möwen. Hier im Norden sind See und Natur rauher. Wir stärken uns mit einem Abendessen mit Fisch in Vorupør direkt am Hafen bevor wir den Rückweg antreten.
Vorupør liegt ungefähr in der Mitte des Nationalparks Thy, der sich entlang der Nordseeküste von Agger im Süden bis nach Hanstholm im Norden erstreckt. Er wurde 2008 als erster Nationalpark Dänemarks eingerichtet und besteht im wesentlichen aus Dünen, Heide, Feuchtgebiete und Seen. Er ist bei Windstille oder zumindest wenig Wind ideal zum Radfahren. Bei uns zeigt sich die rauhe Natur und es ist es windig, aber sonnig. Das Wetter lädt nicht zum Radfahren ein. Wir fahren mit unserem Defender nach Lodbjerg im Süden des Nationalparks. Die Lodbjerg Kirke ist eine der kleinsten Kirchen des Landes und natürlich baumelt hier ein Schiff im Kirchenschiff von der Decke. Was in der Küstenregion Dänemarks normal ist, ist für uns irgendwie fremd. Von der Spitze des Leuchtturms Lodbjerg Fyr aus dem Jahre 1883 hat man einen traumhaften Blick über die leere weite Landschaft und das Meer. Kaum vorstellbar, dass in dieser Einsamkeit mal ein Leuchtturmwärter mit seiner Familie gelebt hat.
Im Osten des dänischen Festlands befindet sich Århus, mit 330.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Dänemarks. Århus war 2017 Kulturhauptstadt Europas und so entscheiden wir uns dafür hier Kultur zu genießen. Wir besuchen das ARoS Kunstmuseum. Der imposante Bau hat auf seinem Dach eine Art Terrasse, das „Your Rainbow Panorama“. Von hier hat man in einem 360 Grad Rundgang durch getöntes Glas einen genialen Blick über die ganze Stadt. Uns hat im Museum, das innenarchitektonisch ans Guggenheim Museum in New York erinnert, die Ausstellung „No Man is an Island“ am besten gefallen, die zum Nachdenken über uns und unsere Werte, insbesondere das Recht auf unterschiedliche Meinungen und religiöse Ansichten anregt. Flucht und Verfolgung sind in der Ausstellung eindrucksvoll thematisiert.

Die Einkaufsstraße Søndergade im Stadtzentrum ist wunderschön. Im weiteren Verlauf der weitläufigen Fussgängerzonen gibt es einen Street Food Bereich an einem Kanal gelegen. Die Sitzplätze draußen haben Heizstrahler und Regenschutz. Es ist idyllisch und geht sehr ruhig und entspannt zu. Man wird zum Bleiben verführt und auch wir wehren uns nicht gegen die Verführung einzukehren statt selbst zu kochen. Überhaupt ist wenig Betriebsamkeit zu spüren in Århus, denn die meisten Geschäfte schließen zwischen 17 und 18 Uhr.
Im Süden der Stadt gibt es eine sehr hübsche und moderne Marina, die insbesondere im Sonnenuntergang ebenso ruhig wie beschaulich wirkt wie die Innenstadt.
