Reisen im Oman ist ausgesprochen angenehm und problemlos. Die Menschen sind sehr freundlich, offen, interessiert und hilfsbereit – selbst junge Mädchen in traditioneller Kleidung sehen uns sprechen und selbstbewusst an. Die Mehrheit der Omanis sind Ibaditen und gehören damit eine gemäßigten Glaubensrichtung des Islam an. Man ist Nicht-Muslimen gegenüber sehr tolerant, erwartet aber zu Recht die Einhaltung von ein paar wenigen gesellschaftlichen Grundregeln wie das Bedecken von Knien und Schultern und den Verzicht auf den Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit. Der Oman ist ein sehr sicheres Reiseland, Kriminalität gegenüber Touristen gibt es kaum.
Wild Campen ist generell erlaubt und wegen der geringen Bevölkerungsdichte (der Oman ist fast so groß wie Deutschland, hat aber keine 5 Millionen Einwohner) findet man außerhalb der Zentren fast immer ein einsames Plätzchen für die Nacht. Das Übernachten an offiziellen Picknick-Plätzen oder öffentlichen Stränden ist gar kein Problem. Statt Regeln zählt im Oman ein generelles moralisches Verhalten, wozu Gastfreundschaft und Willkommen-Sein gehören.
An Picknick-Plätzen oder öffentlichen Stränden findet man häufig Mülleimer mit Plastikbeuteln. Diese werden regelmässig geleert, sodass sie nie überquellen oder Müll daneben auf dem Boden liegt. Dort wo es das nicht gibt, ist die Verschmutzung allerdings leider enorm. Dies gilt ebenfalls für stark von Fischern frequentierte Strände.
Es gibt häufig öffentliche Toiletten, über deren hygienischen Zustand wir hier aber lieber schweigen. Zwar gibt es fast immer westliche Toilettenschüsseln, aber Toilettenpapier hat man besser selbst dabei. Daran das Papier nicht in der Toilette wegzuspülen, sondern in einen Eimer zu werfen, gewöhnt man sich recht schnell.
Brauchbare Supermärkte gibt es in jeder mittelgroßen Stadt, und in größeren Städten gibt es phantastische „Hypermarkets“ mit einer unglaublichen Auswahl. Unser Favorit ist die Supermarkt-Kette Lulu mit einer unfassbaren Auswahl und Menge an Artikeln.
Auch das Mobilfunknetz ist hervorragend ausgebaut. Außer in sehr entlegnenen Regionen hat man fast immer guten 4G Empfang. Dadurch waren wir mit unserem Huawei Hotspot und einer günstigen Daten-SIM von Omantel in der Lage regelmäßig Blogbeiträge zu veröffentlichen.
Der Oman war bis 1970 eines der rückständigsten Länder der Welt. Die „Renaissance“ begann erst, als Sultan Quaboos seinen Vater abgesetzt und am 23.07.1970 die Herrschaft über das Land übernommen hatte. Seitdem modernisiert und demokratisiert er das Land konsequent nach westlichem Vorbild. Man sieht an vielen Orten, dass der Aufbau noch voll im Gange ist, die Menschen zusammen halten und stolz sind, was sie bisher gemeinsam durch ihren Sultan erreicht haben.
Wir freuen uns natürlich über diese für uns paradiesischen Zustände, fragen uns aber auch, wie lange das so bleibt: Was passiert, wenn der Tourismus weiter zunimmt und sich dadurch auch mehr und mehr Touristen „daneben benehmen“? Was passiert, wenn der Aufbau beendet ist oder stockt und sich immer mehr Menschen vom Wachstum abgekoppelt fühlen? Was passiert, wenn die junge Generation ohne die Verwurzelung im Glauben die moralische Basis verliert? Was passiert, wenn das Land seinen geliebten und charismatischen Scheich verliert, und wie führt sein Nachfolger das Land?
Wir hoffen, das Land findet darauf gute Antworten, damit noch viele Menschen in den Genuss kommen den Oman kennenzulernen, wie wir es durften.