Generell wird im Oman sehr gemäßigt Auto gefahren, und Unfälle haben wir nur selten gesehen. Das hat zwei Gründe: Strafen bei Verkehrsdelikten wie Geschwindigkeitsüberschreitungen sind sehr hoch, wobei es unglaublich viele Radarfallen gibt; und bei einem Unfall muss immer die Polizei gerufen werden; fährt man mit einem verbeulten Auto umher, so wird schon mal von der Polizei angehalten und nach dem polizeilichen Unfallbericht gefragt, und eine Reparatur ohne diesen Bericht darf eine Werkstatt auch nicht durchführen.
Es gibt selbst in ländlichen und wenig besiedelten Regionen viele mehrspurige, gerade, mit Straßenlaternen ausgeleuchtete, makellose Asphaltstraßen und eine Unmenge Baustellen für neue mehrspurige, gerade, mit Straßenlaternen ausgeleuchtete, makellose Asphaltstraßen. Selbst Open Street Maps und GoogleMaps sind häufig nicht aktuell. Zudem sind Verkehrsführung sowie Beschilderung oftmals gewöhnungsbedürftig. Wir waren immer mal wieder auf der falschen von mehreren plötzlich baulich getrennten Spuren unterwegs oder mussten mehrere Kilometer auf der gleichen Straße zurück fahren, weil Abzweigungen nur aus einer Richtung möglich sind.
Richtig viel los ist auf den tollen Straßen außerhalb der grösseren Städte jedoch nicht, sodass wir uns fragen, für wen diese eigentlich gebaut wurden.
Es gibt zudem planerische Highlights wie mehrspurige Kreisel mit nur zwei Ein-/Ausfahrten oder Abfahrten, die im Nichts enden. Es wirkt so, als wären á la SimCity ganz im Sinne von „think big“ schon mal Straßen angelegt worden, um später weiter Infrastruktur zu ergänzen, Gebäude in die Lücken zu bauen und Menschen anzusiedeln.
Privatgebäude sind in der Regel nicht direkt an die Straße angebunden – es gibt immer einen „Dreckstreifen“ zwischen Straße und Toreinfahrt. Das Konzept „Gehweg“ gibt es kaum.
Autobahnen, Schnellstraßen oder Express-Highways sind fast immer begrünt – und wegen des Klimas natürlich auch bewässert. In Muscat gibt es sogar einen Springbrunnen zwischen den beiden Richtungen des Expresshighway. Wasser scheint aus Sicht der Verkehrsministeriums kein Problem zu sein…
Es gibt eine Vielzahl von teilweise gigantisch großen Kreiseln, wovon viele begrünt sind oder hübsche Skulpturen in ihrer Mitte haben. Fahrzeuge im Kreisel haben wie bei uns Vorfahrt. Es gehen aber fast immer mehrere Spuren rein und raus aus dem Kreisel, wobei von allen Spuren abgebogen werden kann und die Anzahl der abgehenden Spuren schwer vorhersehbar ist. Hier ist Vorsicht geboten.
Ganz spannend sind auch die Grenzübertritte mit unserem in Deutschland zugelassenen Defender. Wir hatten genau einen (von sieben) Zollbeamten, der wusste, was zu tun ist. Die Grenzstationen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Oman sind insbesondere auf der Seite des Oman riesig. Dummerweise arbeiten aber kaum Menschen dort und meistens ist nur die Einreise oder die Ausreise für die Visa- und Zollangelegenheiten personell besetzt. Anders als beim klar geregelten Visa-Prozess gibt es meist keinen bekannten Prozessverantwortlichen für die Abwicklung eines Fahrzeugs, das mit Carnet de Passage reist. So wurden wir an einem Grenzposten vier Mal weitergeschickt und waren am Ende ca. 600 Meter entfernt von unserem Dicken. Der stand mit eingeschaltetem Warnblinker auf einem der Fahrstreifen hinter der Passkontrolle bei der Ausreise. Wir waren bei der Einreise, wo jemand unser Carnet abgestempelt hat, ohne unser Auto auch nur zu sehen. Uns war’s egal. Hauptsache Stempel und Unterschrift …
Unser Defender fällt im Oman auf. Man winkt uns zu, wir werden angehupt, wir werden gefilmt aus fahrenden Autos, Autos halten extra neben uns an, wir werden angesprochen, unser Dicker wird fotografiert (manchmal auch mit uns) und es gibt Selfies mit ihm. Die meisten interessieren sich woher wir kommen, wie wir in den Oman gekommen sind, ob es uns gefällt und wie das Auto ausgestattet ist. Einmal will ein Wärter am Museum wissen wo wir unsere Sandbleche her haben und ob der Laden wohl auch in den Oman verschickt. Ein paar junge Mädchen in traditioneller Kleidung sprechen uns an ob sie ein Foto von uns im Auto machen dürfen. Klar, kein Problem. Unsere Rückfrage, ob wir sie fotografieren dürfen, wird höflich abgelehnt. Das ist der erste Urlaub, in dem wir öfter fotografiert wurden, als wir selbst Menschen fotografiert haben. Unser Fendi ist im Oman ein Star.
Eine Kuriosität zum Schluss: Sultan Qaboos hasst dreckige Autos. Das geht Angela Merkel vielleicht ähnlich. Aber anders als in Deutschland kann man im Sultanat von der Polizei ein Ticket bekommen, wenn man mit einem dreckigen Auto umherfährt; nach einem Regen hat man 36 Stunden Zeit, sein Auto zu waschen, bevor die Polizei etwas unternimmt. Entsprechend gibt es an jeder Ecke Waschanlagen. Wir haben viele Autos, die selbst aus deutscher Sicht sauber waren, beim Waschen gesehen. Als wir unser eingestaubtes Auto in Muscat waschen lassen, ist der Service unglaublich: Vorwäsche, Einschäumen, Abbrausen, Abledern und Kunststoffpflege für die Reifen in fast halbstündiger Handarbeit von vier Indern für umgerechnet neun Euro. Bei der Waschanlage in Sohar, wo wir am letzten Tag unser Auto für die Rückverschiffung haben waschen lassen, gab es sogar einen Warteraum, nein, sorry, zwei Warteräume, einen für Frauen und einen für Männer – und im Preis war eine Motorwäsche inbegriffen. In Salalah wurden wir von jemandem angesprochen, ob er unser (zugegebener Weise wirklich dreckiges) Auto waschen lassen soll während wir einkaufen – unvorstellbar in Deutschland. Seine Reaktion auf unser „nö, danke“ war ein sehr unverständlicher Blick …