Das Erwin Hymer Museum in Bad Waldsee wurde 2011 eröffnet und ist mit über 80 Wohnanhängern und Wohnmobil-Oldtimern für alle Fans von Campingfahrzeugen ein echter Geheimtipp.
Wir betreten die Ausstellung durch einen Tunnel, und betrachten per Videoprojektion das geschäftige Treiben in drei Wohnungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Ein junges Pärchen, eine Familie mit zwei Kindern und ein älteres Ehepaar; alle drei sind mitten in den Vorbereitungen für den Campingurlaub. Die Message ist klar und stimmt auf die Ausstellung ein: Camping ist nichts für eine bestimmte Generation oder ein bestimmtes Klientel, Camping ist der Wunsch nach Unabhängigkeit, Natur und Landschaft, der nichts mit Alter und Status zu tun hat.

Mit dem Wunsch nach Freiheit wandern wird durch die Zeit der ersten Wohnanhänger bis in die Neuzeit – immer durch das Land, das in der entsprechenden Epoche das Traumziel der Reisenden war. Es geht über die Alpen nach Italien, weiter nach Indien über die Ostsee nach Marokko, Nordamerika, Skandinavien und den Atlantik bis in die Zukunft. Die ausgestellten Reisemobile sind hergerichtet als würden die Besitzer gleich wiederkommen, die Route weiter planen, den Grill anwerfen, am Esstisch Platz nehmen oder in der Sonne chillen.

Das erste Wohnmobil, der erste deutsche Wohnwagen, ein Hippi-Fahrzeug aus den 60ern, Eigenbauten der ehemaligen DDR; die Ausstellung zeigt, dass es Van-Life nicht erst gibt, seit der gleichnamigen Hashtag populär geworden ist. Vanlife begann in Deutschland bereits 1931, war wirklich einfach und hatte nicht vom heutigen Luxus.
Der Fokus liegt auf den Marken, die heute zur Hymer Group gehören, und den persönlichen Geschichten einiger Gründerväter: So ist ein Nachbau jenes Wohnautos und ersten deutschen Wohnwagens ausgestellt, das Arist Dethleffs als Hochzeitsgeschenk baute, weil seine ihm frisch angetraute Gattin, die Landschaftsmalerin Fridel Edelmann, ihn bei seinen Reisen begleiten wollte.
Im Abschnitt „Zukunft“ setzt sich die Ausstellung mit den Themen Urbanisierung, Individualisierung, schwindenden natürlichen Ressourcen, Digitalisierung, autonome Systeme, Vernetzung und neuen Raumkonzepten wie den auf das wesentliche reduzierten Tiny Houses auseinander.

Am Ende der Reise geht es wieder durch einen Tunnel „hinaus in die Welt“ und wir verlassen das Museum mit ein wenig Wehmut, aber auch mit Vorfreude auf unsere eigenen nächsten Abenteuer.
Die Ausstellung ist abwechslungsreich, informativ, liebevoll bis ins Detail und gespickt mit persönlichen Geschichten. Die Ausstellungsstücke selbst werden multimedial im Kontext zum Lebensgefühl ihrer Zeit präsentiert. Es gibt Bereiche zum Schauen, zum Mitmachen und zum Ausruhen. Alles in Allem eine tolle Ausstellung – so geht Museum!