Abstecher in das Tal Theth

Von Shkodra geht es heute bis nach Koplik auf perfekter Straße Richtung Norden. Auch die Nebenstraße Richtung Theth bleibt zunächst gut, wird aber immer enger und kurviger. Es geht bergauf und bergab durch eine phantastische Landschaft. Graue Felsen und Felsmauern lockern die weiten Wiesen auf. Gebüsch, Blumen und Laubbäume säumen den Weg. Die grauen Berge der albanischen Alpen kommen immer näher. Wir genießen die alpine Landschaft und fahren durch das Trogtal zwischen mehreren Zweitausendern hindurch.

17 Kilometer vor Theth, kurz vor Beginn des Nationalparks, hört der Asphalt auf. Unser Landy meistert die nun folgende schlechte Strecke souverän. Wir sind froh, nicht in einem der anderen Fahrzeuge zu sitzen, die den Weg ins Tal wagen. Der größte Teil der Strecke ist ein gut befahrbarer, wenn auch nur fahrzeugbreiter Feldweg. Aber tiefe Schlaglöcher und handballgroße Steine säumen immer wieder den Weg hinab ins Tal. Die Piste ist für uns traumhaft und die Ausblicke zwischen den Laubbäumen auf die Berge und hinab ins Tal sind atemberaubend schön. Mit Pausen für Fotos brauchen wir knapp 2 Stunden für die kurze Strecke – nicht zuletzt, weil wir immer wieder hinter anderen Fahrzeugen herkriechen, die offensichtlich nicht für die Strassenverhältnisse gedacht sind.

Dort wo der Asphalt endet, sind gerade Straßenarbeiten im Gange; wir befürchten, dass die traumhafte Strecke irgendwann geteert sein wird und der Fahrspass dann ein Ende hat.

Theth ist eigentlich kein einzelner Ort, sondern eine Ansammlung mehrerer kleiner Orte. Der einsam gelegene Nationalpark, in dem die Orte liegen, lädt zum Wandern ein, und wir würden gerne länger bleiben. Das muss aber leider bis zum nächsten Mal warten. Diesmal besuchen wir nur die kleine Kirche sowie die alte Mühle und stärken uns in einem Gasthaus im Tal. Die wenigen dauerhaft hier lebenden Menschen sind im Winter wegen des oft verschneiten 1.600 Meter hohen Terthorja-Passes von der Außenwelt so gut wie abgeschnitten. Im Sommer lebt das Tal vom Tourismus.

Wir entscheiden uns schweren Herzens dagegen, die ca. 45 km lange Offroad-Piste über das Kir-Tal heraus zu nehmen. Der Gedanke, unterwegs wieder frei zu stehen, lockt uns sehr, aber dann können wir unser zweites Ziel des Urlaubs vergessen – neben Offroaden in Albanien steht noch Chillen auf einer kroatischen Insel auf dem Plan, und das wollen wir nicht hergeben.

Also geht es am Nachmittag wieder auf gleichem Weg zurück. Fast oben angekommen treffen wir eine BMW-lerin aus München, die Ina kennt. Sie ist mit Mann und Kindern im X1 unterwegs ins Tal. Man hat ihnen zur vorgebuchten Unterkunft im Tal nur gesagt, der letzte Teil der Strecke sei nicht asphaltiert – jetzt verstehen wir auch, warum normale PKWs auf der Strecke anzutreffen waren.

Zu Hause haben die beiden „ganz frisch“ einen noch nicht ganz fertig eingerichteten Defender mit Klappdach gekauft. Das gute Stück soll in 2 Jahren ins südliche Afrika. Das nächste Mittagessen, wenn sie aus dem Urlaub zurück sind, ist schon fest eingeplant.

Zurück in Skhodra lassen wir den Tag mit Blick von den Strandliegen des Campingplatzes in den Sonnenuntergang bei einem Aperol Spritz ausklingen. Wie ist es den beiden Münchnern wohl auf der Piste ergangen?

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