Palermo – die Haupstadt Siziliens

Palermo liegt gut geschützt zwischen dem Monte Pellegrino und dem Monte Catalfano an der Nordküste Siziliens. Mit seinen Vororten ist Palermo die größte Stadt der Insel. Gegründet wurde sie im 8. Jahrhundert v. Chr. als Handelsstützpunkt der Phönizer. Sowohl unter römischer als auch unter moslemischer und später normannischer Herrschaft hatte Palermo große wirtschaftliche Bedeutung, die sie in der Neuzeit zunehmend verlor. In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts war Palermo wegen der Mafia eine der gefährlichsten Städte Europas. Dank der Anti-Mafia-Bewegung gilt Palermo heute immerhin als sicherste Stadt Italiens. Trotz der schweren Beschädigungen im zweiten Weltkrieg findet man in der Altstadt unzählige historische Bauwerke aus allen geschichtlichen Epochen, die einen Besuch lohnen (sorry, der Blogeintrag ist etwas lang geworden, weil es so viel zu sehen gibt).

Wir campen außerhalb von Palermo und fahren mit dem Zug in die Altstadt. Dort bummeln wir von der Porta Nuova im Westen Richtung Osten, bis es an der Porta Felice am Hafen nicht mehr weiter geht – zumindest nicht ohne nasse Füße. Dabei zweigen wir immer wieder rechts oder links von der Hauptstrasse, dem Corso Vittorio Emanuele, ab und schlendern durch enge und verwinkelte Gassen. Ein bedeutendes Bauwerk, die meisten davon Kirchen, folgt auf das nächste, dazwischen liegen schicke Geschäfte und Lokale, oder heruntergekommene Gebäude. Es ist ein seltsamer Mix aus Tourismus, Kommerz und vergangenem Charme. Das Herzstück der Stadt sind die vier Hausecken, Quattro Canti, die die Piazza Vigliena einfassen und auf halbem Weg zwischen den beiden bedeutenden Stadttoren liegen. Wir lassen uns treiben und lassen die Stadt auf uns wirken – erst bei einem Cappuccino, dann bei einem Aperol Spritz und später bei Wein und Pizza. Dabei beobachten wir ein quirliges Chaos aus Autos, eScootern, Elektrorollern, Fahrrädern, Fußgängern und mit Touristen besetzten Pferdekutschen oder Piaggio Ape Tuk-Tuks.

Aber natürlich lümmeln wir nicht nur in Cafés, Bars und Restaurants herum, sondern bestaunen auch einige der unzähligen Sehenswürdigkeiten, an denen wir Euch teilhaben lassen möchten.

Der Palazzo dei Normanni oder Normannenpalast direkt an der Porta Nuova wurde im 9. Jahrhundert (also in der Zeit der islamischen Herrschaft) als Sommerresidenz des Emirs von Palermo errichtet. Der normannische König Roger II. baute den Palast zum Regierungssitz um. Heute ist er der Sitz des Parlaments von Sizilien und ein Beispiel der für Sizilien typischen normannisch-arabisch-byzantinischen Kunst. Wir bestaunen das riesige Gebäude nur von außen und wandeln durch den angrenzenden öffentlichen Garten der Villa Bonanno an der Piazza della Vittoria, der sich direkt im Osten an den Palast anschließt.

Begleitet von sphärischen Klängen geht es für uns weiter zur Kathedrale Maria Santissima Assunta – einer der Top-Sehenswürdigkeit der Stadt. Direkt östlich vom Normannenpalast wurde im 6. Jahrhundert n. Chr. eine Kathedrale errichtet, die unter islamischer Herrschaft zur Moschee und unter dem Normannenkönig Roger I. wieder eine römisch-katholische Kirche wurde, um dann nach einem Erdbeben abgerissen zu werden. Die heutige Kathedrale stammt aus dem Jahr 1185 n. Chr. und ist Sitz des Erzbischofs von Palermo. Von außen ist das Gebäude beeindruckend und vielversprechend, denn auch hier haben viele Baumeister über die Jahrhunderte ihren Fussabdruck hinterlassen. Nach einem Dutzend Fotos wagen wir den Blick ins Innere.

Durch ihr kaltes Neonlicht, den Kalkstein und den Silberschmuck finden wir das Innere nicht sehr ansprechend. Uns interessiert auch das Grab Heinrich VI. nicht, das sich in der Kathedrale befindet. Ein kleiner Trost für diejenigen, die mit Heinrich VI. nicht viel anfangen können. Auch Ina hat im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst und musste erst googeln: Der Staufer Heinrich VI. war ab 1191 n. Chr. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und auf Grund der Heirat mit der Tochter des Normannenkönigs Roger II. auch König von Sizilien. Nicht wirklich spannend finden wir, aber vielleicht beim nächsten Quizz-Abend mit Freunden ganz nützlich…

Spannender finden wir als Naturwissenschaftler hingegen den Meridian, einen 1801 vor dem Altar im Fussboden eingelassenen Messingstab, der von Marmorplatten mit den Bildern der Sternzeichen geziert ist. Genau zur Mittagszeit fallen die Strahlen der Sonne aus einem kleinen Loch in der Kuppel der Kathedrale auf den Meridian – und zwar genau dort, wo das entsprechende monatliche Sternzeichen eingelassen ist.

Am Ausgang werden neben Postkarten unter anderem Glitzerarmbändchen verkauft – mit Kreuz zwar, aber dennoch eher modischer Kitsch als Devotionalie. Sofort kommt uns die Vertreibung der Händler aus dem Tempel durch Jesus in den Sinn. Draußen sitzen italienische Bettler, während drinnen für die Armen der 3. Welt gesammelt wird. Wir verlassen die Kathedrale mit sehr gemischten Gefühlen …

Unser Highlight ist die Chiesa di Santa Caterina. Die barocke Kirche gehört zum sich anschließenden Dominikanerinnenkloster und ist unglaublich schön – Fresken, Kuppelmalereien, Stuck, Statuen, goldene Leuchter und vieles mehr lassen uns immer wieder staunen. Der Kreuzweg des sizilanischen Künstlers Franco Novcera hat 15 Stationen (nicht 14) und hält sich nicht zwangsweise an den christlichen Kanon. Er bildet einen mutigen Kontrast zur Innendekoration der Kirche. Die großflächigen harten Farben passen so gar nicht in die Umgebung und sprechen uns gerade deshalb an. Alles in allem ist die Kirche atemberaubend und für uns viel mehr einen Besuch wert als die Kathedrale.

Wir besuchen auch das Nonnenkloster, zu dem die Kirche gehört, und gelangen über verwinkelte Flure und Treppenaufgänge auf das Dach des Gebäudes. Neben dem Blick in den wunderschönen Innenhof des Klosters, erhaschen wir voin hier auch einen traumhaften Blick auf die Piazza Pretoria mit der beeindruckenden marmornen Brunnenanlage von 1555 und auf die Piazza Belini mit den Kirchen Santa Maria und San Cataldo. Der Eingang der Chiea di Santa Maria hat eine wunderschöne Barockfassade und einen fast filigran anmutenden Glockenturm. Die Ciesa Capitolare San Cataldo hingegen ist von außen sehr kubisch und unscheinbar – uns beeindrucken am meisten die drei roten, arabisch anmutenden halbkugelförmigen Kuppeln. Wir lassen den Bick schweifen und erkennen die Kuppel der Basilika San Giuseppe dei Teatini. Diesen Ausblick sollte man sich nicht entgehen lassen.

Überhaupt, es gibt so viel zu entdecken in Palermo …

Ein Gedanke zu „Palermo – die Haupstadt Siziliens

Hinterlasse eine Antwort zu Mathias Antwort abbrechen