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Bald ist es soweit – wir haben einen verbindlichen Abholtermin für unseren Mzungu!

  • 16 Jahre, nachdem wir erstmals über einen Expeditionstruck nachdachten und begonnen haben, mit dem vagen Zieltermin „Renteneintritt“ auf einen LKW zu sparen,
  • 6 Jahre, nachdem wir auf der Abenteuer Allrad Stefan Pfeifer und seine Firma Excap kennenlernten und von der Idee begeistert waren, einen Steyr 12M18 restaurieren zu lassen und als Basisfahrzeug zu nutzen,
  • 6 Jahre nach dem ersten Kontakt zur Firma Bocklet mit einer unverbindlichen Anfrage zu Kosten und Lieferzeiten,
  • 5 Jahre nach dem Anruf von Stefan Pfeifer, er habe ein passendes Basisfahrzeug für uns verfügbar, einer Probefahrt im Schnee und der Entscheidung, das Thema nicht bis zur Rente aufzuschieben und jetzt einen LKW zu kaufen,
  • 4 Jahre nach einer 24-Stunden Probefahrt mit dem Steyr eines Freundes,
  • gut 2 Jahre nach dem Beginn der Restaurierung des Basisfahrzeugs bei Excap,
  • gut 1 Jahre nach der Überführung des restaurierten Basisfahrzeugs an Bocklet und des Baustarts für die Kabine,

haben wir also jetzt einen Abholtermin: es ist der kommende Samstag, der 18.07.20! Wir freuen uns riesig.

Und warum das alles? Die Mühe, die vielen Überlegungen, die ganzen Ausgaben? – Darum!

 

Bodensee und Vorarlberg

Nachdem unser Defender die Corona-Phase im Carport verbracht hat, nutzen wir die zurückgewonnene Reisefreiheit für ein langes Camping-Wochenende. Als Basis für unsere Ausflüge der nächsten Tage dient ein sonniger und chilliger Platz in der Nähe des Ostufers des Bodensees. Hier genießen wir die Sonnenuntergänge mit Kerzenlicht und gutem Wein aus Slowenien.

 

Das österreichische Bregenz ist ein nettes kleines Städtchen, dessen Hauptattraktion die Seebühne im Ufergewässer des Bodensees ist. Die Festspielsaison 2020 ist wegen Corona leider abgesagt, aber die eindrucksvolle Bühnenkonstruktion für Verdis Rigoletto, dessen Zentrum ein mehr als 13 Meter hoher beweglicher Kopf mit Augen von 2,7 Metern Durchmesser ist, kann dennoch besichtigt werden. Insgesamt lädt die Seepromenade zum “Seele baumeln lassen” ein, und in der mit Cafés und Restaurants gespickten Innenstadt geht es ruhig und gemächlich zu. Maskenpflicht besteht in Österreich nicht mehr und der Mindestabstand von 1 Meter entspricht der Komfortzone, die eh jeder hat. Ist diese starke Lockerung gut oder schlecht? Das wird man vermutlich erst nach der Feriensaison sagen können.

Die Vorarlberger Alpen, ganz im Westen Osterreichs bieten traumhafte Wandermöglichkeiten. Wir entscheiden uns für einen gemütlichen Rundweg im Naherholungsgebiet Bördele am Losenpass auf fast 1.200 Metern mit schönen Ausblicken. Der Weg startet und endet am Berghof Fetz, wo es eine Nachtparkmöglichkeit mit wunderbarem Bergpanorama für Camper bis 5,5 Tonnen gibt. Unser Wanderweg meandert auf und ab durch Wiesen, geht durch Schatten spendenden Wald und über Forstwege. Es ist eine tolle kleine Wanderung zum Abschalten und Runterkommen. Zum Schluss ersetzen wir die verbrauchten Kalorien im Berghof durch neue in Form einer genial schmeckenden Vorarlberger Käsecreme-Suppe mit Croutons und einem Cappuccino.

In Friedrichshafen lädt das Dornier-Museum zu einer Reise durch die Firmengeschichte vom ersten Flugboot über die Kriegszeit und vom Verbot des Flugzeugbaus in Deutschland bis zum Beitrag Dorniers zur internationalen Raumfahrt. Die Ausstellung ist liebevoll gemacht und mit ihren originalen Flugexponaten nicht nur etwas für Technikbegeisterte. Wir bummeln fast zwei Stunden durch die verschiedenen Räume und schauen uns das ein oder andere Exponat auf Grund persönlicher Interessen etwas intensiver an: der einmotorige Schulterdecker Do 27 war das Flugzeug mit dem Michael Grzimek über die Serengeti flog, eine Zeichnung erklärt die Funktionsweise eines Windkanals und neben dem Nachbau des legendären Lufthansa Silberfuchs steht zumindest ein Auto im Museum – der Oldtimer des Gründers und Namensgebers Claude Dornier. Da Friedrichshafen in Deutschland liegt, herrscht im Museum Maskenpflicht und igendwie ist das zwar ungemütlich, fühlt sich aber richtiger an als in Österreich.

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Nach der kleinen Flucht aus dem Alltag sind wir zurück im täglichen Trott und träumen uns beim Anblick der Fotos zurück in unseren Dicken.

Verschränkungstest, Zulassung und letzte Arbeiten am Fahrzeug

Zwischenzeitlich haben uns Bilder vom Verschränkungstest erreicht. Wozu nochmal Verschränkung? Der Hintergrund ist einfach; je besser sich im Gelände die Achsen zueinander verschränken können und je mehr Bodenunebenheiten die Federn ausgleichen, desto besser bleiben die Räder am Boden und desto länger bleibt der Vortrieb erhalten.

Der Hintergrund des Tests ist, einerseits dies zu erproben; andererseits muss gerade bei einem Fahrzeug mit einem so individuellen Aufbau sichergestellt sein, dass auch im Gelände alles hält und nichts schleift. Kritisch sind dabei neben den Rädern und Radhäusern auch der Durchgang zur Kabine und alle Leitungen und Kabel.

Zudem haben wir unser Fahrzeug mittlerweile erfolgreich als „geländegängiges Fahrzeuge zur Personenbeförderung mit höchstens acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz“ zulassen können. Mzungu gilt als Wohnmobil und ist damit von LKW-Maut und Sonntagsfahrverboten ausgenommen; mit der EG-weit neuen, eingetragenen Fahrzeugklasse M1G ist das auch im europäischen Ausland erkennbar (bei der alten deutschen Fahrzeugklasse „So.-Kfz. Wohnmobil“, die außerhalb Deutschlands keine Gültigkeit mehr hat, wäre das weniger eindeutig gewesen). Unser zulässiges Gesamtgewicht liegt gemäß der neuen Einzelabnahme jetzt bei 11,5t, das Leergewicht bei knapp 8,8t – ein Wert, mit dem wir sehr zufrieden sind und der reichlich Reserven lässt. Die Länge liegt bei „kompakten“ 7,30m, die Breite bei 2,50m und die Höhe bei 3,70m.

Versichert haben wir unseren Mzungu über Jahn & Partner bei der Nürnberger, denn wir wollen in Afrika und Asien unterwegs und versichert sein. Für Südamerika werden wir uns eine andere Lösung überlegen müssen.

In ein paar Wochen wird unser Fahrzeug auf der Homepage wohl als Bocklet DAKAR 730 zu finden sein.