Wasser unterwegs – Teil 2

Seit dem ersten Teil von „Wasser unterwegs“ wurden einige Stunden in Internetrecherchen investiert, Daten und Preise verglichen und Teile bestellt. Alles ist eingetroffen; unheimlich viel Zeug, was jetzt zusammen hoffentlich funktioniert.

Das ganze System wird mit Schläuchen von ½ Zoll Durchmesser aufgebaut, die trinkwassergeeignet sind. Alle Kupplungen und Verbinder müssen den passenden Durchmesser haben. Die Schlauchlängen sind  1m, 3m, 6m und 20m; damit sollten sich alle im ersten Teil genannten Konfigurationen aufbauen lassen. Für die Vorförderpumpe haben wir uns für eine Einhell Gartenwasserpumpe mit 650W entschieden; die 24V Befüllpumpe, die einen ausreichenden Druck für die Filterkartusche erzeugen muss, ist eine Marco UP10 Zahnradpumpe, die für Dauerlauf ausgelegt. Wir verwenden die gleiche Lilie Certec 3in1 Filterkartusche wie im Fahrzeug, aber in einem einfacheren Gehäuse.

Alle technischen Daten sind soweit abgeglichen; die Zahradpumpe liefert max. 7bar Druck, das Gehäuse hält 10bar stand und hat zudem ein Überdruckventil. Der mögliche Durchfluss durch die Kartusche beläuft sich auf 13,6l/min, die Pumpe liefert höchstens 18l/min, bei Gegendruck entsprechend weniger. Die große Unbekannte: welchen Widerstand bietet die Filterkartusche, welcher Durchfluss wird noch erreicht und steigt der Druck vor dem Filter vielleicht so an, dass das Überdruckventil öffnet? Brauchen wir eine zweite, parallel geschaltete Kartusche?

Also wird alles mit unzähligen Gardena-Verbindern zusammen gebaut – und funktioniert auf Anhieb!

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Die Gartenpumpe füllt durch den 20m-Schlauch einen 10l Eimer in 30sec, liefert also bis zu 1200l/h. Unsere Befüllpumpe benötigt – für die Förderung durch die Keramikkartusche samt Aktivkohle! – für die gleiche Menge 35sec, fördert also rund 1000l/h und damit sehr viel mehr als gedacht. Eigentlich sogar mehr als für die Filterkartusche zulässig, insofern müssen wir wohl noch über einen Druckminderer nachdenken oder doch eine zweite Kartusche parallel schalten. Rechnerisch wäre ein 300l Tank in knapp 18min gefüllt; der Wert erhöht sich aber schnell, wenn sich die Kartusche mit Sediment zusetzt. Daher sind wir froh um die Reserven. Zudem läuft alles ausgesprochen leise und nichts tropft.

Der nächste Schritt ist die Unterbringung der Filteranlage in geeigneten Staukisten – aber dafür fehlt uns noch das Rastermaß für die Kisten in unserer Heckgarage.

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Wasser unterwegs – Teil 1

Manche Themen, die bei unserem Defender noch einfach zu lösen waren, erfordern beim LKW einige zusätzliche Überlegungen. Zum Beispiel die Sache mit dem Trinkwasser. Im Defender haben wir einen fest verbauten Tank mit ca. 35l Volumen und einen Kanister mit 15l Volumen zur Sicherheit – oder für kurze Reisen, bei denen der Tank leer bleibt. Beides lässt sich zur Not mit 5l-Kanistern aus dem Supermarkt wieder füllen, wenn kein gutes fließendes Wasser zur Verfügung steht. Dem Wasser im Tank wird als Schutz gegen Verkeimung Micropur zugegeben, einmal im Jahr werden Tank und Leitungen desinfiziert – und das war’s.

Wie sieht das Ganze aber mit einem weit verzweigten Leitungssystem, einer Warmwasserversorgung, rund 300l Tankvolumen und vor allem einem fast unbegrenzten weltweiten Einsatz aus? Hier führt kein Weg mehr am Betanken an öffentlich zugänglichen Wasserquellen vorbei, im Zweifel auch aus Flüssen oder Bächen (also „drucklosen Quellen“), die auch mal weiter als 5m vom Fahrzeug entfernt sein können und deren Trinkwasserqualität unklar ist. Das Betanken darf nicht ewig dauern, und eine Aufbereitung des Wassers wird unerlässlich. Aber wie und wo?

Zunächst mal haben wir uns für eine Wasserfilterung bei der Entnahme aus dem Tank entschieden also HINTER dem Tank. Das Wasser wird von einer Druckpumpe durch ein Filtersystem von Lilie gepumpt, das über einen Keramikfilter Schwebstoffe, Bakterien und Viren sowie über Aktivkohle Chemikalien und Gerüche aus dem Wasser filtert. Damit ist unser Trink-, Koch- und Duschwasser schon mal einwandfrei, wenn wir es aus dem Tank entnehmen.

Wie sieht es aber mit dem Wasser aus, das wir tanken – also VOR dem Tank? Nach langen Überlegungen haben wir uns dafür entschieden, auch dieses Wasser zusätzlich zu filtern. Hintergrund; wir wollten vermeiden, dass wir schmutziges Wasser einlagern, dass im Tank und in den Leitungen ein Eigenleben entwickelt, welches sich nicht mehr kontrollieren und kaum noch reinigen lässt. Also bauen wir einen Befüllfilter!

Und damit gehen die Überlegungen erst richtig los – was muss er können, unser Befüllfilter? Am einfachsten ist noch die Filtration selbst – wir verwenden den gleichen Standard wie im Fahrzeug. Damit müssen wir nur einen Typ Filterkartuschen bevorraten. Aber der Rest ist kniffelig; wir nehmen uns die folgenden Randbedingungen vor: wir wollen aus bis zu 25m Entfernung unsere 300l Tankvolumen in 1h füllen können, brauchen also rund 5l/min Volumenstrom, der im Fahrzeug ankommt. Einen Höhenunterschied planen wir nicht explizit mit ein, nachdem sich dessen Auswirkung nicht vorab berechnen lässt, und planen das Fördervolumen entsprechend höher. Unterscheiden wir für das System also die folgenden Fälle:

Im Fall 1 haben wir eine Quelle mit Druck, bspw. einen Wasserhahn, mehr oder weniger in der Nähe des Fahrzeugs. Einfach – Filter mit Schläuchen an Wasserhahn und Fahrzeug anschließen, ggf. ein Verlängerungsschlauch hinzu, fertig.

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Im Fall 2 haben wir nun eine drucklose Quelle in der Nähe des Fahrzeugs. Für diese brauchen wir eine Pumpe, die nach Spannung, Fördermenge und Druck auf den Filter und die Befüllzeiten abgestimmt ist, zudem entsprechende Kabel, Kupplungen usw. Wir realisieren das Ganze über eine leistungsstarke 24V Zahnradpumpe, die für Dauerbetrieb geeignet ist.

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Fall 3 ist der kritischste. Wir haben eine drucklose Quelle, bspw. einen Bach, in einiger Entfernung. Problem dabei; die Pumpe lässt sich nicht wie in Version 1 in 25m Entfernung an die Quelle stellen! Der Grund dafür ist nicht die Pumpe selbst, sondern der nötige Leitungsquerschnitt, der aufgrund der hohen Ströme bei der geringen Spannung von 24V nötig würde. Daher nutzen wir in Fall 3 eine zweite 220V Pumpe zur Vorförderung, die wir mit unserem Spannungswandler und einer Kabeltrommel auch in großer Entfernung betreiben können. Die Vorförderpumpe produziert allerdings keinen ausreichenden Druck für den Wasserfilter, zumal nicht bei bis zu 25m Förderstrecke.

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Lässt sich nun die 24V Befüllpumpe mit dem Druck der Vorförderpumpe beaufschlagen? Das wissen wir noch nicht. Daher kommt es vielleicht zu einem alternativen Aufbau, bei dem wir ein Ausgleichsgefäß zwischenschalten.190928_Befüllfilter_Fall3-3

Soweit die Theorie. Aus den Überlegungen ergeben sich jetzt lange Teilelisten (z.B. für die mehreren Schläuche, die oben schon mit Ziffern versehen sind), die wir sukzessive beschaffen, zusammenstecken und ausprobieren werden – aber davon später mehr.

Ein verlängertes Wochenende in Barcelona

Er ist 16 Uhr, wir kommen gerade aus dem Büro und sitzen ganz luxuriös in der zweiten Reihe mit extra Beinfreiheit und priority boarding im Flieger nach Barcelona. Nein, wir haben nicht sündhaft viel Geld für die Flugtickets für unseren Wochenendtrip bezahlt, sondern haben beim Gepäck Check-in bei der Billig-Airline Vueling unverschämtes Glück, ein Upgrade für Hin- und Rückflug zu bekommen.

Im Vorfeld hatten wir uns einen Voucher für die Hola Barcelona Travel Card für die öffentlichen Verkehrmittel besorgt, und so sind wir bereits stressfrei und 40 Minuten nach unserer Ankunft am Hotel Balcelona Universal. Christoph hatte bei der Hotelwahl ein geniales Händchen, denn das Hotel liegt zentral, direkt an einer Metro-Station, ist sauber und ordentlich und hat ein tolles Frühstück. 10 Minuten nach dem Hotel-Check-in sitzen wir mit unseren Freunden in der Bar Canete bei Rotwein und Sea-Food-Tapas; als Krönung gibt es einen Absacker-Cocktail auf der Dachterrasse des Hotels. Ein perfekter Start in ein langes gemeinsames Wochenende zu sechst.

Am ersten Tag sind wir mit dem Tour-Guide Ton David Jover unterwegs. Er ist Katalane durch und durch. Für ihn sind die Katalanen ein eigenes Volk (nein, nicht nur eine eigene Nationalität) und die Spanier sind nur Nachbarn. Schlechte Nachbarn; denn sie nehmen das Geld der Katalanen und finanzieren damit die Polizei, die gegen den Widerstand und gegen die Unabhängigkeit kämpft. Die Katalanen sind für ihn nicht wie die Spanier. Sie sind fleißig, pünktlich und ruhig; eher wie wir Deutsche, betont er. Schließlich stammt man ja gemeinsam von den Germanen ab.

Wir haben ein strammes Programm. Los geht es mit dem Mercat de la Boqueria an den Ramblas – laut Ton David eine der ältesten Markthallen Europas und nach Tokio der zweitgrößte Fischmarkt der Welt. Die Auslagen sind beeindruckend. Frischer Fisch jeder erdenklichen Sorte, auf Eis gebettete lebende Hummer und Krabben, geräucherter Schinken an der Keule, noch nie gesehene Innereien, Tierköpfe, Obst und Gemüse. Einerseits schade, dass wir gerade erst gefrühstückt haben, andererseits haben wir bei all den toten Augen, die uns anschauen, und bei den zuckenden Meeresfrüchten, das Bedürfnis zum Vegetarier zu werden. Hier und da dreht sich uns zwischen Hirn, Pansen, Magen, Niere und Kutteln außerdem fast der Magen um.

Wir laufen durch die Altstadt, besichtigen das Palau Güell, essen Tapas in einem Baskischen Restaurant, laufen an der Casa Milá vorbei, besichtigen die Casa Batlló und den Park Güell, für den wir die Tickets vorab besorgt hatten. Barcelona ist die Stadt Antoni Gaudís und man ist stolz auf die architektonischen Meisterwerke des Modernissime. Gaudí liebte organische Formen und hasste alles rechtwinkelige und parallele. In seinen Gebäuden findet man viele Anlehnungen an die Natur; die Formensprache der Tier- und Pflanzenwelt begegnet einem überall. Alles ist bunt und strahlt Lebendigkeit aus. Nichts ist gerade oder einfarbig.

Die Krönung des Tages ist die La Sagrada Família, für die man die Tickets auch unbedingt vorher kaufen sollte. Wir sind am späten Nachmittag in der Kathedrale; der idealen Zeit, um das unvergleichliche Lichtspiel zu bewundern. Mit offenen Mündern laufen wir durch die Kirche und können uns kaum satt sehen. Es ist unbeschreiblich und wir wollen uns gar nicht los reißen.

Gekrönt wird der abwechslungsreiche Tag von einem wundervollen Abend mit genialen Tapas im Ciudad Condal (danke an Inas Kollegen für den genialen Restaurant-Tipp). Wir lassen den Abend mit Sangria am Swimmingpool des Hotels auf der Dachterrasse gemütlich quatschend, mit den Füßen im Wasser ausklingen.

Am nächsten Tag besichtigen wir die Basilica Santa Maria del Mar aus dem 14. Jahrhundert. Was für ein Gegensatz zur luftigen und hellen La Sagrada Família. Es es düster und bedrückend, ein golden protzender Altar reiht sich an den nächsten. Im späten Mittelalter waren Gotteshäuser kein Ort der Zuflucht, der Befreiung und der Chance, jeden Tag wieder sein bestes zu geben, sondern ein Ort der Erinnerung an Sünde, Fehlverhalten und ewiger Knechtschaft für einmal getätigte Verfehlungen. Einen schönen Einblick in das Leben zur damaligen Zeit gibt der historische Roman Die Kathedrale des Meeres von Ildefonso Falcones, den Ina anlässlich unseres ersten Barcelona-Besuchs 2011 gelesen hat.

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Beeindruckt von dem zur Schau gestellten Reichtum verlassen wir die Kathedrale, entfliehen der Hitze und machen uns mit dem Funicular und dem Bus auf zum Parc Montjüic. Unter den Bäumen ist es angenehm kühl, die Luft ist frisch und der Ausblick auf die Stadt und den Hafen ist einfach phantastisch.

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Wieder am Fuße des Hausbergs Barcelonas angekommen, nehmen wir von der Station Miramar aus den Telefèric (oder auch Aeri) del port – nicht zu verwechseln mit dem Telefèric Montjüic; mit der zur Weltausstellung 1929 gebauten Seilbahn gondeln wir über den Hafen zum auf einer Landzunge vorgelagerten Strand. Es ist noch immer gnadenlos heiß, die Fußsohlen brennen auf dem heißen Sand und so flüchten wir nach einem erfrischenden Drink in der Strandbar wieder vor der Sonne. Wir laufen durch das volkstümliche Viertel La Barceloneta, das im 18. Jahrhundert schachbrettartig aus gleichförmigen Häusern für Hafenarbeiter und Fischer errichtet wurde und heute einen ganz eigenen Charme hat.

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Mit der Metro sind wir pünktlich um 21.30 Uhr an der Font Màgica am Placa d’Espanya. Die Choreografie aus Wasserfontänen, Beleuchtung und Musik ist ein unglaubliches Schauspiel, das sich fast unendlich fortsetzt. Wir haben Glück mit der Jahreszeit, denn mit Einsetzen der Wasserspiele wird es langsam dunkel; es ist genau diejenige Zeit am Abend, in der man die besten Fotos von den beleuchteten Wasserspielen machen kann. Erschöpft und müde, aber überglücklich und voller Eindrücke fallen wir abends ins Bett.

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An unserem letzten Tag herrscht bereits morgens Aufbruchstimmung. Wir frühstücken lange und nutzen nochmal die Chance, ausgiebig zu sechst zu quatschten, bevor wir in den Parc de la Ciutadella fahren. Vom Arc de Triomf geht es vorbei am eindrucksvollen Brunnen Font de la Cascada, dessen Zentrum aus einem Wasserfall und Wasserfontänen besteht – der Architekt des Brunnens wurde bei seiner Arbeit übrigens von einem kreativen Studenten namens Antoni Gaudí unterstützt. Die Menschen sind in Sonntagsstimmung und man sieht Seifenblasenkünstler, Verkäufer von Tüchern, Rikscha-Fahrer und herausgeputzte Familien in Flanierlaune. Irgendwie fühlt man sich zurück versetzt in das frühe 20. Jahrhundert.

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Unsere letzte Station ist das Palau Nacional mit dem Museu Nacional d’Art de Catalunya. Es gibt Ausstellungen romanischer und gotischer Kunst, ebenso Sammlungen des Barocks, der Renaissance und der Moderne. Wir konzentrieren uns auf die beiden ersten Ausstellungen, zumal die Romaniksammlung eine der umfangreichsten der Welt ist. Die Kunstwerke sind wunderbar präsentiert, das Ambiente ist traumhaft und die Vielzahl der Ausstellungsstücke ist fast erschlagend. Wir laufen staunend durch die Ausstellungen und können uns kaum satt sehen. Es ist viel zu wenig Zeit für das phantastische Museum; wir werden sicher wiederkommen – dann mit viel mehr Zeit -, denn das Museum ist für uns eines der schönsten der Welt.

Nach drei Nächten in der Hauptstadt Kataloniens geht es wieder nach Hause. Es war ein wunderbares langes Wochenende mit tollen Freunden in einer traumhaft schönen Stadt, an das wir noch lange zurück denken werden.