Die Wohnburg An N’aman in Barka

Wir kommen an der Burg an und schlüpfen durch die kleine Türe des massiven Holztors. Drinnen begrüßt uns Ibrahim Alzgli, der seit der Restaurierung und Öffnung der Burg für die Öffentlichkeit im Jahre 1991 bereits Fremdenführer in der Burg ist.

Ibrahim heißt uns willkommen in seinem Land – nicht als Gast, sondern mit den Worten “mein Land ist euer Land”. Wie viele Omanis legt er Wert darauf, dass alle rechtschaffenen Menschen gleich sind, egal ob Omanis, Deutsche, Amerikaner, Frauen, Männer, Moslems oder Christen. Es ist ihm wichtig, uns gegenüber zu betonen, dass der Oman ein weltoffenes und sicheres Land ist.

Die Burg ist über 300 Jahre alt und wurde als „Rasthaus“ auf dem Weg zwischen Muscat und ar-Rustaq gebaut. Es gibt einen Raum für Frauen und einen für Männer; wenn die Familie unter sich war, haben Frauen und Männer jedoch zusammen gesessen.

Das Wohnfort wird aus Nakhl unterirdisch mit Wasser versorgt. Das Wasser läuft zunächst durch die Burg, wird dort benutzt und läuft dann in den Garten, in dem 6.000 Dattelpalmen und 3.000 Kokosnusspalmen gepflanzt wurden.

Beeindruckt hat uns, dass die Mauern der Burg 1,5 Meter dick sind und sich bei einem Angriff die Bewohner zwischen den Wänden unentdeckt nach außen retten konnten.

Ein paar Tage später sollten wir die Burg ein zweites Mal sehen; im Nationalmuseum in Muscat steht von ihr ein sehenswertes Modell.

“Frohe Weihnachten” mal anders …

Die katholische Kirche St. Peter & Paul in Muscat war heute zur Christmette rappelvoll. Wir waren 75 Minuten vor Beginn der Messe da und haben einen der letzten Parkplätze bekommen, und einen der letzten Plätze in der Kirche. Eine Stunde vor Beginn der Messe wurde der Rosenkranz gebetet und eine halbe Stunde vor Beginn der Messe hat ein Kinderchor die „normalen“ christlichen Weihnachtslieder gesungen – auf Englisch natürlich.

Die Gemeinde besteht im Wesentlichen aus südostasiatischen Christen. Die Menschen sind aus Malaysia, Indien, Sri Lanka, den Philippinen, Pakistan, Bangladesh etc. Europäer haben wir außer uns noch vier gesehen – vier von mehreren Tausend Gläubigen heute.

Es gab fünf Geistliche, 8 Messdiener, 30 Messdiener in der „zweiten Reihe“, 40 Kommunionhelfer und ein je 50 köpfige Kinderchor und Jugendchor – die letzten Zahlen sind grob geschätzt.

Der Gottesdienst wurde in mehrere Gebäude übertragen sowie auf die umliegenden Zwischenhöfe, die mit Plastikstühlen vollgestellt waren, so daß Platz für 4.000 – 5.000 Menschen war. Während die Messe sehr feierlich und würdevoll war, herrschte nach dem Segen ein riesiges Chaos überall.

Der Gottesdienst war ganz anders als in Europa – uns wurde bewusst: das Christentum ist in Südostasien einfach anders. Es war bunt, fröhlich, intensiv, von Herzen kommend aber auch irgendwie unterwürfiger und stärker der Mensch als Sünder, der um Fürbitte, Erbarmen und Gnade bittet. Wir sind noch total beeindruckt.

Übrigens: am 1. Januar werden acht (!) Messen gefeiert, davon einige in Tamil, Malayisch und Urdu…

Durch das Hajar al-Gharbi zur Küstenebene Batinah und weiter nach Muscat

In Al-Ain verlassen wir die Vereinigten Arabischen Emirate und reisen wieder in den Oman ein. Gleich hinter der Grenze ist es zunächst topfeben und die Gegend wirkt mit dem grauen Gestein wie eine bizarre Mondlandschaft.

Die Berge des Hajar-Gebirges sind im Osten zum Greifen nahe und schon bald erreichen wir hinter Qumayrs den ersten atemberaubend schönen, 1.000 Meter hohen Pass. Wir versuchen große Straßen zu vermeiden und schlängeln uns über Pisten, durch Oasen, durch kleine Orte und vorbei an Moscheen durch die Berge.

Die Strecke von Manqniyat in den Süden nach Al-Ayn ist wunderschön. Immer wieder laufen Ziegen oder Kamele über die Straße bzw. die Piste oder fressen in deren Nähe die dornigen Büsche.

Die ca. 20 Bienenkorbgräber auf dem Bergrücken nördlich des Ortes Al-Ayn sind eindrucksvolle Zeitzeugen aus der Zeit 3.000 vor Christus und zählen zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Gräber sind aus grob behauenen Steinen in der Form von Bienenkörben aufgeschichtet, haben winzige Eingänge und sind ca. 3 Meter hoch. Einige haben mehrere Mauerschichten.

Das Wadi Dahm, in das sich die Straße weiterschlängelt, gibt einen ersten Vorgeschmack auf das, was noch kommt. Am rechten Wadi-Rand verläuft eine Traum-Piste. Unterwegs kann man auf einem 800 Meter hohen Plateau mit tollem Ausblick in die Berge und in das trockene Flussbett des Wadi campen (vielen Dank an die Macher der App iOverlander).

Von Manqniyat nach Norden überquert man das Hajar-Gebirge Richtung Meer. Die Piste bis nach Murri ist ein absolutes Highlight. Sie windet sich durch die Berge, hinab durch ein phantastisches Trockental und vorbei an einer eingefallenen Festungsanlage.

Über Rustaq und Al-Hazm geht es für uns raus aus den Bergen in den flachen 40 Kilometer breiten Küstenstreifen Richtung Muscat.