Anreise

Nach einem halben Arbeitstag und dem Abschluss der Reisevorbereitung am Donnerstag Nachmittag erreichen wir mit einem Nachtflug über Istanbul Freitagmorgen Dubai. Am Zoll interessiert man sich erstmals, seit wir reisen, für unser Gepäck. Wir erfahren, dass die Walkie Talkies in unserer Reisetasche, die wir bei Geländefahrten zum Einweisen benutzen, in den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht erlaubt sind, finden aber mit dem sehr um eine Lösung bemühten Zollmitarbeitern einen Weg, bei dem wir die Geräte nicht vor Ort entsorgen müssen.

Da der Freitag in der islamischen Welt ein Feiertag ist (ähnlich dem Sonntag in der christlichen Welt), steht das Geschäftsleben in Dubai ziemlich still. Auch die Metro fährt an dem Tag erst ab 10:30 Uhr. Um nicht am Flughafen festzusitzen, nehmen wir nach unserer Ankunft um 8 Uhr morgens ein Taxi in die Dubai Mall, das mit 1.200 Geschäften das größte Einkaufszentrum der Welt ist.

Zuhause war es vor dem Abflug hektisch und das Wetter war grau mit Nieselregen und leichtem Schnee bei 0 Grad. Plötzlich sitzen wir in der Dubai Mall und schauen unter Vogelgezwitscher bei 20 Grad Celsius auf’s Burj Khalifa, das mit 828 Metern höchste Gebäude der Welt. Aus den Lautsprechern an der künstlichen Seenlandschaft trällern Weihnachtslieder wie “Winter Wonderland”. Es ist völlig surreal, wir fühlen uns komplett deplatziert und müssen erstmal mental ankommen, bevor wir uns in das Abenteuer Dubai stürzen.

Morgen geht es los!

Wir liegen gerade in den letzten Zügen unserer Reisevorbereitung. Im Moment herrscht noch kreatives Chaos. Irgendwie ist gerade überall Baustelle; es fehlen noch Ausdrucke von Reisepapieren, die Reisetasche steht halb gepackt im Flur und Batterien werden noch geladen. Morgen Abend geht es endlich über Istanbul nach Dubai. Das Schiff MSC Diana mit unserem Auto liegt bereits im Containerhafen und wartet hier auf uns: 25°01’26.5″N 55°03’19.8″E. Für unsere Reise haben wir einen ganz groben Plan mit ein paar Eckpunkten:

  • Stadtbesichtigung Dubai mit Fahrt auf’s Burj Khalifa und Auto abholen
  • Fahrt in die Enklave Musandam
  • Fahrt zurück nach Dubai zum Traveler’s Festival
  • Weihnachten in Muscat feiern mit Besuch der Kirche Saints Peter & Paul
  • Entlang der Küste nach Salalah fahren
  • Entspannt Silvester feiern in Salalah
  • Durch’s Inland zurück nach Dubai fahren
  • Auto in Dubai abgeben, nochmal Shoppen und zurück nach Hause

Wir werden versuchen, Euch über diesen Blog auf dem Laufenden zu halten, wo wir gerade sind und was wir gerade erleben.

Vielen Dank an alle Kollegen und Freunde, die Dubai und den Oman kennen, uns mit guten Tipps versorgt haben oder sich einfach mit uns freuen … und 1.000 Dank an unsere Familie, die Weihnachten auf uns verzichtet.

Krieg und Frieden

Bei unserem Steyr handelt es sich um ein österreichisches Militärfahrzeug. Unser Fahrzeug war aber beim Kauf weiß lackiert, hat ein UN-Logo und eine arabische Aufschrift an der Seite getragen; was hat es damit auf sich?

Unser Steyr gehörte wohl zu einem österreichischen Kontingent, das im Rahmen eines UN-Mandats auf den Golan-Höhen stationiert war. Die UN-Resolution 350 aus dem Jahr 1974 hat zum Ziel, die israelischen und syrischen Streitkräfte auf den Golanhöhen zu trennen und für die Einhaltung eines vereinbarten Waffenstillstands zu sorgen. Die hierzu ins Leben gerufene United Nations Disengagement Observer Force (UNDOF) besteht bis heute fort und zählt (Stand April 2018) 1.112 Soldaten, vor allem aus Nepal, den Fiji-Inseln und Indien. Bis heute hat die Mission 49 Tote zu beklagen; insgesamt kamen 27 Österreicher am Golan ums Leben, darunter drei gleich im Jahr 1974.

Auf der Startseite zu den Auslandseinsätzen des österreichischen Bundesheeres findet sich mittlerweile kein Verweis mehr auf das UNDOF Mandat, nachdem dieses zwischenzeitlich beendet wurde. Alte Dateien und Bilder sind auf der Seite aber immer noch verfügbar, darunter auch interessante Hintergrundinformationen zur UN-Mission. Ferner findet sich dort sogar ein Foto des Steyr 12M18 in der Lackierung der UN Friedensmission. Ob das unser Fahrzeug ist? Wir wissen es nicht. Zur Beendigung des Mandats selbst gibt die offizielle Seite des Bundesheeres keine Auskunft, wohl aber das Truppenmagazin. Dort steht zu lesen, dass Österreich sein Kontingent in 2013 – nach über 39 Jahren – aufgrund der verschlechterten Sicherheitslage kurzfristig abgezogen hat.

Weitere Informationen zum UNDOF Einsatz und zu den verwendeten Fahrzeugen erfährt man auch im privaten militärhistorischen Archiv Doppeladler.

Über die Pressestelle des österreichischen Bundesheeres habe ich versucht, anhand der Fahrgestellnummer genaueres über die Historie unseres Fahrzeugs herauszufinden. Zu meiner Anfrage (Originalzitat) „nimmt das Bundesministerium für Landesverteidigung wie folgt Stellung:

  1. Gegenständliches Fahrzeug wurde im September 1986 in den Bestand des öBH [Österreichisches Bundesheer] übernommen
  2. Im Jänner 2006 wurde das Fahrzeug dem UNB [UN-Batallion] Naher Osten zugeteilt wo es bis Mai 2014 verwendet wurde
  3. Nach dem Rücktransport nach Österreich wurde das Fzg ausgeschieden und im Oktober 2014 behördlich abgemeldet und der Versteigerung zugeführt.“

Also, Krieg oder Frieden? Dass unser Steyr mal für militärische Einsätze entwickelt und gebaut worden ist, hat einen Teil zur Kaufentscheidung beigetragen, garantiert es doch eine höhere Belastbarkeit und größere Robustheit. Wir fühlen uns aber gut damit, dass ausgerechnet unser Steyr einen kleinen Beitrag geleistet hat, die Welt ein bisschen friedlicher zu machen.