Die Österreicher, die Deutschen und die Amis

Der Steyr 12M18 wurde als Militär-LKW für das Österreichische Bundesheer entwickelt und rund 2.500 Mal gebaut. Der 12M18 ersetzte dabei den Vorgänger Steyr 680M, von dem auch noch einige Exemplare als Oldtimer im Umlauf sind. Außer Österreich setzten auch die Armeen der Slowakei (als TANAX Aktis 4×4), von Griechenland und Thailand (als Steyr 14M14) das Fahrzeug ein, große Stückzahlen blieben dem 12M18 aber verwehrt. Daran änderte auch die Werbung nichts – in diesem Video zum 50-jährigen Bestehen der Steyrer Dieselmotorenproduktion im Jahr 1995 werden ab Minute 18:10 die militärischen Eigenschaften der LKW angepriesen …

Eine neue Entwicklung ergab sich aber, als 1988 das amerikanische Verteidigungsministerium eine Ausschreibung für einen neuen LKW startete, die unter dem Titel „Family of Light and Medium Tactical Vehicles“ lief – abgekürzt LMTV. Steyr beteiligte sich gemeinsam mit Stewart & Stevenson mit einem stark veränderten 12M18 an der Ausschreibung. Unter anderem wurde ein Allison Automatikgetriebe mit 7+1 Gängen verbaut und der Motor durch einen 7,2l Caterpillar Diesel mit rund 230PS ersetzt. Zudem wurden die Achsen geändert; am Ende bestanden die Prototypen zu 50% aus US-amerikanischen Teilen. Auch das Cockpit entsprach wieder amerikanischem Militärstandard; lackiertes Blech, wenig Kunststoff, massive Schalter. Steyr und Stewart & Stevenson gewannen die Ausschreibung, und ab 1994 wurden über 60.000 LMTVs unter dem Namen LMTV an das US-Militär geliefert.

Dabei entstand auch die geplante „Familie“ von Fahrzeugen. Neben dem zweiachsigen Standard-Cargo-LKW (M1078) entstanden neben vielen anderen auch dreiachsige (M1083) Versionen, die gepanzert werden konnten. Stewart & Stevenson und Oskosh erhielten 2001 einen Folgeauftrag für die Nachfolgegeneration; 2006 wurde Stewart & Stevenson von Armor Holdings Inc. übernommen, die wiederum von BAE Systems gekauft wurden. Mittlerweile ist Oskhosh der einzige Hersteller der „Nachfahren“ des 12M18, die unter der Bezeichnung FMTV A1P2 gebaut werden und denen man eine gewisse Ähnlichkeit zum Steyr noch ansieht. Die ursprünglichen LMTV M1078 werden derzeit ausgemustert und wechseln für weniger als 5000$ in private Hände; einzelne Exemplare sind als günstige Alternative zum Steyr 12M18 mittlerweile auch in Europa anzutreffen, aber mit dem ursprünglichen Fahrzeug auch nicht mehr vergleichbar.

Von dem Deal mit den Amerikanern dürfte Steyr selbst wenig profitiert haben. Seit den 1940er Jahren war das Unternehmen SteyrDaimlerPuch, das aus einer 1830 gegründeten Gewehrfabrik hervorgegangen war, ein Mischkonzern. Dessen LKW-Sparte wurde mit dem Namen Steyr 1990 an die deutsche MAN Truck & Bus AG in Karlsfeld bei München verkauft. Gerüchteweise war MAN besonders am modernen Fahrerhaus des 12M18 interessiert, das seiner Zeit voraus war. Der bekannte MAN L2000 verwendet entsprechend auch das Fahrerhaus nahezu unverändert weiter, die Türen sollen mit dem 12M18 austauschbar sein. Steyr Fahrzeuge findet man im MAN-Portfolio heute nicht mehr, den österreichischen Standort betreibt die MAN aber weiter.

Theoretische Führerscheinprüfung? Tick !

Wir haben am Montag Abend die theoretische Führerscheinprüfung für unseren LKW-Führerschein Klasse C geschafft.

Vor dem Erfolg hat das deutsche Verwaltungssystem aber den Behördenapparat gesetzt.

Zuerst haben wir ein den Antrag auf Erteilung der Fahrerlaubnis von der Webseite des Landratsamts Dachau herunter geladen. Wir haben das Formular ausgefüllt, unterschrieben und von unserer Meldebehörde, der Gemeinde Bergkirchen, bestätigen lassen. Das Formular haben wir mit einem biometrische Passfoto, einem Sehtest und einem ärztlichen Gutachten bei der Führerscheinstelle in Dachau abgegeben. Nach ca. 3 Wochen hat die Fahrschule die Bestätigung bekommen, dass von uns vermutlich kein größeres Verkehrsrisiko ausgehen wird.

Danach sind wir zur Fahrschule gefahren, um diese zu beauftragen, uns zur theoretischen Prüfung anzumelden, um eine Gebühr zu zahlen und um einen Ausbildungsnachweis zu bekommen.

Wir hatten gut 6 Wochen Zeit, haben das Lehrbuch durchgearbeitet, mit der App „Fahren Lernen Max“ 833 Fragen gebüffelt und ungefähr 30 Testbögen zur Probe gemacht.

Dann ging es zum Prüfungstermin zum TÜV. Auch hier wurde eine Gebühr fällig und der Ausbildungsnachweis war vorzulegen. Die Prüfung selbst war vollelektronisch auf Tablets, und am Ende haben wir wieder ganz unelektronisch ein Blatt Papier mit dem Ergebnis erhalten.

Inas absolute Favoriten dämlicher Antwortmöglichkeiten:

  • Eine Pferdekutsche überholt man auf einer Landstraße am besten mit hoher Motordrehzahl.
  • Mit einem blinden Mann (auf dem Foto durch weißen Stock, Hund und gelbe Armbinde mit 3 schwarzen Punkten zu erkennen), der die Straße überqueren möchte, nimmt man Blickkontakt auf.
  • Die Legende einer Straßenkarte gibt einen historischen Überblick über die Entstehung der Karte.
  • Die Anweisungen eines elektronischen Navigationsgeräts sollen stets befolgt werden.
  • Straßenkarten von Automobilclubs und Tankgesellschaften weichen nie von den wahren Begebenheiten ab.
  • Bei kippgefährdeter Ladung hat man eine Begleitperson zur Sicherung auf der Ladefläche mitfahren zu lassen.

Aber es waren nicht alle Antworten so leicht durchschaubar. Abgefragt wurden technische Themen wie die Funktionsweise der Federspeicherbremse, des Mehrkreisbremssystems, der ALB (automatische lastabhängige Bremse), der Selbstzündung des Dieselmotors, unterschiedlicher Anhängerkupplungen und der Nockenwelle. Außerdem gab es Fragen zum Fahrtenschreiber, zu Lenk- und Ruhezeiten, zur Ladungssicherung, zum gewerblichen Gütertransport und zu besonderen Kennzeichnungspflichten.

Aber jetzt haben wir es geschafft: Wir haben 37 Fragen korrekt beantwortet und stoßen erstmal mit einem Glas Sekt an.

Prost!

Wir sind nicht die einzigen Verrückten

Wenn der Steyr so ein geniales Basisfahrzeug sein soll, dann sind wir doch sicher nicht die Einzigen, die damit unterwegs sein werden? Genau, es gibt noch mehr Verrückte.

Beispielsweise ist das Redaktionsfahrzeug der (übrigens sehr lesenswerten) Zeitschrift „Explorer Magazin“ auch ein Steyr, der eine recht ungewöhnliche Schachtelhubdach-Kabine trägt. Ferner fahren beispielsweise Christina und Ronald, die unter www.cosmotour.de zu finden sind, auch einen Steyr. Oder Hermann und Martina, auch bekannt unter www.die2hollys.de. Weiterhin Dieter und Bärbel, im Internet präsent unter www.steyr-mobil.jimdo.com. Und da sind dann auch noch Christian und Mi mit ihrem Oschi, auf deren Seite sich wunderschöne Bilder beispielsweise aus Marokko finden.

Vermutlich die bekanntesten Steyr-Fahrer unter den Fernreisenden sind aber Sabine und Burkhard Koch mit Ihrer Lila Pistenkuh. Über mehrere Fahrzeuge sind die beiden beim Steyr gelandet, mit dem sie mittlerweile rund 150.000km zurück gelegt haben. Auf ihrer Seite findet man auch viel Informationen zum Fahrzeug an sich, ihre Umbauten und die Erfahrungen im Reisealltag. Beeindruckende Aufnahmen ihres Steyr in seinem natürlichen Habitat haben die beiden bei Youtube online gestellt – und scheinen nach wie vor zufrieden zu sein, wie man hier nachlesen kann.