Warum ein Steyr 12M18 ?

Kaum eine Frage beschäftigt Offroad-Reisende wohl so sehr wie die nach dem richtigen (nächsten) Basisfahrzeug. Die Auswahl ist unendlich; der eine fährt mit einem über 40 Jahre alten Toyota Landcruiser bis nach Australien, der nächste kauft einen 18-Tonnen-Zetros von Mercedes und findet sein Glück in St.-Peter-Ording. Das Panoptikum an Möglichkeiten ist so individuell wie die Anforderungen – mindestens.

Hier liegt aber auch der Schlüssel; das Fahrzeug muss zu den eigenen Anforderungen passen. Uns war wichtig, dass wir ein technisch einfaches, gut wartbares Basisfahrzeug erhalten, das wir weltweit nutzen können und das keine Anforderungen an den verfügbaren Diesel stellt. Aufgrund komplizierter Motorentechnik scheiden damit die meisten nach 2000 gebauten Fahrzeuge aus. Ferner sollte das Fahrerhaus modern und komfortabel sein; der Radstand sollte für eine Kabine von ca. 4,5m Länge passen, bei kurzem Radstand, damit das Fahrzeug kompakt bleibt. Trotz Kabine sollte das Fahrzeug bzgl. Gewicht noch Reserven haben; ein potenter Allradantrieb mit Sperren stand zudem im Lastenheft. Wegen mangelnder Zeit, ausbaufähigem Talent und nicht zuletzt auch fehlendem Platz kam außerdem nur ein gut restauriertes Basisfahrzeug in Frage, das dann auch noch zu einem akzeptablen Preis verfügbar sein sollte.

Die beste Lösung – nicht einmal der beste Kompromiss, da wir alle Anforderungen erfüllen konnten – stellt der Steyr 12M18 dar, in der von Excap auf „besser-als-neu“ restaurierten Version. Komfortabler als ein Unimog, kleiner als ein MAN KAT, wendiger als ein Mercedes und besser verfügbar als ein alter IVECO. Eine Vorstellung des Steyr als Basisfahrzeug findet sich hier. Dass wir nicht ganz falsch gelegen haben können, zeigt die Tatsache, dass sich die Preise für das Fahrzeug (wohlgemerkt unrestauriert mit Baujahren um 1986) seit unserem Kauf in 2015 um die Hälfte erhöht haben.

Es geht mit grossen Schritten voran

Die Restaurierung unseres Steyr macht Fortschritte. Wir haben neue Bilder bekommen und Stefan ist voll im angepassten Zeitplan. Einer Abholung Anfang November steht vermutlich nichts mehr im Wege.

Anbei ein paar Impressionen vom Rahmen, vom Motor mit Getriebe und dem Fahrerhaus. Alles ist gereinigt, überholt und lackiert und die Verschleißteile sind ersetzt.  Wir finden, dass unserem Steyr die neue Stoßstange von Stefan total gut steht. Nur bei der Farbe sind wir uns nicht so sicher, ob es wirklich diejenige ist, die wir haben wollten.

 

Parallel lernen wir weiter für den Führerschein Klasse C. Am 05. November ist die theoretische Prüfung. Bis dahin müssen wir wissen wie die Federspeicherbremse und das Vierkreisschutzventil funktionieren, was eine Automatisch-Lastabhängige-Bremse ist, wie der Fahrtenschreiber zu bedienen ist und was beim Verlassen von Baustellen gilt.

Technik-Steckbrief zum Steyr 12M18

Wer an geländegängige LKW denkt, dem kommt ziemlich schnell das Universal-Motor-Gerät aus Gaggenau, besser bekannt unter der Abkürzung UNIMOG, in den Sinn. Jenseits der Produkte mit Stern bietet der Markt aber weit mehr Fahrzeuge mit einer guten Eignung für die Reise um die Welt. Was genau kann aber unser Steyr, der im Militärsprech glmLKW, geländegängiger mittlerer Lastkraftwagen heißt?

Zu den Eckdaten: Länge 6.360mm, Breite 2.500mm, Radstand 3.500mm, Wattiefe 800mm, Bodenfreiheit 300mm, Wendekreis 14,8m (!), Gewicht mit Pritsche 6.350kg, zulässiges Gesamtgewicht 11.500kg. Nach Rückbau der Pritsche bleibt ein Leergewicht von rund 5.600kg; damit ist ein Aufbau unter 7,5t zGG mit einer sinnvoll ausgestatteten Kabine aber nicht möglich. Wir rechnen fahrbereit mit ca. 9t und brauchen einen Führerschein Klasse C.

Angetrieben wird der Steyr von einem 6-Zylinder Turbodieselmotor mit 177PS, 6,6l Hubraum und Flammstartanlage. Aus Gewicht und Leistung setzt sich auch die Typenbezeichnung zusammen; 12M18 steht für 12t zulässiges Gesamtgewicht – militärischer Einsatzzweck – 18(0) PS Leistung. In unserem Fahrzeug wird die Einspritzpumpe überarbeitet, ein Ladeluftkühler ergänzt und die Luftansaugung geändert. Damit steigt die Leistung auf >210PS.

Das Getriebe hat 8 Vorwärtsgänge in Doppel-H-Schaltung, einen Crawler-Gang und einen Rückwärtsgang. Zusätzlich steht ein nachgeschaltetes Untersetzungsgetriebe zur Verfügung; damit verdoppelt sich die Anzahl der Vorwärtsgänge auf 18. Im Crawlergang und eingelegtem Untersetzungsgetriebe ist die Fahrgeschwindigkeit bei maximalem Motordrehmoment 2km/h; die serienmässige Höchstgeschwindigkeit liegt bei 98km/h. Aufgrund der Leistungssteigerung und geänderter Bereifung wird unsere Höchstgeschwindigkeit bei >110km/h liegen. Insgesamt stehen drei 100% Sperren zur Verfügung.

Das alles ist bedienbar über ein (für seine Zeit) top-modernes Cockpit, das den Standards moderner Fernreise-LKWs entsprach, während die Konkurrenz noch lackiertes Stahlblech und Knebelschalter verbaute.