Ich will einfach nur hier sitzen …

… so geht es einem manchmal nach einem langen und heißen Fahrtag, nach dem man sich auf ein gemütliches Glas Wein und ein leckeres Essen freut.

Stühle

Beim Campen braucht es dazu die passende Sitzgelegenheit, und wir haben einmal unsere Campingstühle in den Größen M, L und XL nebeneinander aufgestellt.

Stühle eingepackt

Die ältesten Campingstühle sind die grünen Coleman, die uns seit dem Anfang unserer Reisezeit mit Geländewagen 2003 begleitet haben. Erst 2013 haben wir sie durch die schwarzen Camp4 Regiestühle ersetzt; der Grund war, dass in unserem Defender Td4 im Vergleich zum Vorgänger Td5 hinter den Vordersitzen weniger Platz für die Ablage der Stühle war und wir deshalb auf kleinere Stühle ausweichen mussten. Die Camp4 sind zum Frühstücken und Abendessen am Tisch besser geeignet, weil man höher und aufrechter sitzt; zum Faulenzen am Lagerfeuer sind die Coleman aber viel bequemer.

Stühle ausgepackt

Für den Steyr haben wir uns unsere Traum-Stühle gegönnt, den King Goanna von Oztent. Bequemer und loungiger geht es kaum, und im LKW werden wir auch Platz für XL Campingstühle haben.

Wagen heben und Reifen wechseln

Die häufigste Panne, mit der wir unterwegs rechnen, ist die Reifenpanne – und solange es bei einem platten Reifen bleibt, werden wir uns nicht beschweren. Ein Durchstich der Lauffläche lässt sich voraussichtlich selbst beheben; ähnlich wie beim Fahrrad oder Geländewagen können auch beim LKW „Gummiwürste“ (oder fachmännisch: Dichtkörper) in den Stichkanal eingezogen werden, die die Öffnung verschließen. Beim Landy haben wir damit schon gute Erfahrungen gemacht.

Defender_Reifenwechsel

Aber ein Reifenwechsel erfordert beim LKW (der geneigte Leser ahnt es bereits) einen etwas anderen Materialeinsatz als beim PKW … hier könnten die hier bereits angesprochenen Hebekissen zum Einsatz kommen, aber nur mit diesem Hilfsmittel zu fahren, wäre uns zu heikel, zumal wir die Anschaffung erst einmal zurück gestellt haben.

Zunächst müssen wir unser rund 140kg schweres Ersatzrad auf den Boden bringen. Um es von der Rückwand des LKW abzulassen, brauchen wir einen Kettenzug, der in der Strebe des Ersatzradhalters eingesetzt wird. Dafür muss das Ersatzrad gelöst und in den Kettenzug eingehängt werden, was ohne Teleskopleiter nicht funktioniert.

Kran

Ist das Rad am Boden, kann das zu wechselnde Rad gelöst werden. Bei einem Anzugsdrehmoment von 500Nm keine leichte Aufgabe – das Moment entspricht einem Gewicht von 50kg auf einem Radmutternschlüssel von 1m Länge. Wir lösen das Ganze – im doppelten Wortsinn – hoffentlich sicher mit einer guten Stecknuss, einer Verlängerung (um seitlich am Reifen vorbei zu kommen) und einer Umschaltknarre oder einem sogenannten Quergriff mit Gleitstück. Alles zusammen erhält man bspw. in einem Set von Gedore. Auf den Quergriff wird dann bedarfsweise ein Rohr aus dem Baumarkt zur Verstärkung aufgesteckt, wenn die eigene Kraft nicht reicht.

Ist das Rad gelöst, kann das Fahrzeug angehoben werden. Wir rechnen mit einem fahrbereiten Gewicht von um die 8,5t. Zur Sicherheit wollen wir einen Wagenheber verwenden, der auf 10t ausgelegt ist, auch wenn nie das ganze Fahrzeug angehoben wird. Das eigentliche Problem ist aber die Hubhöhe; die Flankenhöhe unserer Reifen beträgt ca. 14 Zoll, also rund 35cm. Um diesen Weg muss ein Wagenheber das Fahrzeug anheben, um ein intaktes Rad zu montieren, wenn das Fahrzeug nach einem Reifenschaden im schlimmsten Fall mit der Felge am Boden aufliegt. Eine solche Hubhöhe bietet aber kein (transportabler) Wagenheber – es bleibt also nur, das Fahrzeug einmal anzuheben, dann abzustützen, den Wagenheber zu entfernen, einen erhöhten Unterbau für den Wagenheber herzustellen und erneut anzuheben. Wer einmal einen PKW mit 2t Gewicht zum Reifenwechsel angehoben hat – ohne dabei unter dem Auto zu arbeiten und zwischenzeitlich den Wagenheber umsetzen zu müssen! – kann sich vermutlich vorstellen, wie viel Respekt wir vor dieser Übung haben …

Zumindest technisch haben wir aber alles beisammen, was es dafür braucht. Unser Wagenheber wird ein Teleskopmodell von Weber Hydraulik mit 260mm Hubhöhe sein, die Abstützung erfolgt mit einem passenden Unterstellbock. Der Unterbau wird aus soliden Eichenholzklötzen hergestellt – hier haben wir uns bei Feuerwehren das sogenannte „Rüstholz“ abgeschaut … Ist das Rad gewechselt, wird das neue Rad mit Hilfe von Zentrierhülsen montiert und verschraubt. Die Hülsen verhindern, dass beim Aufsetzen des Rades die Radbolzen beschädigt oder verbogen werden. Das Anziehen besorgt später ein Drehmomentschlüssel.

Vielleicht haben wir ja auch Glück, und es ist nur etwas Luft im Reifen nachzufüllen. Dann bleibt das Rad am Heck, das Werkzeug in der Heckgarage, und wir lehnen uns hoffentlich entspannt zurück und lassen unser halbautomatisches Reifendruck-Füllsystem die Arbeit machen …

Bergung unterwegs

Wir sind zwar nicht die mutigsten Offroader unter der Sonne, aber über eine wesentliche Frage sollte sich jeder Fernreisende trotzdem Gedanken machen, bevor es auf große Tour geht: wie befreie ich mein Fahrzeug, wenn ich mich festgefahren habe? Wieder einmal stellt sich die Frage umso mehr, wenn man mit einem LKW unterwegs ist, denn die Chance ist minimal, dass jemand passendes Bergematerial dabei hat, wenn man selbst schon keines mitführt. Wie schwierig es werden kann, einen festgefahrenen LKW wieder zu bergen, hat diese Familie in Südamerika leidvoll erlebt …

Auf Platz eins der Einkaufsliste steht dann auch folgerichtig ein Bergegurt. Wir haben uns für ein Produkt für rund 100€ von Hebezone entschieden, ein spezielles (und vielfach teureres) Offroadprodukt braucht es da unserer Meinung nach nicht; der Markt für LKW-Zubehör gibt genug her. Die Länge soll 8m betragen, damit der Gurt auch als Abschleppseil Verwendung finden kann, aber welche Bruchlast wird benötigt? Und was ist Bruchlast überhaupt?

Beim Überschreiten der Bruchlast reißt der Bergegurt. Sicheres Arbeiten ist daher nur bis zu einem viel geringeren Wert möglich, der als maximale Arbeitslast oder „working load limit“, kurz WLL, bezeichnet wird. Grob überschlagen bringt ein Fahrzeug im besten Fall ungefähr die gleiche Zuglast auf, die sein Eigengewicht beträgt. Das entspricht auch ungefähr der Kraft, die man benötigt, um ein bis zu den Achsen im Schlamm steckendes Fahrzeug frei zu bekommen. Wir sind also von einer Zugkraft (entsprechend dem WLL) von rund 8t ausgegangen. Der gesetzliche Sicherheitsfaktor für Gurte, die zum Heben verwendet werden dürfen, beträgt 7; viele Hersteller von Abschleppgurten rechnen mit Sicherheiten von 2-3. Wir haben uns auf eine 4-fache Sicherheit festgelegt und kamen dann auf einen Gurt mit rund 35t Bruchlast. Das sollte halten.

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Gewöhnliche, so genannte statische Bergegurte haben nur eine geringe Dehnung von ca. 10%; um das Material zu schonen, sollte man nicht zu ruckartig anfahren. Seit vielen Jahren sind aber sogenannte kinetische Gurte im Einsatz. Bei diesen Gurten fährt man bewusst mit etwas Geschwindigkeit „in den Gurt“, der sich um bis zu 30% dehnt und diese Energie in Form eines sanften Rucks an das zu bergende Fahrzeug weitergibt. Damit lassen sich dann auch schwerere mit leichteren Fahrzeugen bergen sowie schwierige Bergungen bewältigen, zum Beispiel aus Schlamm. Eine schöne Sache, wenn nur der Preis nicht wäre – ein kinetischer Gurt mit gleicher Bruchlast kostet zum Beispiel von Bubbarope über 500€, das fünffache eines konventionellen Gurts – kommt auf den Wunschzettel für die Weltreise, eines Tages …

Jetzt muss der Gurt noch ans Fahrzeug, und mindestens an einer Stelle ist dafür meist ein Schäkel als Verbindungselement notwendig. Auch hier ist wieder die Bruchlast zu berücksichtigen – und noch etwas: bricht ein Schäkel oder reißt ein Seil, entstehen schnell tödliche Geschosse, zumal bei Verwendung von kinetischen Gurten. Daher empfiehlt sich der Einsatz von so genannten Softschäkeln. Das sind Seilschlaufen, die sich auf- und zuschieben lassen und bei gleicher Bruchlast wie Stahlschäkel nur einen Bruchteil des Gewichts aufbringen. Mit einem statischen Gurt und einem Schäkel sind wir also erst mal für das Nötigste gerüstet – und 250€ ärmer.

Drei Dinge fehlen noch auf der Liste – idealerweise fährt man sich erst gar nicht fest, und dabei können zum einen Sandbleche gute Dienste leisten. Wir haben über Bocklet vier Bleche von GMB bestellt, die unser Mzungu auch schon mal anprobieren durfte. Die Halterung am Heck passt genau und nimmt die Bleche auch auf, wenn sie nach einem Einsatz mal etwas verzogen sein sollten.

Bleche anprobieren

Eine weitere große Hilfe sind Schneeketten. Unsere Reifen haben zwar ein M&S Symbol, aber keine Schneeflocke; und bei tiefem Schnee oder auch tiefem Schlamm sind Ketten immer noch die beste Unterstützung für ein sicheres Weiterkommen. Aufgrund guter Erfahrungen organisiert gerade ein anderer Steyr-Fahrer aus München eine Sammelbestellung bei SDL in der Türkei, für mittlerweile über 10 Steyrs … wir freuen uns.

Sandbleche und Schneeketten helfen auch, um ein festgefahrenes Fahrzeug wieder zu befreien – vorausgesetzt, man bekommt sie unter oder an die Räder. Hier kann ein weiteres Gadget sehr hilfreich sein; sogenannte Hebekissen, wie sie bspw. Feuerwehren in Rettungseinsätzen verwenden. Ihr Vorteil besteht darin, dass sie auch auf losem Untergrund und bei wenig Raum zwischen Fahrzeug und Untergrund eingesetzt werden können, wo ein normaler Wagenheber nicht mehr weiterhilft. Wie sowas aussehen kann, lässt sich hier betrachten; leider sind die Kissen aber sehr schwer und sehr teuer, und nachdem eine ähnlich risikoreiche Tour bei uns aber vorerst nicht ansteht, sind auch die Hebekissen erst mal nur ein weiterer Posten auf dem Wunschzettel.