Manche Themen, die bei unserem Defender noch einfach zu lösen waren, erfordern beim LKW einige zusätzliche Überlegungen. Zum Beispiel die Sache mit dem Trinkwasser. Im Defender haben wir einen fest verbauten Tank mit ca. 35l Volumen und einen Kanister mit 15l Volumen zur Sicherheit – oder für kurze Reisen, bei denen der Tank leer bleibt. Beides lässt sich zur Not mit 5l-Kanistern aus dem Supermarkt wieder füllen, wenn kein gutes fließendes Wasser zur Verfügung steht. Dem Wasser im Tank wird als Schutz gegen Verkeimung Micropur zugegeben, einmal im Jahr werden Tank und Leitungen desinfiziert – und das war’s.
Wie sieht das Ganze aber mit einem weit verzweigten Leitungssystem, einer Warmwasserversorgung, rund 300l Tankvolumen und vor allem einem fast unbegrenzten weltweiten Einsatz aus? Hier führt kein Weg mehr am Betanken an öffentlich zugänglichen Wasserquellen vorbei, im Zweifel auch aus Flüssen oder Bächen (also „drucklosen Quellen“), die auch mal weiter als 5m vom Fahrzeug entfernt sein können und deren Trinkwasserqualität unklar ist. Das Betanken darf nicht ewig dauern, und eine Aufbereitung des Wassers wird unerlässlich. Aber wie und wo?
Zunächst mal haben wir uns für eine Wasserfilterung bei der Entnahme aus dem Tank entschieden also HINTER dem Tank. Das Wasser wird von einer Druckpumpe durch ein Filtersystem von Lilie gepumpt, das über einen Keramikfilter Schwebstoffe, Bakterien und Viren sowie über Aktivkohle Chemikalien und Gerüche aus dem Wasser filtert. Damit ist unser Trink-, Koch- und Duschwasser schon mal einwandfrei, wenn wir es aus dem Tank entnehmen.
Wie sieht es aber mit dem Wasser aus, das wir tanken – also VOR dem Tank? Nach langen Überlegungen haben wir uns dafür entschieden, auch dieses Wasser zusätzlich zu filtern. Hintergrund; wir wollten vermeiden, dass wir schmutziges Wasser einlagern, dass im Tank und in den Leitungen ein Eigenleben entwickelt, welches sich nicht mehr kontrollieren und kaum noch reinigen lässt. Also bauen wir einen Befüllfilter!
Und damit gehen die Überlegungen erst richtig los – was muss er können, unser Befüllfilter? Am einfachsten ist noch die Filtration selbst – wir verwenden den gleichen Standard wie im Fahrzeug. Damit müssen wir nur einen Typ Filterkartuschen bevorraten. Aber der Rest ist kniffelig; wir nehmen uns die folgenden Randbedingungen vor: wir wollen aus bis zu 25m Entfernung unsere 300l Tankvolumen in 1h füllen können, brauchen also rund 5l/min Volumenstrom, der im Fahrzeug ankommt. Einen Höhenunterschied planen wir nicht explizit mit ein, nachdem sich dessen Auswirkung nicht vorab berechnen lässt, und planen das Fördervolumen entsprechend höher. Unterscheiden wir für das System also die folgenden Fälle:
Im Fall 1 haben wir eine Quelle mit Druck, bspw. einen Wasserhahn, mehr oder weniger in der Nähe des Fahrzeugs. Einfach – Filter mit Schläuchen an Wasserhahn und Fahrzeug anschließen, ggf. ein Verlängerungsschlauch hinzu, fertig.

Im Fall 2 haben wir nun eine drucklose Quelle in der Nähe des Fahrzeugs. Für diese brauchen wir eine Pumpe, die nach Spannung, Fördermenge und Druck auf den Filter und die Befüllzeiten abgestimmt ist, zudem entsprechende Kabel, Kupplungen usw. Wir realisieren das Ganze über eine leistungsstarke 24V Zahnradpumpe, die für Dauerbetrieb geeignet ist.

Fall 3 ist der kritischste. Wir haben eine drucklose Quelle, bspw. einen Bach, in einiger Entfernung. Problem dabei; die Pumpe lässt sich nicht wie in Version 1 in 25m Entfernung an die Quelle stellen! Der Grund dafür ist nicht die Pumpe selbst, sondern der nötige Leitungsquerschnitt, der aufgrund der hohen Ströme bei der geringen Spannung von 24V nötig würde. Daher nutzen wir in Fall 3 eine zweite 220V Pumpe zur Vorförderung, die wir mit unserem Spannungswandler und einer Kabeltrommel auch in großer Entfernung betreiben können. Die Vorförderpumpe produziert allerdings keinen ausreichenden Druck für den Wasserfilter, zumal nicht bei bis zu 25m Förderstrecke.

Lässt sich nun die 24V Befüllpumpe mit dem Druck der Vorförderpumpe beaufschlagen? Das wissen wir noch nicht. Daher kommt es vielleicht zu einem alternativen Aufbau, bei dem wir ein Ausgleichsgefäß zwischenschalten.
Soweit die Theorie. Aus den Überlegungen ergeben sich jetzt lange Teilelisten (z.B. für die mehreren Schläuche, die oben schon mit Ziffern versehen sind), die wir sukzessive beschaffen, zusammenstecken und ausprobieren werden – aber davon später mehr.