Wir fahren weiter nach Osten auf die Insel Fünen und weiter über Langeland, Lolland und Falster nach Møn.
Die Stadt Odense auf Fünen ist der Geburtsort des Märchenschreibers Hans Christian Andersen. Uns interessieren in Odense jedoch nicht so sehr die Märchen, sondern die Kunstwerke im Museum Brandts, einem der führenden Kunstmuseen Skandinaviens für Fotografie. Im ersten Stock befindet sich bei unserem Besuch eine Sonderausstellung zum belgischen Comiczeichner Hergé (geboren als Georges Remi), dem Schöpfer von Tim und Struppi. Man kann in der Ausstellung gut nachvollziehen wie viel künstlerische Arbeit, Recherche und Charakterentwicklung in einer Comicseite steckt. Die Fotoausstellung für die wir das Museum besucht haben befindet sich auf der vierten Etage und zeigt sehr eindrucksvoll, dass man nicht nur kritisch sein sollte gegenüber dem was man hört und liest (spätestens seit Trumps alternative Fakten haben wir das alle gelernt), sondern auch gegenüber dem was man sieht. Es geht hier jedoch nicht um optische Täuschung, sondern um manipulierte Fotos, die eine falsche Realität zeigen. Irgendwie geht es also doch um eine Art visuelle Märchen… Insbesondere die Arbeiten von Kelli Connell und Filip Dujardin haben uns in dieser Hinsicht beeindruckt.
Schloss Egeskov befindet sich südlich von Odense und ist einfach unbeschreiblich. Die Wasserburg wurde 1554 auf Eichenpfählen erbaut und 1883 restauriert wie sie heute zu sehen ist. Die Familie Ahlefeldt-Laurvig-Bille hat das Schloss 1960 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, um den Menschen, die sie durch die Industrialisierung für die landwirtschaftliche Arbeit nicht mehr benötigten, dennoch Arbeit geben zu können. In dem riesigen Gelände findet man Gemüse-, Blumen- und Flaniergärten. Es gibt Wirtschaftsgebäude mit hunderten Oldtimern, Motorrädern, Rettungsfahrzeugen und anderen Geräten. Es gibt eine Schmiede und einen Krämerladen. Im Schlossgebäude kann man eingerichtete Räume betrachten, es sind Bekleidungen, Geschirr, Spielzeuge und vieles mehr ausgestellt. Es gibt einen ca. 10 qm großen Miniaturpalast mit Kunstschätzen für die Elfe Titania und ihre Familie, der nach 15 Jahren Bauzeit von der britischen Königin Mary 1922 eingeweiht wurde. Es ist so unfassbar viel, dass wir nach gut drei Stunden völlig erledigt und nicht mehr aufnahmefähig sind.



Møns Klint auf der Insel Møn ist der östlichste Punkt Dänemarks (Blåvand Fyr wo wir zu einem früheren Zeitpunkt der Reise waren, ist der westlichste Punkt), wenn man die Insel Bornholm nicht mit betrachtet. Wir erreichen Møns Klint nach einer traumhaften Fahrt durch leicht hügeliges Weideland und landschaftliche Nutzfläche. Immer wieder fahren wir an der Ostsee entlang, über große Brücken von einer Insel zur nächsten und nehmen auch einmal eine Fähre bevor wir bei schönstem Wetter an der Klippe ankommen. Die 128 Meter hohe Kreideklippe ist – sowohl von oben als auch von unten betrachtet – sehr imposant. Wir wandern am Rand der Klippe durch den Wald und klettern rund 300 Stufen herab. Wenn man unten am Meer mit der Hand über die Felsen reibt, hat man die Finger dick vollgeschmiert mit nasser Kreide. Jedes Jahr brechen große Stücke aus den Klippen heraus, die vor 70 Millionen Jahren im urzeitlichen Meer entstanden sind. Wir stapfen zwischen Kreidefelsen und Meer durch den Kies zurück und japsen nach gut einer Stunde wieder rund 300 Stufen hoch zum Ausgangsort und freuen uns auf einen ruhigen und langen Abend mit Sonne auf dem wunderschönen Natur-Campingplatz in der Nähe der Klippe. Wir sitzen am schilfbewachsenen See im Kerzenlicht bei sternenklarem Himmel (angeblich ist hier einer der dunkelsten Orte Dänemarks, sodass man auch die Milchstraße sieht) und genießen den Abend bei einer leckeren Flasche südafrikanischen Rotwein von Aldi Dänemark.








