Rub al-Khali

Vor der Reise haben wir uns gefragt, warum diese Gegend auch das „leere Viertel“ heißt …

03.01.2019, 14:07 Uhr, 32 Grad Celsius, 937 Kilometer bis Muscat

03.01.2019, 14:54 Uhr, 32 Grad Celsius, 861 Kilometer bis Muscat

03.01.2019, 16:14 Uhr, 34 Grad Celsius, 754 Kilometer bis Muscat

03.01.2019, 16:57 Uhr, 32 Grad Celsius, 709 Kilometer bis Muscat

(Nachtlager in Muqshin)

04.01.2019, 06:49 Uhr, 14 Grad Celsius, 697 Kilometer bis Muscat

(Sonnenaufgang 06:54 Uhr; der Morgenkaffee hat die Sonne nicht mehr gesehen)

04.01.2019, 09:08 Uhr, 18 Grad Celsius, 518 Kilometer bis Muscat

04.01.2019, 10:24 Uhr, 24 Grad Celsius, 389 Kilometer bis Muscat

04.01.2019, 12:02 Uhr, 32 Grad Celsius, 235 Kilometer bis Muscat

(noch 1 Stunde bis nach Nizwa, dem Ausgangspunkt für unsere weiteren Fahrten im Hajar-Gebirge)

Das Weihrauchland und die Stadt Salalah

In der Umgebung des im Dhofar gelegenen Salalah gibt es einiges Interessantes zu entdecken, wobei vieles in Bezug zu den „Tränen der Götter“, dem Weihrauch, steht. Da Salalah auch der Geburtsort des aktuellen Sultans ist, der seit 1970 an der Macht ist, das Land aus der Rückständigkeit geführt und den Dhofar befriedet hat, besitzt die Stadt besondere staatliche Aufmerksamkeit und Zuwendung. Off-Road Fahren ist daher rund um Salalah wegen der vergleichsweise gut ausgebauten touristischen Infrastruktur nur sehr begrenzt möglich bzw. sinnvoll.

Im Osten von Salalah erreicht man zunächst im Ort Taqah (benannt nach den für den Ort typischen Fenstern) eine wunderschöne Burg, in dem der Wali, der Vorsteher des Verwaltungsbezirks, residiert hat. Die Burg ist sehr untypisch zweigeteilt, denn der Wehrturm befindet sich außerhalb, ein Stück den Berg hinauf. Heute ist die Burg ein hübsches Museum mit vielen Infotafeln, in dem man freundlich begrüßt wird. Es geht wie einigt in diesem Urlaub auch gleich um unseren Defender und unsere Reise. Als wir unseren Eintritt zahlen wollen, lehnt man ab. „Es ist Neujahr und Ihr seid so aussergewöhnlich. Wir freuen uns, dass Ihr uns besucht.“ Whow, das hat uns mal wieder beeindruckt.

An der Ausgrabungsstätte Samhuram kann man einen alten Weihrauchhafen erkunden. Uns imponieren die wahnsinnig dicken Mauern und wir wundern uns über den extrem kleinen Marktplatz. Samhuran war eine wichtige Handelskolonie zur Kontrolle des Weihrauchhandels, es wurden jedoch neben Weihrauch auch Waren wie Gewürze und Stoffe aus China und Indien gehandelt. Natürlich gibt es auch wieder ein nettes kleines Museum.

Das Wadi Darbat führt Wasser und kann sogar einen kleinen Wasserfall vorweisen, womit es im Januar eine kleine Attraktion ist. Leider auch für viele andere Touristen, sodass wir schnell wieder das Weite suchen.

In Salalah selbst gibt es, wie in Muscat und an einigen anderen Orten im Oman, eine Sultan Quaboos Moschee, die sowohl von außen als auch von innen sehenswert ist. Viel Information rund um die Moschee gibt es leider weder in unserem Reiseführer noch in der Moschee selbst. Anders als in christlichen Kirchen gibt es in Moscheen keine Statuen oder Bilder oder sonst eine Einrichtung. Dennoch werden wir durch die schiere Größe und Erhabenheit des Gebäudes wie in einer Kirche, einer Kathedrale oder einem Dom innerlich ganz still und ruhig.

Auf dem Weg in den Stadtteil Al-Baleed, in dem sich die Ausgrabung einer Siedlung und eines Weihrauchhafens befinden, die auf das siebte Jahrhundert vor Christus zurückgehen, passiert man den alten Stadtteil Al-Hafah. Der im Reiseführer beschriebene Weihrauchsouq ist mittlerweile der Modernisierung zum Opfer gefallen. Salalah ist eine moderne Stadt und dazu passt – in den Augen der Oberen – das alte orientalische Gewusel wohl nicht mehr.

Zur Ausgrabungsstätte Al-Baleed gehört ein liebevoll gestaltetes Museum zur Geschichte des Oman, zur Schiffahrt und zum Weihrauch. Die Ausgrabungsstätte selbst zeigt sehr schön die verschiedenen Phasen des Ausbaus und der Nutzung der Siedlung. Hier lebten bereits in vorchristlicher Zeit Omanis und betrieben wie in Samhuram Handel mit Ägypten, Indien, dem heutigen Europa und Nordafrika. Und auch hier lebte man vom Weihrauch.

Im Norden, in der Region Nejd, wo die Rub Al-Khali an das Dhofar-Gebirge grenzt, wachsen wegen der Trockenheit die Weihrauchbäume mit der besten Qualität der Harzes. Nur hier ist der Harz, der zwischen April und November alle 3 Wochen geerntet wird, fast weiß und damit sehr rein und hochwertig (die erste Ernte im Jahr ist jedoch auch hier kommerziell nicht verwertbar). Wir besuchen das Wadi Dawkah und reiben an einem der dort außerhalb der Einzäunung stehenden Bäume an einer Stelle, an der die Rinde in der Vergangenheit eingeritzt worden ist. Unsere Finger riechen leicht nach Weihrauch. Als wir eine knappe Stunde später wieder an dem Baum vorbeigehen, haben sich ein paar ganz kleine, weiße Harzkügelchen gebildet – ganz deutlich Weihrauch.

Im Westen findet man die sogenannte Hairpin-Road, die in unserem Reiseführer als Meisterleistung des Straßenbaus bezeichnet wird und sich am steilen Felsen entlang 1.000 Meter in die Höhe windet. Uns imponiert die Piste runter zur Bucht Fizayah jedoch viel mehr, weil man hier traumhafte Ausblicke auf die zerklüfteten Berge und das Meer hat. Wir kommen an einem Wrack vorbei, das erst im Juni 2018 an einem kurzen Stück Sandstrand gestrandet ist und von dem das Rettungsboot noch am Stand liegt. Die Notsituation der Besatzung, die sich in diese Landschaft weit weg von der nächsten ärztlichen Versorgung an Land gerettet hat, ist fast spürbar.

Wir bleiben über Nacht in der Bucht und suchen uns einen Campingplatz an den Klippen. Nach dem Abendessen sitzen wir bei Kerzenschein im Dunkeln und lauschen den Geräuschen der Wellen. Während des Tages kreisten Militärhubschrauber über uns. Jetzt in der Nacht ist es außer dem Meer mucksmäuschenstill. Von hier sind es noch 60 Kilometer zur Grenze zum Jemen, zur derzeit größten humanitären Katastrophe der Welt. 60 Kilometer, die den Unterschied zwischen Abendessen und Hungersnot, zwischen selbstbestimmtem Reisen und Flucht, zwischen Sicherheit und Krieg sowie letztlich zwischen Leben und Tod ausmachen. 60 Kilometer, mehr sind es nicht … und die Vereinten Nationen sehen zu … und wir sehen zu … tatenlos weil machtlos.

Silvester 2018 / 2019

Zum Jahreswechsel sind wir in der Nähe von Salalah in einer Lodge abgestiegen: mal wieder richtig duschen, Eindrücke verarbeiten, von der täglichen Weiterreise pausieren und an Silvester die Muße haben zu reflektieren über das vergangene und das bevorstehende Jahr.

Gegen 23 gehen wir zur Silvesterparty an den Strand. Es gibt ein großes Lagerfeuer, Livemusik von einer arabischen Band, die Männer tanzen (traditionell tanzen die Frauen diese Tänze nicht, sondern nur die Männer) und immer wieder unterstützt einer (oder eine) der arabischen Gäste die Band mit Gesang. Wir sitzen auf Teppichen auf dem Boden, trinken unglaublich süßen Tee, essen Datteln und rauchen Shisha-Pfeife mit Minzgeschmack.

Kurz vor Mitternacht holen die Einheimischen alle Gäste zum Tanzen ans Lagerfeuer. Alle bilden einen großen Kreis und tanzen rund ums Feuer. Der Song ist zu Ende, es ist 0:01 und jemand ruft „Happy New Year“.

Wir schauen uns etwas verdattert an – ach so, ja, dann „Happy New Year“ – und sind wieder um eine Erfahrung reicher.