Muscat

Zunächst sei angemerkt, dass Muscat nichts mit der Muskatnuss zu tun hat, die, wie wir hier gelernt haben, keine Nuss, sondern der Kern einer Frucht ist. Muscat ist der „Ort des Fallens“, was auf die steil zum Wasser abfallenden Felsen hinweisen könnte.

Wer heute von Muscat spricht, meint damit in der Regel nicht den Ort, sondern die gesamte Hauptstadtregion, in der über siebenhunderttausend Menschen leben. Für uns interessant waren von Ost nach West die Stadtteile Al Ghubra, Ruwi, Al Muthra und Old Muscat.

Al Ghubra

In Al Ghubra haben wir uns über Weihnachten in einem Hotel ein paar Tage Erholung vom freistehenden Camping und vom Reisen gegönnt.

In diesem Teil der Haupstadtregion steht die wunderschöne und auch größte Moschee des Oman, die Sultan Qaboos Moschee. Der Teppich in der Gebetshalle der Männer ist gigantische 70 x 60 Meter groß und wir fragen uns, ob er wohl um die Säulen drumrumgeknüpft worden ist.

Im Zentrum für den islamischen Glauben in der Moschee beeindrucken uns die Geistlichen, die zu Kaffee, Datteln und Gespräch einladen. „Was habt Ihr an Fragen zum Islam?“, wollen sie wissen und haben eine deutsche Broschüre für uns, die aufzeigt, dass sich der Islam auch auf die Bibel bezieht. Es geht ihnen nicht um Bekehrung, sondern um Information und vor allem das Gespräch.

Ruwi

In Ruwi befindet sich die katholische Kirche Saints Peter & Paul, über die wir schon im Weihnachtsblog geschrieben haben.

Al Mutrah

Al Mutrah hat einen wunderschönen Souq, der jedoch wie viele Souqs im Oman renoviert und modernisiert wurde. Uns zieht es in die Seitengassen, in die sich wenige Touristen verirren. Dort gibt es den Weihrauch in Großgebinden, Stoffe auf großen Ballen für die Kandoura der Frauen oder den Dishdasha der Männer, Nähgarn, Wolle und vieles mehr, das hauptsächlich die Einheimischen kaufen.

Im Hafen von Mutrah liegen sowohl Kreuzfahrtschiffe, als auch die Staatsjacht des Oman. Das beige Luxus-Schiff hat blaue Akzente, wurde in Deutschland gebaut und ist mit 155 Metern die fünftgrößte Jacht der Welt. Praktisch, wenn man sowas als Sultan nicht selbst kaufen und unterhalten muss, sondern zur Verfügung gestellt bekommt…

Vom Souq kann man am Hafen vorbei gemütlich entlang der Uferstraße, der Corniche, bis zum weithin sichtbaren Weihrauchbrenner schlendern, der eher an ein verstecktes Ufo aus „Men in Black“ erinnert. Immer wieder gibt es entlang der Corniche kleine Pavillions, die zum Rasten im Schatten einladen.

Old Muscat

Entgegen dem Namen ist hier nicht viel „alt“. Zwischen den beiden durchaus alten Forts, die man nicht besichtigen kann, steht der eindrucksvolle Sultanspalast – und auch sonst gibt es fast nur Regierungsgebäude.

Gegenüber dem Palast befindet sich das liebevoll eingerichtete Nationalmuseum, das einen schönen Einblick in die Geschichte, die Entwicklung und die Kultur des Omans gibt. Auch hier wird wieder viel Wert auf die Vergangenheit des Omans gelegt, und man spürt den Stolz darauf, dass der Oman (heute) ein so friedliches Land ist.

Die Wohnburg An N’aman in Barka

Wir kommen an der Burg an und schlüpfen durch die kleine Türe des massiven Holztors. Drinnen begrüßt uns Ibrahim Alzgli, der seit der Restaurierung und Öffnung der Burg für die Öffentlichkeit im Jahre 1991 bereits Fremdenführer in der Burg ist.

Ibrahim heißt uns willkommen in seinem Land – nicht als Gast, sondern mit den Worten “mein Land ist euer Land”. Wie viele Omanis legt er Wert darauf, dass alle rechtschaffenen Menschen gleich sind, egal ob Omanis, Deutsche, Amerikaner, Frauen, Männer, Moslems oder Christen. Es ist ihm wichtig, uns gegenüber zu betonen, dass der Oman ein weltoffenes und sicheres Land ist.

Die Burg ist über 300 Jahre alt und wurde als „Rasthaus“ auf dem Weg zwischen Muscat und ar-Rustaq gebaut. Es gibt einen Raum für Frauen und einen für Männer; wenn die Familie unter sich war, haben Frauen und Männer jedoch zusammen gesessen.

Das Wohnfort wird aus Nakhl unterirdisch mit Wasser versorgt. Das Wasser läuft zunächst durch die Burg, wird dort benutzt und läuft dann in den Garten, in dem 6.000 Dattelpalmen und 3.000 Kokosnusspalmen gepflanzt wurden.

Beeindruckt hat uns, dass die Mauern der Burg 1,5 Meter dick sind und sich bei einem Angriff die Bewohner zwischen den Wänden unentdeckt nach außen retten konnten.

Ein paar Tage später sollten wir die Burg ein zweites Mal sehen; im Nationalmuseum in Muscat steht von ihr ein sehenswertes Modell.

“Frohe Weihnachten” mal anders …

Die katholische Kirche St. Peter & Paul in Muscat war heute zur Christmette rappelvoll. Wir waren 75 Minuten vor Beginn der Messe da und haben einen der letzten Parkplätze bekommen, und einen der letzten Plätze in der Kirche. Eine Stunde vor Beginn der Messe wurde der Rosenkranz gebetet und eine halbe Stunde vor Beginn der Messe hat ein Kinderchor die „normalen“ christlichen Weihnachtslieder gesungen – auf Englisch natürlich.

Die Gemeinde besteht im Wesentlichen aus südostasiatischen Christen. Die Menschen sind aus Malaysia, Indien, Sri Lanka, den Philippinen, Pakistan, Bangladesh etc. Europäer haben wir außer uns noch vier gesehen – vier von mehreren Tausend Gläubigen heute.

Es gab fünf Geistliche, 8 Messdiener, 30 Messdiener in der „zweiten Reihe“, 40 Kommunionhelfer und ein je 50 köpfige Kinderchor und Jugendchor – die letzten Zahlen sind grob geschätzt.

Der Gottesdienst wurde in mehrere Gebäude übertragen sowie auf die umliegenden Zwischenhöfe, die mit Plastikstühlen vollgestellt waren, so daß Platz für 4.000 – 5.000 Menschen war. Während die Messe sehr feierlich und würdevoll war, herrschte nach dem Segen ein riesiges Chaos überall.

Der Gottesdienst war ganz anders als in Europa – uns wurde bewusst: das Christentum ist in Südostasien einfach anders. Es war bunt, fröhlich, intensiv, von Herzen kommend aber auch irgendwie unterwürfiger und stärker der Mensch als Sünder, der um Fürbitte, Erbarmen und Gnade bittet. Wir sind noch total beeindruckt.

Übrigens: am 1. Januar werden acht (!) Messen gefeiert, davon einige in Tamil, Malayisch und Urdu…