Lake Koman

Shkodra im Nord-Westen Albaniens eignet sich ideal für Ausflüge in die alpine Landschaft des Landes. Daher bleiben wir ein paar Tage in dem Ort mit der lebendigen, schön angelegten Hauptstraße voller Cafés, Restaurants und Geschäfte.

Unser erster Ausflug geht an den Stausee Lake Koman. Wir fahren früh morgens (die Sonne hat den Kaffee nicht mehr gesehen) auf löchriger Asphaltstraße durch den Ort Puke über pinienbewaldete Berge nach Fierze. Wieder einmal bieten sich uns traumhafte Aussichten. Der Pinienduft ist unglaublich intensiv und erschlägt uns fast.

Von Fierze nehmen wir die Fähre über den 34 Quadratkilometer großen See nach Koman. Am Fähranleger herrscht großes Chaos. Um ca. 20 Autos abzuwickeln, brauchen die Kollegen eine Stunde. Auch wenn alle sehr freundlich, nett und bemüht sind, fehlt jede Struktur – da helfen auch die 2 EUR „Hafengebühr“ für die holprige Kiesabfahrt nicht, die wir zahlen müssen. Dass alle Fahrzeuge rückwärts sehr eng aneinander auf der Fähre einparken sollen, erschwert das Boarding zusätzlich, zumal das eine oder andere Fahrzeug vom Chef selbst eingeparkt werden muss. Wir sind froh, dass wir jetzt in der Hochsaison die Tickets bei der Fährgesellschaft Barisha vorher im Internet gekauft haben, denn so ist unser Platz auf der am Ende komplett vollen Fähre sicher. Ein weiteres Auto hätte keinen Platz gefunden.

Die zweistündige Fahrt durch die Felsschlucht des aufgestauten Fluss Drin ist einer der Höhepunkte unserer Reise. Das enge Tal ist teilweise nur 50 Meter breit und die Felsen rücken immer näher ans Wasser. Wir fahren auf steil emporragende Felswände zu, die sich erst im letzten Moment öffnen. Es ist nicht ganz so spektakulär wie die Fjorde in Norwegen, dafür aber wunderbar warm.

Von Koman geht es über eine unasphaltierte, teilweise holprige Straße zurück nach Shkodra. Unser Dicker überholt die „normalen“ PKWs ganz souverän, und so können wir den ereignisreichen Tag schon bald bei einem kühlen Weißwein und Börek an der Campingplatz-Bar und später im Pool planschend ausklingen lassen.

Offroad durch Albanien

Wir fahren von Igomenitsa über kleine Straßen durch Obstplantagen und Felder nach Norden, überqueren die Grenze nach Albanien. Kurz dahinter nehmen wir die Fähre über den Vivar-Kanal und nicht die Straße außen herum. Durch Verlandung des südlichen Teils der Halinsel ist der Kanal zwischen der Lagune und dem Meer an der Straße von Korfu nur noch 100 Meter breit.

Die Halbinsel Butrint ist UNESCO Weltkulturerbe, Nationalpark und nationales Denkmal. Bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. gab es hier eine Siedlung. Im 4. Jhd. v. Chr. war es eine hellenistische Stadt mit einem dem Gott Asklepios geweihten Heiligtum. Seit dem 3. Jhd. n. Chr. war Butrint unter römischer Herrschaft und wurde aktiv durch Bauprogramme weiterentwickelt. Auch später unter den Venezianern und den Ottomanen hat sich die Stadt immer weiter verändert und hatte unterschiedliche Ausdehnungen. Uns imponieren am meisten der gute Zustand des antiken Theaters und der große Basilika. Das gesamte Areal ist riesig und es gibt dutzende weitere gut erhaltene Ausgrabungen. Von diesen unglaublichen Zeugnissen aus unterschiedlichen Epochen hatten wir vorher nie etwas gehört. Wir freuen uns hier zu sein und lassen uns Zeit, alles zu erkunden.

In Albanien findet man immer wieder Fahrzeuge mit deutscher Werbung. Die meisten sind alt, in grauenvollem Zustand und scheinen in Deutschland ausgemustert worden zu sein. Seit unserem letzten Besuch hat die Anzahl zwar deutlich abgenommen, aber es ist noch immer auffällig, z.B. den vermeintlichen LKW eines Dachdeckers aus Leipzig zu sehen. Das Highlight ist aber ein Bus des Münchner Verkehrsverbundes (MVV); funkelnagelneu. Netzerweiterung des MVV, Unterstützung weniger entwickelter europäischer Länder oder vom LKW gefallen bei der Auslieferung? Unsere Streifenkarte haben sie auf jeden Fall nicht akzeptiert…

Im wenig nördlich von Butrint gelegenen Ort Ksamil fahren wir zu dem Campingplatz, auf dem wir 2012 bereits waren. Der Empfang ist wie damals herzlich mit Kaffee und Bonbons. Es hat sich einiges getan: gibt jetzt eine Dachterrasse für Camper, die Stellplätze sind durch ein Efeu-Dach beschattet und der Platz wurde erweitert. Als wir erzählen, bereits da gewesen zu sein, haben die Besitzer viele Fragen – angefangen von „erinnert Ihr Euch noch an unsere Tochter“ über „wie gefallen Euch die neuen Sanitäranlagen“ bis hin zu „wie hat sich aus Eurer Sicht Albanien verändert“. Wir zeigen Fotos von damals und sie freuen sich ganz offensichtlich darüber, Gäste ein zweites Mal begrüßen zu dürfen. Zum Abschied schenken sie uns eine Flasche Wein und wir versprechen, wieder zu kommen, wenn wir wieder in Ksamil sind. So viel Gastfreundschaft erstaunt uns immer wieder.

Hinter dem Platz steht übrigens die gleiche Bauruine wie vor 7 Jahren – im genau gleichen Zustand. Überhaupt ist das Land übersät von Gebäuden, die noch nicht fertig und zum großen Teil schon wieder verfallen sind. Wir erfahren, dass nach dem Zusammenbruch des Kommunismus viele Gebäude illegal errichtet wurden, einige wurden legalisiert (gegen Bezahlung), andere (noch) nicht. Es gibt viele unklare Besitzverhältnisse, weil mehrere Personen gültige Besitzurkunden haben. Wir fragen uns, wie sich ein Land entwickeln soll, wenn so viel Geld in unnütze, niemals fertig werdende Bauwerke fließt…

Wir fahren weiter über Gjirokastra und Kelcyra nach Nord-Osten in die Berge. Unser Ziel ist die 80 km lange Offroad-Strecke von Suke über Buz nach Berat – sowohl unsere Karte sagt „4×4 only“ als auch der Reiseführer von MDMot. Das klingt wie für uns gemacht. Und genau das ist es auch. Wir fahren eine traumhafte, mittel-anspruchsvolle Strecke bei bestem Wetter. Es geht über Kammstrassen und Bergpisten, offenes Wiesengelände und durch traumhaftes Nadelgehölz. Wir sind ohne Ende begeistert und nehmen uns alle Zeit der Welt.

Als es Abend wird und wir einen schönen, ebenen Stellplatz etwas abseits unter hohen Fichten sehen, bleiben wir einfach über Nacht. Es ist bisher die ruhigste und erfrischendste Nacht des Urlaubs. Wir schlafen umgeben von Tier- und Naturgeräuschen tief und fest.

Berat ist ebenfalls UNESCO Weltkulturerbe und wird wegen der eng aneinander geschmiegten historischen weißen Häuser auch die „Stadt der tausend Fenster“ genannt. Wir laufen ein wenig durch die Gassen und lassen die Stadt auf uns wirken, bevor wir weiter nach Norden fahren.

Unser nächstes Ziel und Ausgangspunkt für die Touren der nächsten Tage ist Shkodra. Der Verkehr auf den Hauptstrassen nach Norden ist jedoch grauenvoll und es ist den ganzen Tag heiss und schwül. In vielen Orten geht es kaum voran. Es sind viel mehr Autos als vor 7 Jahren und die Infrastruktur hat nicht mitgehalten mit dieser Entwicklung. Einerseits ist die Verkehrsführung oft fragwürdig und für sich schon ein Unfallrisiko, andererseits ist das Fahrverhalten teilweise höchst riskant – immer wieder wird „albanisch“ überholt, d.h. trotz Gegenverkehr, bei maximal 100 Meter Sicht, unmittelbar vor einer Kurve bei durchgezogener Linie. Wir sind froh, am Abend nach einer Dusche in Ruhe ein kühles Bier genießen zu können und freuen uns bald wieder in den Bergen und der Natur zu sein.

Abstecher nach Meteora

Wir waren bereits 2012 im Balkan unterwegs und haben das Kloster Great Meteora besichtigt, eines der Meteora-Klöster – und waren tief beeindruckt. Diesmal möchten wir daher zwei weitere Klöster besichtigen und machen zum Start einen Abstecher von Igomenitsa nach Kastraki.

Die Lage der Klöster ist atemberaubend. Steil ragen die Felsen des Pindos-Gebirge wie Nadeln aus dem Tal empor. Allein für diesen Anblick lohnt sich die Fahrt. Im 14. Jahrhundert wurde das erste Kloster gegründet und auf der Spitze eines der Felsen gebaut – also zu einer Zeit, als es weder Autos oder Kräne und nicht mal Amazon gab. Heute sind noch sechs Klöster bewohnt und thronen bereits von weitem sichtbar, bei Dunst fast schwebend, auf unterschiedlichen Felsen. Der Anblick ist einfach unbeschreiblich.

Wir fahren bereits morgens um 9 Uhr zur Öffnungszeit zum ersten Kloster, weil Meteora nach der Akropolis die am besten besuchte Sehenswürdigkeit Griechenlands ist. Wir hoffen so den Touristenmassen ein wenig zu entfliehen.

Als erstes besuchen wir Saint Stefanos, eines der beiden von Nonnen bewohnten Klöster. Die Gärten des Klosters sind traumhaft schön und die Kirche mit neuen Gemälden von 1993 ist ein echtes Schmuckstück mit farbenfrohen wunderschönen Fresken und goldenen riesigen Leuchtern (die alte, dem hl. Stefano geweihte Kirche wird restauriert, und da das sehr lange dauert, gibt es diese neue Kirche). Im Museum gibt es in Gold gefasste Gesangbücher und Ikonen zu bestaunen. Die anwesenden Nonnen geben außerdem gerne Auskunft zum Kloster. Ein wirklich lohnenswerter Besuch mit tollem Ausblick auf’s Umland.

Als zweites geht es für uns zum Kloster Saint Trinity. Viel zu sehen gibt es hier leider nicht. Man kann am Eingang in eine kleine Kapelle schauen und die kleine Kirche besichtigen. Ein Museum gibt es leider nicht und Erklärungstafeln sind rar gesät. Es ist zwar noch erträglich von der Temperatur, aber auf dem 15 minütigen Fußweg runter und wieder hoch auf den Felsen man kann sich gut vorstellen, wie beschwerlich das Leben der Mönche gewesen sein muss. Auch wenn hier Teile von James Bond „In tödlicher Mission“ gedreht wurden (den werden wir wohl nochmal anschauen müssen), ist das Kloster kein Muss.

Die drei weiteren Klöster (Saint Nikolaos, Varlaam und Roussanou) müssen bis zum nächsten Mal warten, denn mittlerweile ist es 11:30 Uhr, unglaublich heiß und wahnsinnig überlaufen.