Offroad durch Albanien

Wir fahren von Igomenitsa über kleine Straßen durch Obstplantagen und Felder nach Norden, überqueren die Grenze nach Albanien. Kurz dahinter nehmen wir die Fähre über den Vivar-Kanal und nicht die Straße außen herum. Durch Verlandung des südlichen Teils der Halinsel ist der Kanal zwischen der Lagune und dem Meer an der Straße von Korfu nur noch 100 Meter breit.

Die Halbinsel Butrint ist UNESCO Weltkulturerbe, Nationalpark und nationales Denkmal. Bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. gab es hier eine Siedlung. Im 4. Jhd. v. Chr. war es eine hellenistische Stadt mit einem dem Gott Asklepios geweihten Heiligtum. Seit dem 3. Jhd. n. Chr. war Butrint unter römischer Herrschaft und wurde aktiv durch Bauprogramme weiterentwickelt. Auch später unter den Venezianern und den Ottomanen hat sich die Stadt immer weiter verändert und hatte unterschiedliche Ausdehnungen. Uns imponieren am meisten der gute Zustand des antiken Theaters und der große Basilika. Das gesamte Areal ist riesig und es gibt dutzende weitere gut erhaltene Ausgrabungen. Von diesen unglaublichen Zeugnissen aus unterschiedlichen Epochen hatten wir vorher nie etwas gehört. Wir freuen uns hier zu sein und lassen uns Zeit, alles zu erkunden.

In Albanien findet man immer wieder Fahrzeuge mit deutscher Werbung. Die meisten sind alt, in grauenvollem Zustand und scheinen in Deutschland ausgemustert worden zu sein. Seit unserem letzten Besuch hat die Anzahl zwar deutlich abgenommen, aber es ist noch immer auffällig, z.B. den vermeintlichen LKW eines Dachdeckers aus Leipzig zu sehen. Das Highlight ist aber ein Bus des Münchner Verkehrsverbundes (MVV); funkelnagelneu. Netzerweiterung des MVV, Unterstützung weniger entwickelter europäischer Länder oder vom LKW gefallen bei der Auslieferung? Unsere Streifenkarte haben sie auf jeden Fall nicht akzeptiert…

Im wenig nördlich von Butrint gelegenen Ort Ksamil fahren wir zu dem Campingplatz, auf dem wir 2012 bereits waren. Der Empfang ist wie damals herzlich mit Kaffee und Bonbons. Es hat sich einiges getan: gibt jetzt eine Dachterrasse für Camper, die Stellplätze sind durch ein Efeu-Dach beschattet und der Platz wurde erweitert. Als wir erzählen, bereits da gewesen zu sein, haben die Besitzer viele Fragen – angefangen von „erinnert Ihr Euch noch an unsere Tochter“ über „wie gefallen Euch die neuen Sanitäranlagen“ bis hin zu „wie hat sich aus Eurer Sicht Albanien verändert“. Wir zeigen Fotos von damals und sie freuen sich ganz offensichtlich darüber, Gäste ein zweites Mal begrüßen zu dürfen. Zum Abschied schenken sie uns eine Flasche Wein und wir versprechen, wieder zu kommen, wenn wir wieder in Ksamil sind. So viel Gastfreundschaft erstaunt uns immer wieder.

Hinter dem Platz steht übrigens die gleiche Bauruine wie vor 7 Jahren – im genau gleichen Zustand. Überhaupt ist das Land übersät von Gebäuden, die noch nicht fertig und zum großen Teil schon wieder verfallen sind. Wir erfahren, dass nach dem Zusammenbruch des Kommunismus viele Gebäude illegal errichtet wurden, einige wurden legalisiert (gegen Bezahlung), andere (noch) nicht. Es gibt viele unklare Besitzverhältnisse, weil mehrere Personen gültige Besitzurkunden haben. Wir fragen uns, wie sich ein Land entwickeln soll, wenn so viel Geld in unnütze, niemals fertig werdende Bauwerke fließt…

Wir fahren weiter über Gjirokastra und Kelcyra nach Nord-Osten in die Berge. Unser Ziel ist die 80 km lange Offroad-Strecke von Suke über Buz nach Berat – sowohl unsere Karte sagt „4×4 only“ als auch der Reiseführer von MDMot. Das klingt wie für uns gemacht. Und genau das ist es auch. Wir fahren eine traumhafte, mittel-anspruchsvolle Strecke bei bestem Wetter. Es geht über Kammstrassen und Bergpisten, offenes Wiesengelände und durch traumhaftes Nadelgehölz. Wir sind ohne Ende begeistert und nehmen uns alle Zeit der Welt.

Als es Abend wird und wir einen schönen, ebenen Stellplatz etwas abseits unter hohen Fichten sehen, bleiben wir einfach über Nacht. Es ist bisher die ruhigste und erfrischendste Nacht des Urlaubs. Wir schlafen umgeben von Tier- und Naturgeräuschen tief und fest.

Berat ist ebenfalls UNESCO Weltkulturerbe und wird wegen der eng aneinander geschmiegten historischen weißen Häuser auch die „Stadt der tausend Fenster“ genannt. Wir laufen ein wenig durch die Gassen und lassen die Stadt auf uns wirken, bevor wir weiter nach Norden fahren.

Unser nächstes Ziel und Ausgangspunkt für die Touren der nächsten Tage ist Shkodra. Der Verkehr auf den Hauptstrassen nach Norden ist jedoch grauenvoll und es ist den ganzen Tag heiss und schwül. In vielen Orten geht es kaum voran. Es sind viel mehr Autos als vor 7 Jahren und die Infrastruktur hat nicht mitgehalten mit dieser Entwicklung. Einerseits ist die Verkehrsführung oft fragwürdig und für sich schon ein Unfallrisiko, andererseits ist das Fahrverhalten teilweise höchst riskant – immer wieder wird „albanisch“ überholt, d.h. trotz Gegenverkehr, bei maximal 100 Meter Sicht, unmittelbar vor einer Kurve bei durchgezogener Linie. Wir sind froh, am Abend nach einer Dusche in Ruhe ein kühles Bier genießen zu können und freuen uns bald wieder in den Bergen und der Natur zu sein.

Abstecher nach Meteora

Wir waren bereits 2012 im Balkan unterwegs und haben das Kloster Great Meteora besichtigt, eines der Meteora-Klöster – und waren tief beeindruckt. Diesmal möchten wir daher zwei weitere Klöster besichtigen und machen zum Start einen Abstecher von Igomenitsa nach Kastraki.

Die Lage der Klöster ist atemberaubend. Steil ragen die Felsen des Pindos-Gebirge wie Nadeln aus dem Tal empor. Allein für diesen Anblick lohnt sich die Fahrt. Im 14. Jahrhundert wurde das erste Kloster gegründet und auf der Spitze eines der Felsen gebaut – also zu einer Zeit, als es weder Autos oder Kräne und nicht mal Amazon gab. Heute sind noch sechs Klöster bewohnt und thronen bereits von weitem sichtbar, bei Dunst fast schwebend, auf unterschiedlichen Felsen. Der Anblick ist einfach unbeschreiblich.

Wir fahren bereits morgens um 9 Uhr zur Öffnungszeit zum ersten Kloster, weil Meteora nach der Akropolis die am besten besuchte Sehenswürdigkeit Griechenlands ist. Wir hoffen so den Touristenmassen ein wenig zu entfliehen.

Als erstes besuchen wir Saint Stefanos, eines der beiden von Nonnen bewohnten Klöster. Die Gärten des Klosters sind traumhaft schön und die Kirche mit neuen Gemälden von 1993 ist ein echtes Schmuckstück mit farbenfrohen wunderschönen Fresken und goldenen riesigen Leuchtern (die alte, dem hl. Stefano geweihte Kirche wird restauriert, und da das sehr lange dauert, gibt es diese neue Kirche). Im Museum gibt es in Gold gefasste Gesangbücher und Ikonen zu bestaunen. Die anwesenden Nonnen geben außerdem gerne Auskunft zum Kloster. Ein wirklich lohnenswerter Besuch mit tollem Ausblick auf’s Umland.

Als zweites geht es für uns zum Kloster Saint Trinity. Viel zu sehen gibt es hier leider nicht. Man kann am Eingang in eine kleine Kapelle schauen und die kleine Kirche besichtigen. Ein Museum gibt es leider nicht und Erklärungstafeln sind rar gesät. Es ist zwar noch erträglich von der Temperatur, aber auf dem 15 minütigen Fußweg runter und wieder hoch auf den Felsen man kann sich gut vorstellen, wie beschwerlich das Leben der Mönche gewesen sein muss. Auch wenn hier Teile von James Bond „In tödlicher Mission“ gedreht wurden (den werden wir wohl nochmal anschauen müssen), ist das Kloster kein Muss.

Die drei weiteren Klöster (Saint Nikolaos, Varlaam und Roussanou) müssen bis zum nächsten Mal warten, denn mittlerweile ist es 11:30 Uhr, unglaublich heiß und wahnsinnig überlaufen.

Anreise

Wie immer wird es zu Hause und im Büro kurz vor’m Urlaub doch noch stressig, selbst wenn eigentlich wenig los ist. Am frühen Nachmittag geht es daher etwas gehetzt von München aus mit dem Defender los Richtung Süden.

Wir kommen die knapp 600 Kilometer auf der Autobahn gut voran, hören Musik und Hörbuch und sitzen am späten Abend bei Pizza und Weißwein mit Blick über’s Wasser bei Venedig auf dem Campingplatz. Es kommt erstmals so etwas wie Urlaubsstimmung auf.

Am nächsten Tag ist das Wetter trübe und immer wieder regnet es. Da wir bereits zwei Mal bei phantastischem Wetter in Venedig waren, machen wir einfach … nichts. Statt per Boot auf die Insel überzusetzen, entziehen wir uns dem Massentourismus (2011 waren 30 Mio. Besucher in der Altstadt unterwegs), sitzen entspannt mit Getränken und lesend unter unserer Markise, schauen den vorbeifahrenden Schiffen zu und bereiten uns mental auf den Urlaub vor.

Am Morgen fährt die Asterion II mit lautem „tuuuuut“ gefühlt durch unseren Stellplatz und wir beobachten mit dem Kaffee in der Hand, wie sie aus Igomenitsa kommend in Sichtweite anlegt.

Als wir im April gebucht hatten, gab es keine Kabinen mehr für die 26-stündige Fährpassage – Camping an Bord und Pullmannsitze gibt es leider auch nicht. Also entscheiden wir früh am Anleger zu sein, um entweder noch Last Minute eine Kabine zu bekommen oder früh an Bord zu sein, um uns an einer brauchbaren Stelle häuslich einzurichten. Wir haben Glück und ergattern 3 Stunden vor der Abfahrt eine der letzten beiden Kabinen. Als eines der ersten Autos in der Warteschlange, werden wir umsortiert und fahren als eines der letzten an Bord. Gut, dass wir eine Kabine haben.

Das Schiff sieht von außen zwar grauenvoll aus, ist von innen aber recht nett und modern. Essen und Getränke sind einfach und preislich ganz OK. Da wir unseren Rucksack mit Leckereien von zu Hause vollgepackt haben, brauchen wir außer einem kalten Feierabend-Bier am Abend und einem heißen Frühstück-Kaffee nicht viel (jeweils mit Blick über das Meer, versteht sich). Unterhaltung gibt es nicht an Bord. Die Klientel ist dafür vermutlich auch eher nicht empfänglich – Trucker, Camper, Schülergruppen. Wir lesen, hören Musik und planen die ersten Tage.

Am nächsten Abend sind wir endlich in Griechenland, keine 30 Minuten später rollen wir auf den Campingplatz Elena’s Beach und schwimmen schon bald im Meer. Mit Wein, griechischem Käse und Oliven endet die Anreise und beginnt der Urlaub.

Notiz an uns selbst: In der Hauptsaison sind in den Urlaubsregionen durch den Campingboom Plätze am Meer eng, laut und überfüllt.