Kleine Fluchten

Der 15. August ist in Bayern ein Feiertag und bietet sich 2019 wegen des folgenden Brückentags für einen Kurztrip in die Alpen an.

Ohne große Vorbereitung geht es am Mittwochnachmittag ins Zillertal; ganz profan und spießig fahren wir auf den Campingplatz nach Mayrhofen und stellen uns dort etwas beengt zwischen die „weiße Ware“. Das ist zwar lange nicht das Gleiche wie frei stehen in der Natur, aber für drei faule Tage zwischendurch ohne Aufwand genau das Richtige.

Für die Hauptsaison ist erstaunlich wenig los. Das Wetter ist bewölkt bis sonnig und von der Temperatur sehr angenehm – dass es nachts bis zu 7 Grad kalt ist, stört uns nicht, denn wir haben in unserem Fendi eine Standheizung.

Wir bummeln durch das vom Campingplatz fussläufig erreichbare, sehr touristische, aber gemütliche und unaufgeregte Mayrhofen. Mit der modernen Penkenbahn geht es von 650 Meter hoch auf 1.790 Meter. Oben auf dem Penken gibt es eine Vielzahl Wander-und Spazierwege. Wir genießen den traumhaften Panoramablick, lassen uns vom Wetter und unserer Lust auf einer kleinen Wanderung treiben. Wir lassen die Seele baumeln und genießen die Zeit.

Fährt man weiter hinein ins Zillertal, kommt man zum Hintertuxer Gletscher. Auch hier ist erfreulich wenig los. Mit den Liften, den sogenannten „Gletscherbussen“ 1 bis 3, geht es bis auf 3.250 Meter hinauf auf den gleichnamigen Gletscher. Immer wieder ziehen Wolken vorbei – mal sieht man keine 100 Meter weit, mal sieht man tief ins Tal oder bis zu weit entfernten Gipfeln. Wir finden es surreal, hier im August durch den Schnee zu stapfen und auf Skifahrer zu treffen. 2007 wurde entdeckt, dass der Gletscher von innen begehbar ist. Wir entscheiden uns, zu einem anderen Zeitpunkt eine anmeldepflichtige Fototour im Natureispalast zu machen – dann mit Stativ, Sonnenbrille, Handschuhen und festen Wanderstiefeln. Auf den normalen Touren darf man nämlich nicht fotografieren. Auf den tiefer liegenden Stationen der Bergbahn gibt es phantastische Ausblicke und traumhafte Wanderwege. Wir laufen gemütlich über einen Fahrweg und einen engen Waldpfad ins Tal zurück.

Über eine enge Mautstrasse geht es von Mayrhofen ins Stilluptal zum Stillup-Stausee auf 1.227 Meter. Der Stausee ist einer von 5 Stauseen in der Umgebung, die über die leistungsstärkste Kraftwerksgruppe Österreichs aus natürlichem Zufluss Strom aus Wasserkraft erzeugen. Wir befinden uns hier oben in einer einzigartigen, geschützten Natur- und Kulturlandschaft. Die Naturparkverwaltung kümmert sich um Naturschutz, Erholung, Regionalentwicklung, Umweltbildung und Forschung. Vom Stausee mit „Tasse-Kaffee-Geschäft“ geht er entlang tosender Wasserfälle zu Fuß, per Fahrrad oder Bus weiter. Wir laufen entlang dem See und genießen einen Cappuccino mit Seeblick, bevor wir wieder nach München zurück fahren.

Auch wenn es zu Hause ebenfalls schön ist, ist die Erholung nicht vergleichbar. Zu Hause gibt es immer etwas zu tun. Selbst wenn wir es schaffen, unbeeindruckt zurück zu gucken, wenn uns die Arbeit anguckt, wollen wir unseren Hobbies nachgehen. Wir wollen etwas vom Tag haben und stehen mit Wecker auf. Jeder werkelt für sich, wir treffen uns, reden, machen etwas zusammen. Aber über mehrere Tage keinen Wecker zu benutzen, erst nach einem ausgiebigen Frühstück zu überlegen ob und was man macht, und 100% der Zeit miteinander zu verbringen und sie gemeinsam zu gestalten, ist eben doch etwas anderes.

Überblick: Unser Defender im Oman

Generell wird im Oman sehr gemäßigt Auto gefahren, und Unfälle haben wir nur selten gesehen. Das hat zwei Gründe: Strafen bei Verkehrsdelikten wie Geschwindigkeitsüberschreitungen sind sehr hoch, wobei es unglaublich viele Radarfallen gibt; und bei einem Unfall muss immer die Polizei gerufen werden; fährt man mit einem verbeulten Auto umher, so wird schon mal von der Polizei angehalten und nach dem polizeilichen Unfallbericht gefragt, und eine Reparatur ohne diesen Bericht darf eine Werkstatt auch nicht durchführen.

Es gibt selbst in ländlichen und wenig besiedelten Regionen viele mehrspurige, gerade, mit Straßenlaternen ausgeleuchtete, makellose Asphaltstraßen und eine Unmenge Baustellen für neue mehrspurige, gerade, mit Straßenlaternen ausgeleuchtete, makellose Asphaltstraßen. Selbst Open Street Maps und GoogleMaps sind häufig nicht aktuell. Zudem sind Verkehrsführung sowie Beschilderung oftmals gewöhnungsbedürftig. Wir waren immer mal wieder auf der falschen von mehreren plötzlich baulich getrennten Spuren unterwegs oder mussten mehrere Kilometer auf der gleichen Straße zurück fahren, weil Abzweigungen nur aus einer Richtung möglich sind.

Richtig viel los ist auf den tollen Straßen außerhalb der grösseren Städte jedoch nicht, sodass wir uns fragen, für wen diese eigentlich gebaut wurden.

Es gibt zudem planerische Highlights wie mehrspurige Kreisel mit nur zwei Ein-/Ausfahrten oder Abfahrten, die im Nichts enden. Es wirkt so, als wären á la SimCity ganz im Sinne von „think big“ schon mal Straßen angelegt worden, um später weiter Infrastruktur zu ergänzen, Gebäude in die Lücken zu bauen und Menschen anzusiedeln.

Privatgebäude sind in der Regel nicht direkt an die Straße angebunden – es gibt immer einen „Dreckstreifen“ zwischen Straße und Toreinfahrt. Das Konzept „Gehweg“ gibt es kaum.

Autobahnen, Schnellstraßen oder Express-Highways sind fast immer begrünt – und wegen des Klimas natürlich auch bewässert. In Muscat gibt es sogar einen Springbrunnen zwischen den beiden Richtungen des Expresshighway. Wasser scheint aus Sicht der Verkehrsministeriums kein Problem zu sein…

Es gibt eine Vielzahl von teilweise gigantisch großen Kreiseln, wovon viele begrünt sind oder hübsche Skulpturen in ihrer Mitte haben. Fahrzeuge im Kreisel haben wie bei uns Vorfahrt. Es gehen aber fast immer mehrere Spuren rein und raus aus dem Kreisel, wobei von allen Spuren abgebogen werden kann und die Anzahl der abgehenden Spuren schwer vorhersehbar ist. Hier ist Vorsicht geboten.

Ganz spannend sind auch die Grenzübertritte mit unserem in Deutschland zugelassenen Defender. Wir hatten genau einen (von sieben) Zollbeamten, der wusste, was zu tun ist. Die Grenzstationen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Oman sind insbesondere auf der Seite des Oman riesig. Dummerweise arbeiten aber kaum Menschen dort und meistens ist nur die Einreise oder die Ausreise für die Visa- und Zollangelegenheiten personell besetzt. Anders als beim klar geregelten Visa-Prozess gibt es meist keinen bekannten Prozessverantwortlichen für die Abwicklung eines Fahrzeugs, das mit Carnet de Passage reist. So wurden wir an einem Grenzposten vier Mal weitergeschickt und waren am Ende ca. 600 Meter entfernt von unserem Dicken. Der stand mit eingeschaltetem Warnblinker auf einem der Fahrstreifen hinter der Passkontrolle bei der Ausreise. Wir waren bei der Einreise, wo jemand unser Carnet abgestempelt hat, ohne unser Auto auch nur zu sehen. Uns war’s egal. Hauptsache Stempel und Unterschrift …

Unser Defender fällt im Oman auf. Man winkt uns zu, wir werden angehupt, wir werden gefilmt aus fahrenden Autos, Autos halten extra neben uns an, wir werden angesprochen, unser Dicker wird fotografiert (manchmal auch mit uns) und es gibt Selfies mit ihm. Die meisten interessieren sich woher wir kommen, wie wir in den Oman gekommen sind, ob es uns gefällt und wie das Auto ausgestattet ist. Einmal will ein Wärter am Museum wissen wo wir unsere Sandbleche her haben und ob der Laden wohl auch in den Oman verschickt. Ein paar junge Mädchen in traditioneller Kleidung sprechen uns an ob sie ein Foto von uns im Auto machen dürfen. Klar, kein Problem. Unsere Rückfrage, ob wir sie fotografieren dürfen, wird höflich abgelehnt. Das ist der erste Urlaub, in dem wir öfter fotografiert wurden, als wir selbst Menschen fotografiert haben. Unser Fendi ist im Oman ein Star.

Eine Kuriosität zum Schluss: Sultan Qaboos hasst dreckige Autos. Das geht Angela Merkel vielleicht ähnlich. Aber anders als in Deutschland kann man im Sultanat von der Polizei ein Ticket bekommen, wenn man mit einem dreckigen Auto umherfährt; nach einem Regen hat man 36 Stunden Zeit, sein Auto zu waschen, bevor die Polizei etwas unternimmt. Entsprechend gibt es an jeder Ecke Waschanlagen. Wir haben viele Autos, die selbst aus deutscher Sicht sauber waren, beim Waschen gesehen. Als wir unser eingestaubtes Auto in Muscat waschen lassen, ist der Service unglaublich: Vorwäsche, Einschäumen, Abbrausen, Abledern und Kunststoffpflege für die Reifen in fast halbstündiger Handarbeit von vier Indern für umgerechnet neun Euro. Bei der Waschanlage in Sohar, wo wir am letzten Tag unser Auto für die Rückverschiffung haben waschen lassen, gab es sogar einen Warteraum, nein, sorry, zwei Warteräume, einen für Frauen und einen für Männer – und im Preis war eine Motorwäsche inbegriffen. In Salalah wurden wir von jemandem angesprochen, ob er unser (zugegebener Weise wirklich dreckiges) Auto waschen lassen soll während wir einkaufen – unvorstellbar in Deutschland. Seine Reaktion auf unser „nö, danke“ war ein sehr unverständlicher Blick …