Pisten und Grottenbesichtigung im südlichen Inland

Im Südwesten der Insel gibt es eine tolle, entspannte Piste, die wir über den Reiseführer „Italien Pistentruck“ von mdmot gefunden haben. Wir fahren entlang dem Naturschutzgebiet Foresta di Monte Arcosu über eine geschotterte, mit Schlaglöchern übersäte Traumstrecke 30 Kilometer durch Berge und Wälder. Es geht entlang an einem (fast) ausgetrockneten Flussbett und wir kommen an einem Stausee vorbei, der sich hinter blühenden Oleanderbüschen versteckt. Kein Mensch begegnet uns in dieser Einsamkeit.

Etwas entfernt von der Straße gibt es einen Picknick-Spot mitten im Grünen. Hier chillen wir den ganzen Nachmittag und Ina liest zwischen zwei Korkeichen in der Hängematte schaukelnd in einem Buch. Christoph kocht mit unserer Induktionsplatte draußen und wir übernachten neben einem Olivenbaum mitten in traumhafter Hügellandschaft in völliger Einsamkeit, glücklich darüber, dass es diese idyllischen Orte auf Sardinien in der Hauptsaison gibt. Es ist Sonntag und so gibt es zum Frühstück frisches Rührei.

Bei der Weiterreise windet sich auch der zweite Teil der Traumpiste entlang der Schlucht durch Wald und Macchia und vorbei an blühenden Oleanderbüschen.

Weiter geht es auf Aspahlt Richtung Süd-Osten. Bevor wir hinter Sinnai auf eine weitere Offroad-Piste aus dem „Pistentruck Italien“ Reiseführer abbiegen, versorgen wir uns nochmal mit Einkäufen. Eine Packung Speiseeis hüpft in unseren Einkaufswagen und hilft uns, das Tiefkühlfach zu testen. Achtung Spoiler: Es funktioniert hervorragend und das Eis ist auch am nächsten Tag bei 27 Grad Außentemperatur noch eine tolle Erfrischung.

Es geht über den Höhenzug der Punta Serpeddi entlang Felsen über einen steinigen Feldweg in die Höhe. Unterwegs begleiten uns Kakteen, Olivenbäume und eine Vielzahl an Büschen. Wir werden belohnt von unglaublichen Ausblicken ins Tal – teilweise mit Meerblick. Es ist angenehm warm und es geht ein leichter Wind. Mehrere Haltebuchten werben um unsere Aufmerksamkeit, als Nachtlager zur Verfügung zu stehen. Mzungu macht seine Sache phantastisch und Christoph lenkt ihn sicher durch die Engstellen, zwischen Sträuchern und Büschen und unter tiefhängenden Ästen hindurch. Verkehr gibt es hier kaum und wir genießen die Einsamkeit.

Am anderen Ende der Piste geht es zwar auf Asphalt, aber nicht minder schön weiter. Ina bringt Mzungu über die Panoramastrasse von über 600 Meter wieder fast hinunter auf Meererhöhe. Der Süden der Insel mit seinen Bergen und Wäldern ist ein Traum und zieht uns in seinen Bann.

Unser nächstes Ziel ist Su Marmuri – die Tropfsteinhöhle ist angeblich die schönste Grotte der Insel, die wir uns nicht entgehen lassen möchten. Die Anfahrt ist für die Größe unseres Reisemobils jedoch eine echte Herausforderung, denn es geht durch enge Dorfstraßen. Als uns unser LKW-Navi narrt, geht gar nichts mehr. Ina denkt „Zack, Salzsäule“, Christoph fährt mehrmals rückwärts aus zu engen Gassen wieder raus und muss ein Mal sogar am Hang wenden. Uns erinnert die Situation an das Sofa in „Der lange dunkle Fünf-Uhr-Tee der Seele“. Aber Christoph schafft auch das und wir kommen verschwitzt, aber glücklich am Ziel an.

Die Grotte entschädigt für alle Strapazen. Es ist wirklich die schönste und größte Tropfsteinhöhle, in der wir jemals waren. Die 1 1/2 stündige italienisch / englische Führung ist super und wir können den Besuch absolut empfehlen. Es ist atemberaubend. Es geht 150 Stufen zum Eingang hoch und in der Grotte 150 Stufen wieder runter. Die Präsentation der unterschiedlichen Räume auf der 1 km langen Tour ist mehr als sehenswert. Bei kühlen 10 Grad bewundern wir die riesigen Räume und die eindrucksvollen Kalksteingebilde. Wir sind beeindruckt von dieser Schönheit.

Ausgrabungsstätten auf Sardinien

Ganz ohne ein wenig Erwachsenenbildung wollen wir Sardinien nicht verlassen, daher besichtigen wir zwei der wichtigsten Ausgrabungsstätten der Insel.

Tharros zeigt die Ausgrabung einer phönizisch-römischen Hafenstadt, die zwischen der Gründung durch die Phönizer im 8. Jahrhundert v. Chr. und Ihrer Aufgabe im 11. Jahrhundert n. Chr. immer wieder erweitert und umgebaut wurde (wegen der ständigen Überfälle verlegte man die Metropole in die neue Siedlung Oristano). Teilweise wurden römische Gebäude auf alten phönizischen Gebäuderesten erbaut. Am bekanntesten ist der dem Land zugewandte punische „Tempel der dorischen Halbsäulen“ und am meisten fotografiert sind die beiden weit sichtbar aufragenden Säulen im „Zwei-Säulengebiet“. Es gibt drei Thermen aus der Römerzeit, von denen zwei direkt am Meer liegen. Entdeckt wurden die Reste des 2,5 km langen Geländes auf der Halbinsel Sinis im Westen Sardiniens erst 1851. Insgesamt finden wir die Dokumentation und Präsentation der Anlage leider etwas lieblos, wenig informativ und nach der ersten Öffnung für die Öffentlichkeit schlecht erhalten. Wir sind enttäuscht und können den Besuch der Ausgrabung leider nicht empfehlen.

Die aus vorchristlicher Zeit stammende Nuraghe Su Nuraxi ist im Gegensatz dazu phantastisch präsentiert. Eine Besichtigung geht nur gemeinsam mit einem Führer, der auf Englisch an einfachen Grafiken die Entstehung und das wahrscheinliche Aussehen der Bauten erläutern kann. Die Anlage war bis 1956 vollständig verschüttet und zeigt heute einen zentralen Wehrturm, mit Wehrmauer und weiteren vier Türmen sowie einfache Rundhütten, die je nach „Ausstattung“ von Nuraghen von unterschiedlichem Stand bewohnt wurden. Der gesamte Komplex ist über viele Jahrhunderte gewachsen.

Im Ort Barumi befindet sich über weiteren Ausgrabungen ein phantastisches, sehr modernes Museum. Wir nehmen an der italienisch-deutschen Führung teil und erfahren viel über die Nuraghen. In der Ausstellung befinden sich das älteste bei Ausgrabungen gefundene Stück Bauholz – viele tausend Jahre alt -, eine aus der Nuraghen-Zeit stammende Nachbildung des Turms der Ausgrabungsstätte, ein Weinkrug, in dem noch Weinreste nachgewiesen werden konnten sowie Brotsiegel für die Herstellung von zeremoniellem Brot. Wir sind total begeistert und können uns kaum losreißen.

Su Nuraxi ist für uns ein Highlight, das man nicht verpassen sollte.

Erster Abstecher in die Natur

Wir suchen Einsamkeit, Ruhe und Entspannung in der Natur – inmitten der Hauptsaison keine leichte Aufgabe.

In Mari Ermi, im Nordwesten der Insel, befinden sich die berühmten Reiskornstrände. Da dieser Teil der Insel etwas weiter weg von den großen Zentren liegt, trifft man hier hauptsächlich Einheimische an. Wegen der wirklich riesige Parkflächen bekommen wir tatsächlich auch noch mitten am Tag einen Standplatz. Dennoch ist der lange, schmale und leider völlig schattenlose Strand recht voll.

Wir nehmen eine Offroad-Piste nach Norden und fahren entlang der Steilküste über einen erdigen und steinigen Feldweg und genießen den traumhaften Ausblick fast unendlicher Weite. Wir begegnen nur wenigen Joggern und ein paar Mountainbikern – ans Wasser und an der Strand kommt man nur vom Meer aus. Nur wenige Boote wiegen sich im Meer, einige Standup-Paddler gleiten lautlos durchs Wasser. Es ist absolut still. Man hört nur das Rauschen der Wellen an den Klippen. Nicht einmal Mücken verirren sich hierher. Wir fahren soweit, bis der Pfad für Mzungu zu eng wird, dann drehen wir um und suchen uns einen Platz für die Nacht. Wir stehen mutterseelenallein an der Steilküste. Als Sundowner gönnen wir uns ein Weinchen, lokalen Käse und von Ina im Auto frisch gebackenes Brot auf dem Dach von Mzungu.

Da die erste vorsichtige Offroad-Erfahrung gut lief, freuen wir uns auf weitere Pisten im Süden. Jetzt geht es aber erstmal weiter nach Oristano. Der Ort wurde aus Steinen von Tharros erbaut (die Ausgrabungssätte wollen wir später besuchen), als man zur Zeit der Römer die ganze Stadt wegen häufiger Überfälle hierher umzog. Eigentlich gibt es nicht viel zu dem Ort zu schreiben, außer der guten Möglichkeit zur Versorgung für Camper: Lebensmittel einkaufen an der Hauptzufahrtsstraße sowie Abwasser ablassen und Frischwasser tanken am städtischen Wohnmobilparkplatz am Friedhof sind für uns nach einer knappen Woche unterwegs das Wichtigste. Der Ort hat eine kleine Fussgängerzone mit einem eindrucksvollen Duormo. Ansonsten ist die süße Innenstadt zwischen 13 und 16 Uhr bei 37 Grad Sommerhitze ausgestorben. Unser Highlight ist das Eis von Barbagelato – ohne Zuckerzusatz, ohne Gluten und ohne Tiermilch schmeckt es (dennoch?) super lecker. Allein dafür lohnt sich der Besuch.