Praktische Fahrstunden

Nach bestandener Theorieprüfung und unserem Urlaub im Oman nehmen wir nun die ersten praktischen Fahrstunden für den Führerschen Klasse C, um unseren fertig aufgebauten Steyr eines Tages fahren zu dürfen.

Da wir den „alten“ Führerschein der Klasse 3 haben, müssen wir relativ wenig verpflichtende Fahrstunden nehmen: 3 Überlandfahrten, 1 Autobahnfahrt und 1 Nachtfahrt; wobei eine Fahrstunde 45 Minuten entspricht. Dazu kommen jedoch die Fahrstunden, die wir benötigen, um sicher mit dem LKW on-road unterwegs zu sein, um diesen einzuparken oder versetzt an eine Rampe zu rangieren – und natürlich die Zeit, um die vorgeschriebene Abfahrtkontrolle zu lernen.

Unsere erste Fahrstunde nehmen wir gemeinsam. Gerade am Anfang, wenn es um die Erklärung des Fahrzeugs und um ein paar grundlegende Handhabungen geht, macht das durchaus Sinn.

Christoph lenkt den 3,6 Meter hohen und 9,6 Meter langen 12-Tonner von SCANIA bereits ganz souverän durch Unterschleißheim, Garching und den Münchner Norden. Auch Ina fährt wacker durch kleine und große Strassen, durch Kreisel, Ampelstau und Überland-Strecken. Dabei ist das Schalten des LKW-Range-Getriebes (ein sogenanntes Nachschaltgetriebe) mit zwei Mal vier Gängen ebenso gewöhnungsbedürftig wie das späte Einlenken (wir sitzen nicht hinter, sondern anders als beim Auto auf der Vorderachse) und das Ausschwenken des ca. 3 Meter langen Fahrzeugüberhangs in die Gegenrichtung der Abbiegerichtung. Gefühlt braucht man 1.000 Augen. So kommen wir wegen dem langen Radstand mit der Hinterachse dem ein oder anderen Bordstein gefährlich nahe, und freuen uns über andere LKW-Fahrer, die uns anblinken, damit wir in aller Ruhe und ohne Hektik abbiegen können.

Auch wenn wir beim ersten Mal angespannt waren, hat macht es jedes mal mehr Spaß, den großen Brummi durch die Stadt zu lenken. In unserem Alltagsauto Mini kommen wir uns nach der Zeit im LKW immer wieder sehr klein vor.

Fahrschul-LKW1

Kabinen-Grundriss und Layout

Das Bett 1,40m breit – reicht das? Bad längs oder quer? Den Herd mit Gas, Diesel oder Strom; und welche Solarleistung ist sinnvoll? Wenn man seine Wohnkabine auf dem weißen Blatt Papier planen kann, öffnet das ungeahnte Freiheiten. Gleichzeitig steht man (wieder mal) vor der Qual der Wahl und kann nur hoffen, alles richtig zu machen. Schließlich hat man in „seiner“ Kabine noch nie gewohnt und ist hinterher immer schlauer …

Aber der Reihe nach. Die Entscheidung für Bocklet fiel nach einem Termin in Koblenz, bei dem wir mit dem Geschäftsführer Gabriel Meinhardt-Bocklet die Eckdaten unserer Kabine festlegt hatten. Die Basis bildet zunächst unser Fahrzeug; mit einem Radstand von 3,50m bietet sich eine Kabine von rund 4,60m Länge an, um den Überhang nicht zu groß werden zu lassen; die Breite ist typischerweise rund 2,40m, was nach Abzug der Wandstärke gute 10qm Wohnfläche ergibt. Im Technikdeutsch des Angebots liest sich das dann so; „Wohnkabine in 50 mm GFK- Sandwichbauweise, beidseitig 2mm GFK- Deckschicht, geschlossenporiger PU- Hartschaum, kältebrückenfreie Eckverbindung mit GFK- Eckprofil und Innenwinkel“; das Ganze mit Radausschnitten und Heckabschrägung wie beim Bocklet Dakar 700.  Das Bett sollte quer ins Heck, ein großes Bad quer in die Front – und damit war das weitere Layout schnell gesetzt. Der Kühlschrank landet gleich hinter der Eingangstür rechts, die Sitzgruppe ist quer vor dem Bett platziert, damit Tanks und Technik aus Gewichtsaspekten gleichmäßig rechts und links verteilt werden können.

grundriss_skizze

A propos Technik; auch hier haben wir die wesentlichen Eckdaten schon festgelegt. Frischwasser ca. 300l, Abwasser ca. 150l, 140l Kühlschrank, 800W Solar, 440Ah/24V AGM-Batterien, Kochen und Heizen mit Gas, Stauraum im Heck unter dem Bett, Durchgang zum Fahrerhaus. Besonderheiten dabei: Auf einen sonst rund 100l großen „Schwarzwasser“-Tank für die Toilette können wir verzichten, da eine Trockentrenn- oder Komposttoilette eingebaut wird. Das spart nicht nur Bauraum, sondern vor allem kostbares Trinkwasser. Und nachdem wir auf dem Fahrerhaus kein rund 140kg schweres Ersatzrad transportieren wollten, wird dieses in die Kabinenrückwand integriert, ähnlich wie beim Bocklet Dakar 815.

So fertig alles klingt, so viel Arbeit ist im Detail noch zu tun. Über drei wesentliche „Upgrades“ denken wir gerade noch nach. Zum ersten würden wir gern die bisher schon geplanten, doppelt verglasten Fenster statt von Outbound von Marktführer KCT nehmen – der Satz Fenster liegt preislich dann alleine aber im Bereich eines Kleinwagens. Zum zweiten sind AGM Batterien eigentlich nicht mehr zeitgemäß; LiPo-Akkus sind leichter, haltbarer und verfügen über viel bessere Lade- und Entladeeigenschaften. Und zum dritten schwebt uns eine zusätzliche dieselbetriebene Wasserheizung vor, die in Ergänzung zur geplanten Luftheizung eine gleichmäßigere Erwärmung des Innenraums und bei kalter Witterung sogar eine Vorwärmung des Kühlwassers vom Motor erlaubt.

Ob auch wir uns das erlauben können, müssen die nächsten Wochen zeigen. In jedem Fall ist eine Abgabe des Fahrzeugs für den Bau der Kabine inzwischen für Anfang April geplant. Dann geht es auf nach Koblenz; und Mitte 2020 nennen wir dann hoffentlich einen fertigen Expeditions-LKW unser Eigen.

Unsere Wohnkabinen-Entscheidung

Parallel zum Kauf und zur Aufbereitung des Basisfahrzeugs stand natürlich die Entscheidung an, wer unsere Wohnkabine bauen soll. Die Auswahl der Anbieter ist dabei viel größer als man denkt; unter anderem werben Unicat, Action Mobil, Füss, Bocklet, Bimobil, Woelcke, Eine-Welt-Reisen, Ormocar, Krug XP, Orangework, Langer & Bock, Bliss, Kerkamm, Terracab, Ziegler und viele mehr um Kunden. Wer einmal die Abenteuer Allrad in Bad Kissingen besucht hat, mittlerweile die größte Allradmesse der Welt, kann sich die Qual der Wahl vorstellen.

Dabei ist der Bau einer Wohnkabine durchaus Spezialisten-Handwerk. Es kommen viele Gewerke wie Gas- und Wasserinstallation, Elektrik und nicht zuletzt der Bau von GFK-Kabine und Zwischenrahmen zusammen – alles durchaus nicht trivial, zumal dann, wenn ein dauerhaft pistenfestes Fahrzeug entstehen soll. Nachdem der Markt seit Jahren boomt, tummeln sich auch Anbieter im Geschäft, die schon einmal einen Kühlkoffer gebaut haben und jetzt jeden marktüblichen Preis für Wohnkabinen unterbieten; gleichzeitig ist man auch bei etablierten Anbietern nicht vor Fehlern gefeit, wie Erfahrungen der Pistenkuh und Travelnotes360 beweisen. Dabei geht es oft nicht um unsauber schließende Schranktüren oder ausfallende Leuchten, sondern um brechende Zwischenrahmen, undichte Kabinen oder grundlegende Planungsfehler. Wenn sich eine fertige Dusche schon bei 1°-2° Schiefstand des Fahrzeugs nicht mehr benutzen lässt, weil das Wasser nicht bergauf abfließen kann, ist eine Lösung meist aufwendig bis unmöglich. Wir haben selbst schon die Erfahrung gemacht, dass ein Kabinenbauer gute 350.000€ für einen Unimog aufruft, aber nicht die Frage beantworten kann, ob seine Heizung über 3000m Höhe noch funktioniert. In dem Fall heißt es: Finger weg und weitersuchen …

Wie also nun die richtige Entscheidung treffen? Bei uns haben es am Ende drei Anbieter in die engere Wahl geschafft – auf Basis ganz unterschiedlicher Kriterien. Krug XP war aufgrund des sehr ansprechenden Designs und der augenscheinlich guten Verarbeitung lange im Rennen, und das zu einem guten Preis. Am Ende fanden wir für uns nicht alle Fragen zur Ausführungsqualität und Termintreue zur Zufriedenheit beantwortet, so dass wir uns gegen Krug entschieden haben. Bei Bliss gefiel uns die Möglichkeit, die in sich geschlossene Kabine später bei Bedarf auf ein anderes Basisfahrzeug umsetzen zu können. Bliss fiel letztendlich aufgrund mangelnder Konfigurierbarkeit des Grundrisses und der hohen Kosten aus dem Rennen.

Letztendlich haben wir uns für Bocklet in Koblenz entschieden. Ausschlaggebend war für uns neben dem annehmbaren Preis die Tatsache, dass Bocklet über zwei Generationen Erfahrung verfügt – wobei die Er-FAHR-ung durchaus wörtlich zu nehmen ist, da im Hause Bocklet auch gereist wird. Für alle Gewerke sind Spezialisten an Bord, und unsere Layout- und Ausstattungswünsche wurden kompetent und kritisch kommentiert. Auch das haben wir schon anders erlebt; Aussage eines weiteren renommierten Anbieters war, „sagen Sie mir, was sie wollen, und ich baue es Ihnen“ – inklusive aller Fehler aufgrund unserer Unkenntnis … Und nicht zuletzt verfügt Bocklet mit einem Vorzeige-Steyr Bocklet Dakar 700 über ein sehr attraktives Referenzprojekt mit plausiblem Gewicht, geringer Höhe, gutem Layout und sinnvoller Ausstattung, an dem wir uns orientieren können.