Rückreise

Der Traum von Ruhe, Einsamkeit, Natur, Abenteuer und 1.001 Nacht ist (erstmal) vorbei.

Wir machen uns auf Asphalt auf den Weg zurück über die Grenze in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Dubai (oh Schreck, eine Grossstadt der Superlative), lassen unser Auto waschen und machen es für die Rückverschiffung fertig, wir packen unsere Taschen für den Flieger, fahren zur Spedition und fliegen zurück nach München, wo inzwischen Schneechaos herrscht.

Wir haben 26 Tage bzw. 25 Nächte hauptsächlich im Oman verbracht. Wir haben unglaublich viele Eindrücke und Erfahrungen gesammelt; Lagunen, Strände, Schiffswracks, Klippen, Berge, Schluchten, Wadis, Parks, Wälder, Wüste, Pisten, Leere, Moscheen, Burgen, Wolkenkratzer, Shopping-Malls, Städte, Dörfer, Souqs, Häfen, Hotel, Lodge, wildes Camping, Menschen, Tiere, Traveller’s Festival, Weihnachtsgottesdienst, Silvester, Spedition, Grenzübergänge – und alles das war wunderschön und haben wir in bzw. mit dem eigenen Auto auf 5.361 Kilometern erlebt. Wir sind unglaublich glücklich und dankbar, dass wir die Möglichkeit dieser Reise hatten. Uns ist bewusst, dass das nicht jeder erleben kann.

Für uns sind unsere Reisen die Freude, Neues zu erleben, den eigenen Horizont und die Grenzen zu erweitern sowie ein Anlass, das eigene Leben und sich selbst zu reflektieren. Wir kommen aber immer wieder gerne nach Deutschland und nach Hause zurück. Wir freuen uns auf das gemäßigte Klima, die Sauberkeit, das unkomplizierte Leben, die Kleinstadt München, unsere Familie und Freunde, und natürlich den Komfort unseres Hauses, im Frühjahr den grünen Garten und all die Dinge, die man nur zu Hause tun kann.

Dennoch: Unser Alltag im bayerischen Winter, der uns jetzt sehr bald wieder hat, ist im Moment noch eine bizarre Vorstellung für uns. Gut, dass wir noch 4 Tage haben, um anzukommen und das Erlebte zu Hause zu verarbeiten.

Das westliche Hajar-Gebirge

Der im Südwesten des westlichen Hajargebirges gelegene Ort Nizwa ist für viele Tourveranstalter der ideale Ausgangspunkt in die Berge. Auch wir fahren über das Landesinnere aus Salalah kommend über Nizwa ins Gebirge, denn wie unser Reiseführer schon etwas bemüht schreibt, „alle Wege führen nach Nizwa“.

Zur Einstimmung geht es von Nizwa erstmal auf das östlich gelegene, 2.000 Meter hohe Saiq Plateau unterhalb des Jebel Akhdar. Die Strecke ist vollständig asphaltiert, wobei am Fuße der sehr steilen Serpentinen durch einen Militärposten sichergestellt wird, dass nur Allradfahrzeuge herauf fahren. Die omanische Strassenbaukunst beeindruckt uns hier mehr als auf der Hairpin-Road westlich von Salalah, weil diese noch steiler und höher hinauf geht und die Berge eindrucksvoll gefaltet sind. Das Plateau ist unglaublich groß und man kann sich oben angekommen kaum vorstellen, auf einem Hochplateau zu sein. Einzig der an einigen Stellen imposante Blick in die Tiefe erinnert einen daran; imposant nicht nur wegen der Tiefe der Einschnitte, sondern auch wegen der eindrucksvoll in Terrassenbauweise bewirtschaftete Berghänge, die das Land fruchtbar und grün wirken lassen. Wir finden einen halbwegs einsamen Übernachtungsplatz am Rande einer Klippe. Hier geht es mehrere hundert Meter herunter in einen Talkessel, aus dem ein kegelförmiger Berg hervorragt, der die Höhe des Plateaus hat – unglaublich schön.

Westlich von Nizwa fahren wir am nächsten Tag über Guhl in das gleichnamige Wadi, das zur Verwirrung des Reisenden auch Wadi Nakhar genannt wird (nach dem Ort Al-Nakhar am Ende des Wadis). Die Strecke ins Wadi geht sieben Kilometer auf atemberaubender Piste, kurvig eng, rauf und runter, an den Felswänden entlang und immer wieder durch das fast trockene Flussbett. Die Felsen kommen immer näher an die Piste und ragen tausend Meter steil in die Höhe. Immer wieder windet sich die Piste um riesige Felsbrocken. Hinter jeder Kurve stockt uns der Atem, so wunderbar ist diese phantastische Strecke. Das Wadi trägt zu Recht den Beinamen „Grand Canyon des Omans“.

Um den „Grand Canyon des Oman“ von oben zu sehen, fahren wir Richtung Jebel Shams, den mit 3.009 Meter höchsten Berg des Omans. Der Asphalt endet dort, wo die Berge immer schroffer und eindrucksvoller werden. Auch hier klettert man auf ein Plateau auf 2.000 Meter Höhe und blickt steil hinunter in das Wadi Guhl, so steil, dass an einem Aussichtspunkt sogar ganz Oman-untypisch Absperrseile angebracht sind. Der enge und tiefe Einschnitt in das Bergmassiv ist unglaublich imposant und der beeindruckendste Ausblick der Reise. Hier finden wir hinter jeder Kurve einen einsamen Campingspot mit traumhaftem Ausblick in das mehr als 1.000 Meter tiefer liegende Wadi. Die absolute Stille und Dunkelheit ist der ideale Ort für Lagerfeuer-Romantik.

Am nächsten Morgen liegt das Tal noch im Nebel, und wir trinken unseren ersten Kaffee bereits im Sonnenschein an den Klippen, bevor die ersten Touristen kommen.

Um das Hajar-Gebirge endgültig zu überqueren, geht zunächst wieder ins Tal und von dort nach Norden auf Asphalt bis zum 2.000 Meter hohen Aussichtspunkt Sharaf Al-Alamayn. Wir sind enttäuscht und die eigentlich grandiose Landschaft mag uns gar nicht so recht gefallen, denn wir haben eine grandiose Piste erwartet. Direkt hinter dem höchsten Punkt wandelt sich das Bild und wir sind plötzlich auf Lehm, Schotter und Sand unterwegs. Piste und Landschaft sind wundervoll und wir geniessen es den Nachmittag an Felswänden entlang auf grandiosen Steigungen und Gefällen in das Ende des Wadi Bani Awf hineinzufahren. Wir blicken hunderte Meter hinab ins Tal, nur um zu sehen, dass der Felsen dort nochmal viele hundert Meter tief eingeschnitten ist. Der Tag könnte schöner kaum sein. Am späten Nachmittag ist das Hajar-Gebirge überquert, wir sind in der Küstenebene Batinah angekommen und die Piste ist weitgehend eben. Kurz bevor die Schlucht sich weitet und die Straße asphaltiert ist, nutzen wir die Chance in den Little Snake Canyon abzubiegen und durch groben Kies zum Ende dieses Wadi zu fahren, um dort die Nacht zu verbringen.

Lohnt sich das denn – Teil 2

Neulich hatten wir uns schon mit der Frage befasst, ob sich die Anschaffung eines Fernreisefahrzeugs (oder Expeditionsmobils, je nach Lesart) betriebswirtschaftlich lohnt – und waren klar zu der Einschätzung „nein“ gekommen. Aber wie sieht es emotional aus; „lohnt“ sich das denn, oder anders: warum überhaupt mit dem eigenen Fahrzeug reisen?

Die Antwort ist nicht leicht zu geben, und vermutlich auch nicht leicht nachzuvollziehen. Natürlich ist ein aus unserer Sicht perfekt ausgestattetes Reisefahrzeug am Zielort meist nicht zu mieten, aber das ist es nicht allein. Die beste Erklärung ist vermutlich die, dass das Fahrzeug für uns kein Mittel zum Zweck ist. Es ermöglicht uns überhaupt erst, solche Reisen zu unternehmen – und wird damit ein Teil des Erlebnisses. So wie ein Geiger vermutlich nur über sein eigenes Instrument die Perfektion erreicht, wie ein Sportler sein Sportgerät pflegt und optimiert, um Höchstleistung zu erreichen, so ist für uns das Fahrzeug unser Hilfsmittel, Ziele zu erreichen und Erfahrungen zu machen, die uns sonst verwehrt bleiben würden. Damit verschmelzen die Reise, das Fahrzeug und wir zu einem Erlebnis.

Das Erlebnis beginnt schon beim Planen der Ausrüstung, Schrauben, Packen und Tanken; es geht weiter beim Reisen, wo alles am gewohnten Platz ist, sich alles hoffentlich bewährt, man auf schwierigen Pisten die abgelegensten Orte erreicht (und sich und das Fahrzeug auch mal „einsaut“); und endet, wenn alle Wartungen und Reparaturen erledigt sind und das Fahrzeug wieder glänzend daheim steht – und man ein neues, gemeinsames Erlebnis teilt.

Vor dem Hintergrund „lohnt“ sich auch unser geplanter LKW – die Frage haben wir uns auf der fast 4-wöchigen Reise durch den Oman 2018/19 nochmal gestellt. Fast alle Routen und Pisten wären auch im LKW machbar gewesen, wir hätten den Komfort geschätzt und die Größe wäre kein Hindernis gewesen. Insofern freuen wir uns seitdem noch ein bisschen mehr auf die gemeinsamen Erlebnisse, die mit unserem Steyr noch kommen werden…