Technik-Steckbrief zum Steyr 12M18

Wer an geländegängige LKW denkt, dem kommt ziemlich schnell das Universal-Motor-Gerät aus Gaggenau, besser bekannt unter der Abkürzung UNIMOG, in den Sinn. Jenseits der Produkte mit Stern bietet der Markt aber weit mehr Fahrzeuge mit einer guten Eignung für die Reise um die Welt. Was genau kann aber unser Steyr, der im Militärsprech glmLKW, geländegängiger mittlerer Lastkraftwagen heißt?

Zu den Eckdaten: Länge 6.360mm, Breite 2.500mm, Radstand 3.500mm, Wattiefe 800mm, Bodenfreiheit 300mm, Wendekreis 14,8m (!), Gewicht mit Pritsche 6.350kg, zulässiges Gesamtgewicht 11.500kg. Nach Rückbau der Pritsche bleibt ein Leergewicht von rund 5.600kg; damit ist ein Aufbau unter 7,5t zGG mit einer sinnvoll ausgestatteten Kabine aber nicht möglich. Wir rechnen fahrbereit mit ca. 9t und brauchen einen Führerschein Klasse C.

Angetrieben wird der Steyr von einem 6-Zylinder Turbodieselmotor mit 177PS, 6,6l Hubraum und Flammstartanlage. Aus Gewicht und Leistung setzt sich auch die Typenbezeichnung zusammen; 12M18 steht für 12t zulässiges Gesamtgewicht – militärischer Einsatzzweck – 18(0) PS Leistung. In unserem Fahrzeug wird die Einspritzpumpe überarbeitet, ein Ladeluftkühler ergänzt und die Luftansaugung geändert. Damit steigt die Leistung auf >210PS.

Das Getriebe hat 8 Vorwärtsgänge in Doppel-H-Schaltung, einen Crawler-Gang und einen Rückwärtsgang. Zusätzlich steht ein nachgeschaltetes Untersetzungsgetriebe zur Verfügung; damit verdoppelt sich die Anzahl der Vorwärtsgänge auf 18. Im Crawlergang und eingelegtem Untersetzungsgetriebe ist die Fahrgeschwindigkeit bei maximalem Motordrehmoment 2km/h; die serienmässige Höchstgeschwindigkeit liegt bei 98km/h. Aufgrund der Leistungssteigerung und geänderter Bereifung wird unsere Höchstgeschwindigkeit bei >110km/h liegen. Insgesamt stehen drei 100% Sperren zur Verfügung.

Das alles ist bedienbar über ein (für seine Zeit) top-modernes Cockpit, das den Standards moderner Fernreise-LKWs entsprach, während die Konkurrenz noch lackiertes Stahlblech und Knebelschalter verbaute.

Rückreise

Wir sitzen Vormittags bei Cappuccino und Lachsbagel in einem Café am Stortorget in Malmö mit WLAN und recherchieren Fährverbindungen für die Heimreise. Wir möchten in 2 Tagen abends wieder zu Hause sein, um Garten und Sauna noch genießen zu können bevor der Job wieder los geht. Nach knapp einer halben Stunde Recherche entscheiden wir uns für eine Fährfahrt von Trelleborg nach Rostock am nächsten Nachmittag, buchen online, bezahlen online und erhalten das elektronische Ticket in der Wallet App. Wir sind immer wieder überrascht wie einfach so etwas heute geht und freuen uns zum wiederholten Male so flexibel in unserer Planung sein zu können, weil wir nicht in der Hauptferienzeit unterwegs sind.

Am nächsten Tag sind wir 1 1/2 Stunden vor Abfahrt in Trelleborg am Kai. Alles läuft super easy und wir sitzen schon bald am Fenster in der Lounge. Das Schiff ist rappelvoll mir LKWs. Was die Anzahl Passagiere angeht ist es daher eher entspannt. Wir lesen, hören Musik, Essen an Bord zu Abend (der Preis war erstaunlich fair) und so gehen die 5 1/2 Stunden Fährfahrt bei traumhaftem Wetter schnell vorbei.

In Rostock tanken wir und fahren gleich weiter zum Stellplatz am Hotel “Am Tierpark” in Güstrow, der uns mit phantastischen Sanitäranlagen überrascht. Auch als Camper kann man im Hotel frühstücken und so bleibt der Kocher bei uns am Morgen aus. Für die Durchreise ist es ein prima Platz.

Wir fahren nach Hause bei unglaublichen 30 Grad und strahlendem Sonnenschein. Die Landschaft in Mecklenburg Vorpommern ist schön und wäre auch einen längeren Stop wert. Anders als in Dänemark ist hier alles sehr trocken und die Bäume sind schon sehr herbstlich. Die Sommerhitze hat ihre Spuren hinterlassen.

Nach zwei abwechslungsreichen Wochen Reise mit neuen Eindrücken von Natur, Städten und Kunst sind wir wieder zu Hause und genießen den Spätsommer. Eins ist sicher: zur Nordsee wird es uns auch zukünftig immer wieder ziehen und die nordeuropäischen Länder mit ihrer Gelassenheit und Ruhe haben wir auch nicht zum letzten Mal besucht.

Mal sehen wohin uns die nächste Reise im Defender führt…

Abstecher nach Südschweden

Wir fahren von Kopenhagen über die im Jahr 2000 in Betrieb genommene fast 8 km lange Öresundbrücke über die Ostsee nach Schweden und erreichen Malmö am späten Abend, wo wir uns für einen Stellplatz südlich von Malmö mit Strand und Blick auf die Brücke entscheiden, um die Stadt am nächsten Tag zu erkunden.

Malmö hat einen wunderschönen mit Wasserläufen und Seen durchzogenen Schlosspark, den wir bei schönstem Sonnenwetter genießen nachdem wir es geschafft haben mit Kreditkarte ein Parkticket am ausschließlich schwedisch kommunizierenden Parkautomaten zu kaufen und die ankommende Politesse abzuwehren. Im Park gibt es auch eine Windmühle. Das Schloss Malmöhus aus dem 16ten Jahrhundert am Parkrand hatten wir uns irgendwie schöner vorgestellt. Es ist ein ziemlich hässlicher von außen schmuckloser, geflickter und zusammengestückelter Klotz. Den 190 Meter hohen gedrehten Bürotower HSB Turning Torso kann man von hier gut sehen. Er ist viel eindrucksvoller als das Schloss. Am Marktplatz Stortorget in der Altstadt am Ende der kurzen Fussgängerzone Södergatan (ja, Söder wie der bayrische Ministerpräsident) steht ein Reiterdenkmal von Karl X Gustav, das den König wenig vorteilhaft zeigt. Neben dem Rathaus befinden sich in den historischen Gebäuden rund um den Platz zahlreiche Cafés. Noch besser hat uns der hübsche kleine Marktplatz Lilla Torg gefallen, der sich an den Stortorget anschließt. Der Platz ist nicht nur kleiner und heimeliger, sondern hat buntere aber ebenso alte Häuser mit teilweise hübschen Innenhöfen und wirkt skandinavisch romantisch.

Nur wenige Kilometer von Malmö entfernt liegt das im 12ten Jahrhundert gegründete Städtchen Ystad. Auch wenn es ein hübscher Ort mit bunten Fachwerkhäusern, mit Kopfsteingassen und einer netten Marina ist, würde hier ohne die Wallander Krimis von Henning Mankell vermutlich kaum ein Tourist anhalten. Ina besorgt sich kurzfristig einen Wallander-Krimi, den sie noch nicht kennt, und schmökert auf dem WoMo-Stellplatz in dem elektronischen Buch. Es stimmt schon, dass man die besondere Stimmung der Romane besser nachvollziehen kann, wenn man sie auch in der rauhen Umgebung von Schonen liest.

Am sehenswertesten in der Umgebung von Ystad ist Ales Stenar in Kåsehuvud. Es ist die größte und am besten erhaltene Schiffssetzung Schwedens, die aus 59 Felsblöcken besteht. Niemand weiß zu welchem Zweck Ales Stenar wann und von wem gebaut wurde – es könnte ein Sonnenkalender sein, ein Versammlungsort, eine Begräbnisstätte oder ein Machtsymbol. Von den Anfang und Mitte dem 20ten Jahrhundert durchgeführten archäologischen Untersuchungen und Restaurierungen fehlen leider jegliche Aufzeichnungen. Es wird jedoch vermutet, dass umliegende Strukturen zerstört wurden sowie Steine entfernt und falsch zurückgestellt wurden. Eigentlich unfassbar, dass sowas nach dem 2. Weltkrieg noch vorgekommen ist. Wir freuen uns, dass wenig los ist und es kein Dronenflugverbot gibt. Daher machen wir auch Luftaufnahmen, auf denen die Schiffssetzung am imposantesten erscheint.