Wir sind nicht die einzigen Verrückten

Wenn der Steyr so ein geniales Basisfahrzeug sein soll, dann sind wir doch sicher nicht die Einzigen, die damit unterwegs sein werden? Genau, es gibt noch mehr Verrückte.

Beispielsweise ist das Redaktionsfahrzeug der (übrigens sehr lesenswerten) Zeitschrift „Explorer Magazin“ auch ein Steyr, der eine recht ungewöhnliche Schachtelhubdach-Kabine trägt. Ferner fahren beispielsweise Christina und Ronald, die unter www.cosmotour.de zu finden sind, auch einen Steyr. Oder Hermann und Martina, auch bekannt unter www.die2hollys.de. Weiterhin Dieter und Bärbel, im Internet präsent unter www.steyr-mobil.jimdo.com. Und da sind dann auch noch Christian und Mi mit ihrem Oschi, auf deren Seite sich wunderschöne Bilder beispielsweise aus Marokko finden.

Vermutlich die bekanntesten Steyr-Fahrer unter den Fernreisenden sind aber Sabine und Burkhard Koch mit Ihrer Lila Pistenkuh. Über mehrere Fahrzeuge sind die beiden beim Steyr gelandet, mit dem sie mittlerweile rund 150.000km zurück gelegt haben. Auf ihrer Seite findet man auch viel Informationen zum Fahrzeug an sich, ihre Umbauten und die Erfahrungen im Reisealltag. Beeindruckende Aufnahmen ihres Steyr in seinem natürlichen Habitat haben die beiden bei Youtube online gestellt – und scheinen nach wie vor zufrieden zu sein, wie man hier nachlesen kann.

Warum ein Steyr 12M18 ?

Kaum eine Frage beschäftigt Offroad-Reisende wohl so sehr wie die nach dem richtigen (nächsten) Basisfahrzeug. Die Auswahl ist unendlich; der eine fährt mit einem über 40 Jahre alten Toyota Landcruiser bis nach Australien, der nächste kauft einen 18-Tonnen-Zetros von Mercedes und findet sein Glück in St.-Peter-Ording. Das Panoptikum an Möglichkeiten ist so individuell wie die Anforderungen – mindestens.

Hier liegt aber auch der Schlüssel; das Fahrzeug muss zu den eigenen Anforderungen passen. Uns war wichtig, dass wir ein technisch einfaches, gut wartbares Basisfahrzeug erhalten, das wir weltweit nutzen können und das keine Anforderungen an den verfügbaren Diesel stellt. Aufgrund komplizierter Motorentechnik scheiden damit die meisten nach 2000 gebauten Fahrzeuge aus. Ferner sollte das Fahrerhaus modern und komfortabel sein; der Radstand sollte für eine Kabine von ca. 4,5m Länge passen, bei kurzem Radstand, damit das Fahrzeug kompakt bleibt. Trotz Kabine sollte das Fahrzeug bzgl. Gewicht noch Reserven haben; ein potenter Allradantrieb mit Sperren stand zudem im Lastenheft. Wegen mangelnder Zeit, ausbaufähigem Talent und nicht zuletzt auch fehlendem Platz kam außerdem nur ein gut restauriertes Basisfahrzeug in Frage, das dann auch noch zu einem akzeptablen Preis verfügbar sein sollte.

Die beste Lösung – nicht einmal der beste Kompromiss, da wir alle Anforderungen erfüllen konnten – stellt der Steyr 12M18 dar, in der von Excap auf „besser-als-neu“ restaurierten Version. Komfortabler als ein Unimog, kleiner als ein MAN KAT, wendiger als ein Mercedes und besser verfügbar als ein alter IVECO. Eine Vorstellung des Steyr als Basisfahrzeug findet sich hier. Dass wir nicht ganz falsch gelegen haben können, zeigt die Tatsache, dass sich die Preise für das Fahrzeug (wohlgemerkt unrestauriert mit Baujahren um 1986) seit unserem Kauf in 2015 um die Hälfte erhöht haben.

Technik-Steckbrief zum Steyr 12M18

Wer an geländegängige LKW denkt, dem kommt ziemlich schnell das Universal-Motor-Gerät aus Gaggenau, besser bekannt unter der Abkürzung UNIMOG, in den Sinn. Jenseits der Produkte mit Stern bietet der Markt aber weit mehr Fahrzeuge mit einer guten Eignung für die Reise um die Welt. Was genau kann aber unser Steyr, der im Militärsprech glmLKW, geländegängiger mittlerer Lastkraftwagen heißt?

Zu den Eckdaten: Länge 6.360mm, Breite 2.500mm, Radstand 3.500mm, Wattiefe 800mm, Bodenfreiheit 300mm, Wendekreis 14,8m (!), Gewicht mit Pritsche 6.350kg, zulässiges Gesamtgewicht 11.500kg. Nach Rückbau der Pritsche bleibt ein Leergewicht von rund 5.600kg; damit ist ein Aufbau unter 7,5t zGG mit einer sinnvoll ausgestatteten Kabine aber nicht möglich. Wir rechnen fahrbereit mit ca. 9t und brauchen einen Führerschein Klasse C.

Angetrieben wird der Steyr von einem 6-Zylinder Turbodieselmotor mit 177PS, 6,6l Hubraum und Flammstartanlage. Aus Gewicht und Leistung setzt sich auch die Typenbezeichnung zusammen; 12M18 steht für 12t zulässiges Gesamtgewicht – militärischer Einsatzzweck – 18(0) PS Leistung. In unserem Fahrzeug wird die Einspritzpumpe überarbeitet, ein Ladeluftkühler ergänzt und die Luftansaugung geändert. Damit steigt die Leistung auf >210PS.

Das Getriebe hat 8 Vorwärtsgänge in Doppel-H-Schaltung, einen Crawler-Gang und einen Rückwärtsgang. Zusätzlich steht ein nachgeschaltetes Untersetzungsgetriebe zur Verfügung; damit verdoppelt sich die Anzahl der Vorwärtsgänge auf 18. Im Crawlergang und eingelegtem Untersetzungsgetriebe ist die Fahrgeschwindigkeit bei maximalem Motordrehmoment 2km/h; die serienmässige Höchstgeschwindigkeit liegt bei 98km/h. Aufgrund der Leistungssteigerung und geänderter Bereifung wird unsere Höchstgeschwindigkeit bei >110km/h liegen. Insgesamt stehen drei 100% Sperren zur Verfügung.

Das alles ist bedienbar über ein (für seine Zeit) top-modernes Cockpit, das den Standards moderner Fernreise-LKWs entsprach, während die Konkurrenz noch lackiertes Stahlblech und Knebelschalter verbaute.