Anreise nach Sardinien

Nach einem ausgiebigen Frühstück bei unserem Lieblingsbäcker in Olching geht es das erste Mal mit Mzungu richtig los: Ziel der Reise ist es, das Auto kennenzulernen bzw. zu testen und uns zu erholen. Das klingt zwar leicht, aber das mit dem Erholen ist gar nicht so einfach, weil noch alles neu, unbekannt und aufregend ist.

Wir fahren Richtung Süden und unsere österreichische Go-Box, die Christoph vor einer Woche besorgt hat (aufgrund der Maut-Pflicht auf österreichischen Schnellstraßen und Autobahnen für alle Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen) piepst pflichtbewußt an der ersten Mautbrücke in Österreich – auch die Brennerkontrollstelle bucht automatisch die Gebühr ab. Mzungu wird es bei etwas über 25 Grad Außentemperatur warm auf der langen Steigung am Brenner. Obwohl er schneller könnte, schonen wir ihn und fahren im Konvoi mit den anderen LKW entsprechend langsam den Berg hoch. Um uns zu schonen, fahren wir mit Klimaanlage im Fahrerhaus und machen ab Mittag auch die Klimaanlage im Aufbau an, um bei der Ankunft keine Sauna vorzufinden.

In Italien angekommen geht es in Besenello, kurz hinter Trento, zum Castel Beseno, der mit 1,6 Hektar größten Befestigungsanlage der Region. Die Stichstrasse zum Parkplatz ist keine zwei Kilometer lang und bis auf drei Ausbuchtungen einspurig. Christoph muss wegen Gegenverkehr ein Mal zurück und in der einzigen Spitzkehre kurz vorm Parkplatz rangieren. Er meistert das professionell, auch wenn mit dieser Aktion bereits die Anfahrt ein kleines Abenteuer geworden ist.

Leider ist die Höhenburg aus dem 12. Jahrhundert bereits geschlossen, als wir ankommen. Auch am nächsten Tag können wir keinen Ausflug ins Mittelalter unternehmen, weil Montags Ruhetag ist. Der Blick auf den Ort, den Fluss Adige und die Berge dahinter ist dennoch traumhaft schön. Wir genießen einen selbstgemachten Espresso mit ein paar Plätzchen am Picknick-Tisch, kochen Abendessen, duschen mit warmem Wasser und verbringen unsere erste Nacht unterwegs nur begleitet vom Zirpen der Grillen.

Weiter geht es nach Livorno, einer der größten italienischen Hafenstädte, die im Süden der Toskana liegt und unter den Florentinern groß wurde. Auf unserem Weg in den Süden genießen wir es, kalte Getränke im Fahrerhaus-Kühlschrank zu haben und Mittags im gekühlten Aufbau aufrecht sitzend gemütlich Joghurt mit Äpfeln und Müsli zu essen. Was für ein Luxus, wenn man vom Defender kommt.

In Livorno parken wir keine 500 Meter vom Schiffsanleger entfernt direkt am Hafen. Wir sind früh genug, um noch einen der wenigen (legalen) Camperplätze zu bekommen und schauen uns die nahegelegene Altstadt an. Die Kirche San Ferdinando im Westen, gegenüber dem Hafen, beeindruckt uns mit ihrem Marmorboden und dem schmuckvollen Inneren. Das Monumento dei Quattro Mori im Süden aus dem 17. Jahrhundert finden wir hingegen verstörend, denn Ferdinando I. thront über an den Sockel gekettete „Mohren“, die als Sinnbild für die besiegten Seeräubern dienen, die an der toskanischen Küste ihr Unwesen getrieben haben. Diese Art der Darstellung und das Gedankengut dahinter passt für uns nicht ins 21. Jahrhundert – daher gibt es von uns kein Bild. Wir schlendern weiter durch die Prachtstraße, laufen an der Festungsanlage im Osten der Stadt entlang und tun es den Einheimischen gleich, indem wir auch draußen Maske tragen, wenn ein wenig mehr los ist auf den Strassen. Nach Pizza und Wein in einem kleinen Restaurant am Festungsgraben geht es zurück zu Mzungu und ab ins Bett.

Am nächsten Morgen geht unsere Fähre nach Sardinien – es herrscht Maskenpflicht an Bord und Abstandhalten ist nirgends ein Problem. Wir haben wegen Corona lieber eine Tagfahrt gebucht und lassen uns mit unseren Sitzkissen an Deck nieder.

 

Rückfahrt

Für die Rückreise haben wir zwei bekannte Highlights eingeplant.

Zunächst geht es durch eine wunderschöne Wald- und Wiesenlandschaft auf kleinen Straßen von Kroatien nach Slowenien. Wir fahren zum Wein- und Camping-Resort Saksida und sind froh, reserviert zu haben. In der ausklingenden Hochsaison ist viel los auf dem Platz, der seit unserem ersten Besuch 2012 enorm gewachsen ist. Zu den acht Stellplätzen rund um den Brunnen am Haupthaus sind 17 Stellplätze zwischen den Weinbergen hinzugekommen, dazu zwei Zeltstreifen und fünf Cabins zum Mieten. Es ist schön zu sehen, dass das Konzept so erfolgreich ist.

Das 6-Gänge-Menü von Marko mit Weinbegleitung ist wie immer ein Traum und der kulinarische Höhepunkt unserer Reise. Leider ist Ingrid auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf. Schade, wir hätten sie gerne wiedergesehen und hätten gerne mit ihr gequatscht. Bei unserer Abreise stehen (wie immer) zwei Kisten mit Wein in unserem Dicken.

Es geht bei sommerlichen 30 Grad weiter durch die oberitalienische Berglandschaft zu den Drei Zinnen in die Dolomiten. Zum Abschluss unseres Urlaubs wollen wir es uns so richtig gut gehen lassen und verbringen die letzte Nacht im Caravanpark Sexten.

Als die Sonne sich gegen Nachmittag immer öfter und länger hinter Wolken versteckt und es kühler wird, gehen wir in die Sauna- und Wellness-Landschaft des Campingplatzes – übrigens die schönste und geschmackvollste, die wir kennen. Wir sind nach 3 1/2 Stunden Planschen, Whirlpool, Tepidarium, Sauna, Lesen, Dösen und Blubberliegen total relaxed und fallen nach einem 3-Gänge-Menü am letzten Abend des Urlaubs müde ins Bett.

Über den Brenner geht es mit vielen anderen Autos bei trübem Wetter und Regen endgültig nach Hause. Wir sind traurig, dass die entspannte Zeit vorbei ist, freuen uns aber auch auf ein paar ruhige Tage zu Hause. Und für’s Schwelgen in Sommer-Erinnerungen im grauen deutschen Herbst haben wir unsere Fotos, Christophs Video und die Flasche Wein, die wir in Albanien geschenkt bekommen haben.

Fazit: Wir hatten traumhafte Tage mit viel Abwechslung und tollen Erlebnissen. Die teilweise große Hitze, die ausgetrocknete Landschaft und die Menschenmassen an den touristischen Highlights sind die einzigen negativen Aspekte. Daher würden wir eine solche Reise beim nächsten Mal eher im Mai machen – denn ein nächstes Mal gibt es sicherlich, weil wir noch so viel sehen wollen, wozu mal wieder die Zeit nicht gereicht hat.