Wasser unterwegs – Teil 3

Nachdem alle Teile beschafft waren und funktionierten, war noch eine Frage offen – wie alles unterbringen im Steyr? Zumal ein Regalsystem für die Heckgarage, in das eine „Wasserkiste“ passen würde, noch nicht mal im Ansatz geplant ist. Ein Henne-Ei Problem.

Wir haben die Entscheidung getroffen, das Regal später nach den Kisten zu bauen und nicht umgekehrt; wir werden auf die bekannten „Rako“-Boxen von Utz zurückgreifen, die uns schon im Defender über viele Jahre gute Dienste leisten und deren Formate immer ein Vielfaches des nächstkleineren Formats sind; das erleichtert den Regalbau ungemein.

Zudem haben wir das Wassersystem nochmal „upgegraded“. Um die Befüllpumpe sicher schalten zu können, wurden ein beleuchteter Schalter und ein Relais eingebaut. Beides verschwindet demnächst noch in einem passenden Gehäuse. Und beim letzten Test war der Durchfluss ja zu hoch gewesen, um eine ausreichende Verweilzeit des Wassers im Aktivkohlefilter zu gewährleisten. Eine Möglichkeit: mit einem Absperrhahn die Durchflussgeschwindigkeit reduzieren. Viel eleganter: den Volumenstrom auf zwei Filter aufteilen. Damit wird die Befüllgeschwindigkeit nicht reduziert und zudem die Standzeit der Kartuschen verlängert. Zudem ergibt sich eine weitere Nutzungsmöglichkeit. Ist das zur Verfügung stehende Wasser stark verschmutzt, kann eine billige Kartusche aus Zellulose oder Vlies im einen Filtergehäuse vorgeschaltet werden, um das Sediment aus dem Wasser zu filtern. Die empfindliche und teure Keramik-Kartusche im zweiten Filtergehäuse wird dann in Reihe dahinter geschaltet und verschmutzt viel weniger schnell.

Alle wesentlichen Bestandteile – die Befüllpumpe, die Vorförderpumpe und beide Filtergehäuse – passen nun genau in eine Rako-Box mit 400 x 600mm Seitenlänge. Eine Siebdruckplatte wurde angefertigt, die im Betrieb genau als Filterhalter in die Kiste eingesetzt werden kann. So steht alles stabil und verdreckt nicht. Kleinteile wie Y-Verbinder, Ersatzkartuschen, Schlauchverbinder usw. werden in eine Zubehörkiste kommen; die Wasserschläuche werden an der Wand der Heckgarage befestigt.

Alles in allem für uns eine sehr gute Lösung; wir können ohne Pause unseren 300l großen Frischwassertank rechnerisch in 18min füllen und reduzieren dabei 99,9999% aller Bakterien. Mit einer Rückhaltekonstante von 0,3µ filtern wir auch Viren, Sporen usw. aus dem Wasser, und durch den Aktivkohlefilter verbessern wir Geruch sowie Geschmack des Wassers und reduzieren Schwermetalle, Herbizide, Pestizide und Chlor. Lediglich Salzwasser können wir nicht zu Trinkwasser machen – das würde eine Osmoseanlage erfordern.

Das Ganze hat allerdings auch seinen Preis – rund 1.000 EUR wurden in den Befüllfilter in Summe investiert, wobei die Lilie 3-in-1 Kartuschen mit rund 90 EUR je Stück und die Marco UP10 Pumpe mit rund 290 EUR die teuren Einzelpositionen sind. Der Rest entfällt ausnahmslos auf Kleinteile unter 50 EUR, selbst die Einhell Vorförderpumpe schlägt nur mit 45 EUR zu Buche.

Das stille Örtchen

Auch beim Thema Toilette im Reisemobil steht man vor der Qual der Wahl. Die Anzahl der angebotenen Lösungen ist groß, und sie unterscheiden sich erheblich nach Größe, Preis und Eignung für lange Reisen.

Chemietoiletten sind bekannt und am weitesten verbreitet. Die Rückstände gelangen inklusive Toilettenpapier durch das Öffnen eines Schiebers mit Wasser in einen unter der ToiletteToilettenschüssel liegenden Fäkalientank und werden dort mit Chemiekalien vermischt; dieser Tank kann fest verbaut oder entnehmbar sein. Die einfachste Lösung ist hier das portable PortaPotti. In jedem Fall schaukelt man im Fäkalientank, je nach Größe, literweise sogenanntes „Schwarzwasser“ durch die Gegend, benutzt mitgeführtes (Trink-) Wasser zum Spülen und versetzt die Rückstände mit schädlichen Chemikalien. Da weder in der Atacama-Wüste noch in der mongolischen Steppe geeignete Entsorgungsstellen existieren, wir unser mitgeführtes Wasser sinnvoll einsetzen und auf umweltschädliche Chemie verzichten wollen, ist das für uns nicht das richtige Konzept.

Bei der Zerhackertoilette werden Rückstände und Toilettenpapier kleingehackt und mit Wasser unter Druck weggespült. Das Ergebnis wird im Fäkalientank aufgefangen, wobei man mit der Lage des Tanks etwas flexibler ist als bei der Chemietoilette. Es werden anders als bei der Chemietoilette keine Chemikalien benötigt, aber der Wasserbedarf ist verhältnismäßig hoch und es wird Strom zum Zerhacken benötigt. Man fährt auch hier literweise „Schwarzwasser“ durch die Gegend und benötigt eine geeignete Entsorgungsstelle. Damit ist auch diese Lösung nicht ideal für uns.

Ein Exot ist die Vakuumtoilette, die sicher jeder aus Bahn oder Flugzeug kennt und bei der der Inhalt der Toilettenschüssel über eine Vakuumpumpe weggesaugt, zerhackt und in einem Fäkalientank aufgefangen wird. Hier ist man schnell 2.000 EUR los und der Vakuumgenerator, der einen permanenten Unterdruck erzeugt braucht Strom. Über diese Alternative hatten wir daher gar nicht nachgedacht.

Bei der Verbrennungstoilette benutzt man in der Toilettenschüssel eine Papiertasche. Diese rutscht auf Knopfdruck nach Verwendung in einen Verbrennungsraum, und wird dort mit Gas oder Strom verbrannt. Zurück bleibt nach ca. einer Stunde nur ein kleines Häufchen Asche, das man leicht entsorgen kann. Luft für die Verbrennung wird von außen angesaugt und die Abgase werden über einen Kamin über das Dach abgeleitet. Die Anschaffung z.B. einer Cinderella Motion ist mit über 4.000 EUR kein Schnäppchen. Für uns fällt diese Alternative aus, weil wir für die Toilette kein Gas verschwenden und keine unkontrollierte Verbrennung in unserem Reisemobil haben wollen.

Kommen wir nun zu den sogenannten Trenntoiletten, die sich in letzter Zeit sehr verbreiten und über die sich ausnahmslos positive Erfahrungsberichte, auch von Langzeitreisenden, finden. Hier werden Urin und Feststoffe (Papier und Fäkalien) voneinander getrennt gesammelt – daher der Name. Der Urin wird in einem extra dafür vorgesehenen Tank oder in einem kleineren Behälter direkt an der Toilette aufgefangen. Da Urin nur unangenehm riecht, wenn er mit Wasser oder den Feststoffen in Kontakt kommt, muss keine Chemie zugesetzt werden. Für den Umgang mit den festen Bestandteilen gibt es zwei Alternativen.

  • Bei der Trockentoilette werden diese in einem Behälter mit Tüte lediglich gesammelt. Um Restfeuchte aufzunehmen, können nach jedem Toilettengang Rindenmulch oder Kaninchenstreu hinzugefügt werden. Eine Lüftung sorgt dafür, dass potenzielle Gerüche nach draußen abziehen; dies ist jedoch angeblich nicht zwingend notwendig (zumindest bei Vegetarien). Die Ausscheidungen können als Dünger genutzt oder im Müll entsorgt werden. Am bekanntesten ist das Modell Villa der schwedischen Firma Separett.
  • Bei der Komposttoilette werden die festen Bestandteile ebenfalls in einem eigenen Behälter gesammelt. In diesem befindet sich ein (manuell) nach jedem Gebrauch zu betätigendes Rührwerk und ein Kompostmaterial (z.B. Kokosfaser). Das trocknet die Hinterlassenschaften aus und setzt die Kompostierung in Gang. Auch hier ist meistens eine Lüftung vorgesehen und zurück bleibt … Erde. Angeblich kann die Toilette aufgrund der Kompostierung über mehrere Wochen verwendet werden, ohne sie leeren zu müssen. Am bekanntesten sind die Produkte von Air Head und Nature’s Head.

Unsere Entscheidung: Wir haben uns für eine Komposttoilette entschieden, weil wir kein Gas oder Wasser verschwenden wollen, keinen Fäkalientank möchten, keine Chemie einsetzen werden, keine zusätzliche Tüte verwenden möchten und der gelegentliche Ausbau des Behälters für die festen Bestandteile uns nicht stört. Die Wahl ist auf das Produkt der Firma Air Head gefallen, weil dieses sehr nah an der Rückwand montiert werden kann (für die Entnahme des Feststoffbehälters ist kein Platz „nach hinten“ notwendig) und der Urintank blickdicht ist.

Der Praxistest folgt im August.

Details am Heck

Zwischenzeitlich macht auch das Heck Fortschritte. Der Bereich ist wohl die größte gestalterische Herausforderung; am Heck ist unser Ersatzrad montiert, das nur mit einem Kran bewegt werden kann. Zudem sollen Sandbleche am Heck angebracht werden können. Der Gesetzgeber schreibt einen Heck-Unterfahrschutz vor, um bei einem Unfall ein auffahrendes Fahrzeug zu schützen. Der Unterfahrschutz soll bei uns klappbar sein, um im Gelände den Böschungswinkel nicht einzuschränken. Er sollte aber in keiner Position die Rückleuchten oder das Kennzeichen verdecken. Und wir stellen uns zwei Staukästen am Heck vor, die auch den Böschungswinkel nicht einschränken sollen.

Bocklet hat ganze Arbeit geleistet und unsere teilweise widersprüchlichen Wünsche bestmöglich umgesetzt. Unser Steyr bekommt bei hochgeklapptem Unterfahrschutz einen sehr guten Böschungswinkel, Platz für Sandbleche gibt es auch, Kennzeichen und Leuchten sind gut sichtbar und zulassungskonform angebracht. Der einzige Kompromiss: im Gelände verdeckt der hoch geklappte Unterfahrschutz die Rückleuchten. Aber wenn das Gelände so herausfordernd ist, dass wir den Unterfahrschutz wegklappen müssen, ist das wohl vertretbar …

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So langsam festigt sich auch das Bild bezüglich einiger Zubehör-Teile. Vermutlich werden wir die Staukisten über das Edelstahlhaus beziehen, die zu moderaten Preisen auf Maß fertigen. Und unsere Sandbleche kaufen wir aller Voraussicht nach bei gmb mount. Viele einfache Sandbleche sind nur für leichte Geländewagen ausgelegt; die Bleche von gmb sollten jedoch für das Gewicht eines LKW ausreichend sein.