Auch beim Thema Toilette im Reisemobil steht man vor der Qual der Wahl. Die Anzahl der angebotenen Lösungen ist groß, und sie unterscheiden sich erheblich nach Größe, Preis und Eignung für lange Reisen.
Chemietoiletten sind bekannt und am weitesten verbreitet. Die Rückstände gelangen inklusive Toilettenpapier durch das Öffnen eines Schiebers mit Wasser in einen unter der Toilette
nschüssel liegenden Fäkalientank und werden dort mit Chemiekalien vermischt; dieser Tank kann fest verbaut oder entnehmbar sein. Die einfachste Lösung ist hier das portable PortaPotti. In jedem Fall schaukelt man im Fäkalientank, je nach Größe, literweise sogenanntes „Schwarzwasser“ durch die Gegend, benutzt mitgeführtes (Trink-) Wasser zum Spülen und versetzt die Rückstände mit schädlichen Chemikalien. Da weder in der Atacama-Wüste noch in der mongolischen Steppe geeignete Entsorgungsstellen existieren, wir unser mitgeführtes Wasser sinnvoll einsetzen und auf umweltschädliche Chemie verzichten wollen, ist das für uns nicht das richtige Konzept.
Bei der Zerhackertoilette werden Rückstände und Toilettenpapier kleingehackt und mit Wasser unter Druck weggespült. Das Ergebnis wird im Fäkalientank aufgefangen, wobei man mit der Lage des Tanks etwas flexibler ist als bei der Chemietoilette. Es werden anders als bei der Chemietoilette keine Chemikalien benötigt, aber der Wasserbedarf ist verhältnismäßig hoch und es wird Strom zum Zerhacken benötigt. Man fährt auch hier literweise „Schwarzwasser“ durch die Gegend und benötigt eine geeignete Entsorgungsstelle. Damit ist auch diese Lösung nicht ideal für uns.
Ein Exot ist die Vakuumtoilette, die sicher jeder aus Bahn oder Flugzeug kennt und bei der der Inhalt der Toilettenschüssel über eine Vakuumpumpe weggesaugt, zerhackt und in einem Fäkalientank aufgefangen wird. Hier ist man schnell 2.000 EUR los und der Vakuumgenerator, der einen permanenten Unterdruck erzeugt braucht Strom. Über diese Alternative hatten wir daher gar nicht nachgedacht.
Bei der Verbrennungstoilette benutzt man in der Toilettenschüssel eine Papiertasche. Diese rutscht auf Knopfdruck nach Verwendung in einen Verbrennungsraum, und wird dort mit Gas oder Strom verbrannt. Zurück bleibt nach ca. einer Stunde nur ein kleines Häufchen Asche, das man leicht entsorgen kann. Luft für die Verbrennung wird von außen angesaugt und die Abgase werden über einen Kamin über das Dach abgeleitet. Die Anschaffung z.B. einer Cinderella Motion ist mit über 4.000 EUR kein Schnäppchen. Für uns fällt diese Alternative aus, weil wir für die Toilette kein Gas verschwenden und keine unkontrollierte Verbrennung in unserem Reisemobil haben wollen.
Kommen wir nun zu den sogenannten Trenntoiletten, die sich in letzter Zeit sehr verbreiten und über die sich ausnahmslos positive Erfahrungsberichte, auch von Langzeitreisenden, finden. Hier werden Urin und Feststoffe (Papier und Fäkalien) voneinander getrennt gesammelt – daher der Name. Der Urin wird in einem extra dafür vorgesehenen Tank oder in einem kleineren Behälter direkt an der Toilette aufgefangen. Da Urin nur unangenehm riecht, wenn er mit Wasser oder den Feststoffen in Kontakt kommt, muss keine Chemie zugesetzt werden. Für den Umgang mit den festen Bestandteilen gibt es zwei Alternativen.
- Bei der Trockentoilette werden diese in einem Behälter mit Tüte lediglich gesammelt. Um Restfeuchte aufzunehmen, können nach jedem Toilettengang Rindenmulch oder Kaninchenstreu hinzugefügt werden. Eine Lüftung sorgt dafür, dass potenzielle Gerüche nach draußen abziehen; dies ist jedoch angeblich nicht zwingend notwendig (zumindest bei Vegetarien). Die Ausscheidungen können als Dünger genutzt oder im Müll entsorgt werden. Am bekanntesten ist das Modell Villa der schwedischen Firma Separett.
- Bei der Komposttoilette werden die festen Bestandteile ebenfalls in einem eigenen Behälter gesammelt. In diesem befindet sich ein (manuell) nach jedem Gebrauch zu betätigendes Rührwerk und ein Kompostmaterial (z.B. Kokosfaser). Das trocknet die Hinterlassenschaften aus und setzt die Kompostierung in Gang. Auch hier ist meistens eine Lüftung vorgesehen und zurück bleibt … Erde. Angeblich kann die Toilette aufgrund der Kompostierung über mehrere Wochen verwendet werden, ohne sie leeren zu müssen. Am bekanntesten sind die Produkte von Air Head und Nature’s Head.
Unsere Entscheidung: Wir haben uns für eine Komposttoilette entschieden, weil wir kein Gas oder Wasser verschwenden wollen, keinen Fäkalientank möchten, keine Chemie einsetzen werden, keine zusätzliche Tüte verwenden möchten und der gelegentliche Ausbau des Behälters für die festen Bestandteile uns nicht stört. Die Wahl ist auf das Produkt der Firma Air Head gefallen, weil dieses sehr nah an der Rückwand montiert werden kann (für die Entnahme des Feststoffbehälters ist kein Platz „nach hinten“ notwendig) und der Urintank blickdicht ist.
Der Praxistest folgt im August.