Auf in den Oman …

Die letzten drei Jahre haben wir unseren Reisevirus mit Fahrten in Europa bekämpfen können. Schottland (Fotos und Film), Korsika (Fotos und Film) und Dänemark (Fotos und Reisebericht) sind wunderbare Reiseziele. Uns zieht es aber dennoch weiter weg, zu exotischeren Zielen und zu mehr Abenteuer.

Von der Arabische Halbinsel haben wir von anderen Reisenden schon viele wunderbare Bilder und Geschichten gesehen, gehört und gelesen. Die Landschaft, die Kultur und die Menschen im Iran und im Oman faszinieren uns besonders. Dort wollen wir hin – irgendwann mit unserem Reisetruck. Aber warum warten und nicht schon jetzt einen ersten kleinen Einblick vom Nahen Osten erhaschen? Warum nicht mir dem Defender durch diese Länder fahren? Aber wann und wohin genau und wie soll das gehen mit den sechs Urlaubswochen, die wir im Jahr haben?

Nach einiger Recherche und vielen Diskussionen über Sinn und Unsinn unseres Vorhabens entscheiden wir uns, über Weihnachten und Silvester mit unserem Defender durch die Vereinigten Arabischen Emirate und den Oman zu fahren. Die Reisezeit ist ideal; Temperaturen unter 30 Grad bei angenehmen Nächten, nur 2 Regentagen im Monat und eine erträgliche Luftfeuchtigkeit. Die Feiertage geben uns die Möglichkeit, außerhalb der Hauptferienzeit im Sommer arbeitgeberfreundlich vier Wochen Urlaub zu machen. Nach Dubai sind sowohl die Flüge günstig als auch der Containertransport unseres Defenders als Beiladung über Pangaea Cargo erschwinglich. Die Grenzübertritte zwischen den VAE und dem Oman sind Berichten zufolge kein größeres Problem als diejenigen, die wir aus Afrika kennen.

Wir kümmern uns über Jahn & Partner um eine Versicherung bei der Helvetia, die auch für den Nahen Osten gilt, über den ADAC um ein Carnet de Passage, über unseren befreundeten Makler Josef Hong um eine Frachtversicherung der Nürnberger, über Expeditionstechnik.de um ein Satelitentelefon und um die Flüge. Außerdem haben wir uns von Huawai einen mobilen WLAN Hotspot besorgt, um mit lokalen Sim-Karten unterwegs preiswert ins Internet zu kommen – einerseits für Reise-Recherchen vor Ort, andererseits um mit unseren Liebsten in engem Kontakt zu bleiben.

Campingplätze gibt es keine in den beiden Ländern und wir möchten zwischendurch anständig duschen und unsere Anziehsachen waschen können – insbesondere bevor wir wieder in den Flieger nach Deutschland steigen. Außerdem möchten wir an den Feiertagen fern von Heimat und Familie im besonderen Urlaub etwas noch besondereres machen. Daher buchen wir Unterkünfte für die ersten und letzten Tage in Dubai sowie für Weihnachten in Maskat und Silvester in Salala.

Standort Christoph

 

Endlich ist die erste Phase der Vorbereitung abgeschlossen. Der Defender ist reisefertig und es geht fünf Wochen vor unserem Reisebeginn nach Bremerhaven zur Spedition Pangaea Cargo, von wo er mit der MV „Maersk Stadelhorn“ nach Dubai verschifft werden wird.

Während Christoph gerade als lonesome Cowboy nach Norden unterwegs ist (aktueller standort: rote Markierung auf dem Foto), sitzt Ina am Rechner und plant die Reiseroute.

Rückreise

Wir sitzen Vormittags bei Cappuccino und Lachsbagel in einem Café am Stortorget in Malmö mit WLAN und recherchieren Fährverbindungen für die Heimreise. Wir möchten in 2 Tagen abends wieder zu Hause sein, um Garten und Sauna noch genießen zu können bevor der Job wieder los geht. Nach knapp einer halben Stunde Recherche entscheiden wir uns für eine Fährfahrt von Trelleborg nach Rostock am nächsten Nachmittag, buchen online, bezahlen online und erhalten das elektronische Ticket in der Wallet App. Wir sind immer wieder überrascht wie einfach so etwas heute geht und freuen uns zum wiederholten Male so flexibel in unserer Planung sein zu können, weil wir nicht in der Hauptferienzeit unterwegs sind.

Am nächsten Tag sind wir 1 1/2 Stunden vor Abfahrt in Trelleborg am Kai. Alles läuft super easy und wir sitzen schon bald am Fenster in der Lounge. Das Schiff ist rappelvoll mir LKWs. Was die Anzahl Passagiere angeht ist es daher eher entspannt. Wir lesen, hören Musik, Essen an Bord zu Abend (der Preis war erstaunlich fair) und so gehen die 5 1/2 Stunden Fährfahrt bei traumhaftem Wetter schnell vorbei.

In Rostock tanken wir und fahren gleich weiter zum Stellplatz am Hotel “Am Tierpark” in Güstrow, der uns mit phantastischen Sanitäranlagen überrascht. Auch als Camper kann man im Hotel frühstücken und so bleibt der Kocher bei uns am Morgen aus. Für die Durchreise ist es ein prima Platz.

Wir fahren nach Hause bei unglaublichen 30 Grad und strahlendem Sonnenschein. Die Landschaft in Mecklenburg Vorpommern ist schön und wäre auch einen längeren Stop wert. Anders als in Dänemark ist hier alles sehr trocken und die Bäume sind schon sehr herbstlich. Die Sommerhitze hat ihre Spuren hinterlassen.

Nach zwei abwechslungsreichen Wochen Reise mit neuen Eindrücken von Natur, Städten und Kunst sind wir wieder zu Hause und genießen den Spätsommer. Eins ist sicher: zur Nordsee wird es uns auch zukünftig immer wieder ziehen und die nordeuropäischen Länder mit ihrer Gelassenheit und Ruhe haben wir auch nicht zum letzten Mal besucht.

Mal sehen wohin uns die nächste Reise im Defender führt…

Abstecher nach Südschweden

Wir fahren von Kopenhagen über die im Jahr 2000 in Betrieb genommene fast 8 km lange Öresundbrücke über die Ostsee nach Schweden und erreichen Malmö am späten Abend, wo wir uns für einen Stellplatz südlich von Malmö mit Strand und Blick auf die Brücke entscheiden, um die Stadt am nächsten Tag zu erkunden.

Malmö hat einen wunderschönen mit Wasserläufen und Seen durchzogenen Schlosspark, den wir bei schönstem Sonnenwetter genießen nachdem wir es geschafft haben mit Kreditkarte ein Parkticket am ausschließlich schwedisch kommunizierenden Parkautomaten zu kaufen und die ankommende Politesse abzuwehren. Im Park gibt es auch eine Windmühle. Das Schloss Malmöhus aus dem 16ten Jahrhundert am Parkrand hatten wir uns irgendwie schöner vorgestellt. Es ist ein ziemlich hässlicher von außen schmuckloser, geflickter und zusammengestückelter Klotz. Den 190 Meter hohen gedrehten Bürotower HSB Turning Torso kann man von hier gut sehen. Er ist viel eindrucksvoller als das Schloss. Am Marktplatz Stortorget in der Altstadt am Ende der kurzen Fussgängerzone Södergatan (ja, Söder wie der bayrische Ministerpräsident) steht ein Reiterdenkmal von Karl X Gustav, das den König wenig vorteilhaft zeigt. Neben dem Rathaus befinden sich in den historischen Gebäuden rund um den Platz zahlreiche Cafés. Noch besser hat uns der hübsche kleine Marktplatz Lilla Torg gefallen, der sich an den Stortorget anschließt. Der Platz ist nicht nur kleiner und heimeliger, sondern hat buntere aber ebenso alte Häuser mit teilweise hübschen Innenhöfen und wirkt skandinavisch romantisch.

Nur wenige Kilometer von Malmö entfernt liegt das im 12ten Jahrhundert gegründete Städtchen Ystad. Auch wenn es ein hübscher Ort mit bunten Fachwerkhäusern, mit Kopfsteingassen und einer netten Marina ist, würde hier ohne die Wallander Krimis von Henning Mankell vermutlich kaum ein Tourist anhalten. Ina besorgt sich kurzfristig einen Wallander-Krimi, den sie noch nicht kennt, und schmökert auf dem WoMo-Stellplatz in dem elektronischen Buch. Es stimmt schon, dass man die besondere Stimmung der Romane besser nachvollziehen kann, wenn man sie auch in der rauhen Umgebung von Schonen liest.

Am sehenswertesten in der Umgebung von Ystad ist Ales Stenar in Kåsehuvud. Es ist die größte und am besten erhaltene Schiffssetzung Schwedens, die aus 59 Felsblöcken besteht. Niemand weiß zu welchem Zweck Ales Stenar wann und von wem gebaut wurde – es könnte ein Sonnenkalender sein, ein Versammlungsort, eine Begräbnisstätte oder ein Machtsymbol. Von den Anfang und Mitte dem 20ten Jahrhundert durchgeführten archäologischen Untersuchungen und Restaurierungen fehlen leider jegliche Aufzeichnungen. Es wird jedoch vermutet, dass umliegende Strukturen zerstört wurden sowie Steine entfernt und falsch zurückgestellt wurden. Eigentlich unfassbar, dass sowas nach dem 2. Weltkrieg noch vorgekommen ist. Wir freuen uns, dass wenig los ist und es kein Dronenflugverbot gibt. Daher machen wir auch Luftaufnahmen, auf denen die Schiffssetzung am imposantesten erscheint.