Ein verlängertes Wochenende in Barcelona

Er ist 16 Uhr, wir kommen gerade aus dem Büro und sitzen ganz luxuriös in der zweiten Reihe mit extra Beinfreiheit und priority boarding im Flieger nach Barcelona. Nein, wir haben nicht sündhaft viel Geld für die Flugtickets für unseren Wochenendtrip bezahlt, sondern haben beim Gepäck Check-in bei der Billig-Airline Vueling unverschämtes Glück, ein Upgrade für Hin- und Rückflug zu bekommen.

Im Vorfeld hatten wir uns einen Voucher für die Hola Barcelona Travel Card für die öffentlichen Verkehrmittel besorgt, und so sind wir bereits stressfrei und 40 Minuten nach unserer Ankunft am Hotel Balcelona Universal. Christoph hatte bei der Hotelwahl ein geniales Händchen, denn das Hotel liegt zentral, direkt an einer Metro-Station, ist sauber und ordentlich und hat ein tolles Frühstück. 10 Minuten nach dem Hotel-Check-in sitzen wir mit unseren Freunden in der Bar Canete bei Rotwein und Sea-Food-Tapas; als Krönung gibt es einen Absacker-Cocktail auf der Dachterrasse des Hotels. Ein perfekter Start in ein langes gemeinsames Wochenende zu sechst.

Am ersten Tag sind wir mit dem Tour-Guide Ton David Jover unterwegs. Er ist Katalane durch und durch. Für ihn sind die Katalanen ein eigenes Volk (nein, nicht nur eine eigene Nationalität) und die Spanier sind nur Nachbarn. Schlechte Nachbarn; denn sie nehmen das Geld der Katalanen und finanzieren damit die Polizei, die gegen den Widerstand und gegen die Unabhängigkeit kämpft. Die Katalanen sind für ihn nicht wie die Spanier. Sie sind fleißig, pünktlich und ruhig; eher wie wir Deutsche, betont er. Schließlich stammt man ja gemeinsam von den Germanen ab.

Wir haben ein strammes Programm. Los geht es mit dem Mercat de la Boqueria an den Ramblas – laut Ton David eine der ältesten Markthallen Europas und nach Tokio der zweitgrößte Fischmarkt der Welt. Die Auslagen sind beeindruckend. Frischer Fisch jeder erdenklichen Sorte, auf Eis gebettete lebende Hummer und Krabben, geräucherter Schinken an der Keule, noch nie gesehene Innereien, Tierköpfe, Obst und Gemüse. Einerseits schade, dass wir gerade erst gefrühstückt haben, andererseits haben wir bei all den toten Augen, die uns anschauen, und bei den zuckenden Meeresfrüchten, das Bedürfnis zum Vegetarier zu werden. Hier und da dreht sich uns zwischen Hirn, Pansen, Magen, Niere und Kutteln außerdem fast der Magen um.

Wir laufen durch die Altstadt, besichtigen das Palau Güell, essen Tapas in einem Baskischen Restaurant, laufen an der Casa Milá vorbei, besichtigen die Casa Batlló und den Park Güell, für den wir die Tickets vorab besorgt hatten. Barcelona ist die Stadt Antoni Gaudís und man ist stolz auf die architektonischen Meisterwerke des Modernissime. Gaudí liebte organische Formen und hasste alles rechtwinkelige und parallele. In seinen Gebäuden findet man viele Anlehnungen an die Natur; die Formensprache der Tier- und Pflanzenwelt begegnet einem überall. Alles ist bunt und strahlt Lebendigkeit aus. Nichts ist gerade oder einfarbig.

Die Krönung des Tages ist die La Sagrada Família, für die man die Tickets auch unbedingt vorher kaufen sollte. Wir sind am späten Nachmittag in der Kathedrale; der idealen Zeit, um das unvergleichliche Lichtspiel zu bewundern. Mit offenen Mündern laufen wir durch die Kirche und können uns kaum satt sehen. Es ist unbeschreiblich und wir wollen uns gar nicht los reißen.

Gekrönt wird der abwechslungsreiche Tag von einem wundervollen Abend mit genialen Tapas im Ciudad Condal (danke an Inas Kollegen für den genialen Restaurant-Tipp). Wir lassen den Abend mit Sangria am Swimmingpool des Hotels auf der Dachterrasse gemütlich quatschend, mit den Füßen im Wasser ausklingen.

Am nächsten Tag besichtigen wir die Basilica Santa Maria del Mar aus dem 14. Jahrhundert. Was für ein Gegensatz zur luftigen und hellen La Sagrada Família. Es es düster und bedrückend, ein golden protzender Altar reiht sich an den nächsten. Im späten Mittelalter waren Gotteshäuser kein Ort der Zuflucht, der Befreiung und der Chance, jeden Tag wieder sein bestes zu geben, sondern ein Ort der Erinnerung an Sünde, Fehlverhalten und ewiger Knechtschaft für einmal getätigte Verfehlungen. Einen schönen Einblick in das Leben zur damaligen Zeit gibt der historische Roman Die Kathedrale des Meeres von Ildefonso Falcones, den Ina anlässlich unseres ersten Barcelona-Besuchs 2011 gelesen hat.

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Beeindruckt von dem zur Schau gestellten Reichtum verlassen wir die Kathedrale, entfliehen der Hitze und machen uns mit dem Funicular und dem Bus auf zum Parc Montjüic. Unter den Bäumen ist es angenehm kühl, die Luft ist frisch und der Ausblick auf die Stadt und den Hafen ist einfach phantastisch.

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Wieder am Fuße des Hausbergs Barcelonas angekommen, nehmen wir von der Station Miramar aus den Telefèric (oder auch Aeri) del port – nicht zu verwechseln mit dem Telefèric Montjüic; mit der zur Weltausstellung 1929 gebauten Seilbahn gondeln wir über den Hafen zum auf einer Landzunge vorgelagerten Strand. Es ist noch immer gnadenlos heiß, die Fußsohlen brennen auf dem heißen Sand und so flüchten wir nach einem erfrischenden Drink in der Strandbar wieder vor der Sonne. Wir laufen durch das volkstümliche Viertel La Barceloneta, das im 18. Jahrhundert schachbrettartig aus gleichförmigen Häusern für Hafenarbeiter und Fischer errichtet wurde und heute einen ganz eigenen Charme hat.

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Mit der Metro sind wir pünktlich um 21.30 Uhr an der Font Màgica am Placa d’Espanya. Die Choreografie aus Wasserfontänen, Beleuchtung und Musik ist ein unglaubliches Schauspiel, das sich fast unendlich fortsetzt. Wir haben Glück mit der Jahreszeit, denn mit Einsetzen der Wasserspiele wird es langsam dunkel; es ist genau diejenige Zeit am Abend, in der man die besten Fotos von den beleuchteten Wasserspielen machen kann. Erschöpft und müde, aber überglücklich und voller Eindrücke fallen wir abends ins Bett.

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An unserem letzten Tag herrscht bereits morgens Aufbruchstimmung. Wir frühstücken lange und nutzen nochmal die Chance, ausgiebig zu sechst zu quatschten, bevor wir in den Parc de la Ciutadella fahren. Vom Arc de Triomf geht es vorbei am eindrucksvollen Brunnen Font de la Cascada, dessen Zentrum aus einem Wasserfall und Wasserfontänen besteht – der Architekt des Brunnens wurde bei seiner Arbeit übrigens von einem kreativen Studenten namens Antoni Gaudí unterstützt. Die Menschen sind in Sonntagsstimmung und man sieht Seifenblasenkünstler, Verkäufer von Tüchern, Rikscha-Fahrer und herausgeputzte Familien in Flanierlaune. Irgendwie fühlt man sich zurück versetzt in das frühe 20. Jahrhundert.

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Unsere letzte Station ist das Palau Nacional mit dem Museu Nacional d’Art de Catalunya. Es gibt Ausstellungen romanischer und gotischer Kunst, ebenso Sammlungen des Barocks, der Renaissance und der Moderne. Wir konzentrieren uns auf die beiden ersten Ausstellungen, zumal die Romaniksammlung eine der umfangreichsten der Welt ist. Die Kunstwerke sind wunderbar präsentiert, das Ambiente ist traumhaft und die Vielzahl der Ausstellungsstücke ist fast erschlagend. Wir laufen staunend durch die Ausstellungen und können uns kaum satt sehen. Es ist viel zu wenig Zeit für das phantastische Museum; wir werden sicher wiederkommen – dann mit viel mehr Zeit -, denn das Museum ist für uns eines der schönsten der Welt.

Nach drei Nächten in der Hauptstadt Kataloniens geht es wieder nach Hause. Es war ein wunderbares langes Wochenende mit tollen Freunden in einer traumhaft schönen Stadt, an das wir noch lange zurück denken werden.

Rückfahrt

Für die Rückreise haben wir zwei bekannte Highlights eingeplant.

Zunächst geht es durch eine wunderschöne Wald- und Wiesenlandschaft auf kleinen Straßen von Kroatien nach Slowenien. Wir fahren zum Wein- und Camping-Resort Saksida und sind froh, reserviert zu haben. In der ausklingenden Hochsaison ist viel los auf dem Platz, der seit unserem ersten Besuch 2012 enorm gewachsen ist. Zu den acht Stellplätzen rund um den Brunnen am Haupthaus sind 17 Stellplätze zwischen den Weinbergen hinzugekommen, dazu zwei Zeltstreifen und fünf Cabins zum Mieten. Es ist schön zu sehen, dass das Konzept so erfolgreich ist.

Das 6-Gänge-Menü von Marko mit Weinbegleitung ist wie immer ein Traum und der kulinarische Höhepunkt unserer Reise. Leider ist Ingrid auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf. Schade, wir hätten sie gerne wiedergesehen und hätten gerne mit ihr gequatscht. Bei unserer Abreise stehen (wie immer) zwei Kisten mit Wein in unserem Dicken.

Es geht bei sommerlichen 30 Grad weiter durch die oberitalienische Berglandschaft zu den Drei Zinnen in die Dolomiten. Zum Abschluss unseres Urlaubs wollen wir es uns so richtig gut gehen lassen und verbringen die letzte Nacht im Caravanpark Sexten.

Als die Sonne sich gegen Nachmittag immer öfter und länger hinter Wolken versteckt und es kühler wird, gehen wir in die Sauna- und Wellness-Landschaft des Campingplatzes – übrigens die schönste und geschmackvollste, die wir kennen. Wir sind nach 3 1/2 Stunden Planschen, Whirlpool, Tepidarium, Sauna, Lesen, Dösen und Blubberliegen total relaxed und fallen nach einem 3-Gänge-Menü am letzten Abend des Urlaubs müde ins Bett.

Über den Brenner geht es mit vielen anderen Autos bei trübem Wetter und Regen endgültig nach Hause. Wir sind traurig, dass die entspannte Zeit vorbei ist, freuen uns aber auch auf ein paar ruhige Tage zu Hause. Und für’s Schwelgen in Sommer-Erinnerungen im grauen deutschen Herbst haben wir unsere Fotos, Christophs Video und die Flasche Wein, die wir in Albanien geschenkt bekommen haben.

Fazit: Wir hatten traumhafte Tage mit viel Abwechslung und tollen Erlebnissen. Die teilweise große Hitze, die ausgetrocknete Landschaft und die Menschenmassen an den touristischen Highlights sind die einzigen negativen Aspekte. Daher würden wir eine solche Reise beim nächsten Mal eher im Mai machen – denn ein nächstes Mal gibt es sicherlich, weil wir noch so viel sehen wollen, wozu mal wieder die Zeit nicht gereicht hat.

Relaxen in Kroatien

Heute heißt es Abschied nehmen von Albanien. Das Land hat uns sehr gut gefallen, die Menschen sind ausgesprochen gastfreundlich und hilfsbereit, aber leider sieht man auch, dass das (normierte) Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (IWF, 2017) auf Platz 105, noch hinter Ländern wie dem Iran oder Namibia, liegt.

Montenegro hatten wir bei unserem letzten Balkan-Trip intensiver bereist, daher fahren wir dieses Mal nur durch. Ebenso durchqueren wir Bosnien & Herzegovina ohne größere Stops. Die Route durchs Hinterland führt über kleinere Orte, durch eine Wiesen- und Hügellandschaft. Auch hier ist es traumhaft schön. Die Einreise in die EU nach Kroatien dauert eine Stunde; unsere deutschen Pässe werden jedoch nur kurz betrachtet und man winkt uns schnell weiter.

In Drvenik nehmen wir dem Tipp eines Kollegen von Ina folgend die Fähre auf die dalmatinische Insel Hvar. Christophs fast schon beängstigendes Glück führt dazu, dass wir als drittletztes Fahrzeug auf die kleine Fähre rollen. Wir sind 45 Minuten vor Abfahrt am Anleger, Vorbuchungen sind nicht möglich und die Fahrzeuge, die sich 5 Minuten nach uns einreihen, müssen 1 1/2 Stunden warten. Besser hätte es nicht laufen können.

Wir durchqueren die hügelige Insel auf der einzigen Straße von Ost nach West, um zum Campingplatz hinter dem Hauptort Hvar zu gelangen. Den größten Teil der kurvigen Strecke geht es durch Wiesen, Buschlandschaft und niedrige Kiefernwäldchen. Zypressen, Weingüter und Verkaufsstände für Öl und Honig entlang dem Weg erinnern an die Toskana. Die Strecke ist insbesondere zu Beginn sehr eng und bricht ohne Leitplanken abrupt bis zu zwei Meter tief am Rand ab. Es wundert uns kaum, dass wir ein Fahrzeug auf dem Dach im Graben liegen sehen. Gott sei Dank stehen die Insassen daneben und ihnen scheint nichts passiert zu sein.

Wir finden einen wunderbaren Stellplatz mit Blick in eine kleine Bucht. Es ist ruhig und es geht ein leichtes Lüftchen. Morgens weckt uns eine Grille mit lautem Gezirpe; der Blick über den Kaffeebecher beim Frühstück könnte schöner kaum sein. Wir faulenzen den ganzen Tag, lesen, schreiben den Reisebericht, recherchieren für die nächsten Tage und genießen, dass es ausnahmsweise mal keine 37 Grad hat, sondern aufgelockert bewölkt ist.

Der Ort Hvar selbst ist aufgeregt und geschäftig. Am Hafen legen ständig Passagierfähren ab und an, Ausflugsboote fahren zu den nahegelegenen Badebuchten, die nur über das Wasser zu erreichen sind, Chartergesellschaften bieten ihre Dienste an, die Jachten der Reichen und Schönen wiegen sich ebenso sanft auf den Wellen wie kleinere Boote. Junge Frauen, braungebrannt und in knappen Bikinis und muskulöse Männer vertäuen die ankommenden Boote. Es reiht sich ein Restaurant an das andere, nur unterbrochen von Andenkenshops mit den immer gleichen, mehr oder weniger sinnlosen Souveniren. Das kulinarische Preisniveau ist mindestens drei Mal so hoch wie in Albanien und die Auswahl ist zum größten Teil „touristischer Fastfood“. Wir lassen uns von dem Rummel der Stadt treiben und genießen den ausgehenden Tag.

Mit der letzten von vier Fährfahrten für diesen Urlaub geht es nach Split; sie ist die zweitgrößte Stadt Kroatiens und wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Bei der Ankunft am Hafen herrscht totales Verkehrschaos. Die Infrastruktur am Pier ist nicht für so viele Autos auf einmal ausgelegt. Überhaupt ist die Stadt nur voll; voll von Autos und voll von Touristen.

Wir haben Glück und finden sehr bald einen Parkplatz. So können wir die Uferpromenade entlang und durch den Diokletianpalast schlendern. Der ehemalige römische Palast wurde zu einer bewohnten Festung umgebaut. Enge Gassen schlängeln sich, einem Labyrinth gleich, durch den gesamten Komplex. Kleinste Cafés, Bars, Restaurants und Imbisse mit wenigen Sitzplätzen wechseln sich ab. Dazwischen immer wieder Pensionen und Hotels.

Das Wetter ist heute trübe und regnerisch; es hat kaum 20 Grad und windet. Außerdem ist uns der Trubel zu viel. Daher machen wir uns sehr bald wieder auf und nehmen die schnellste Strecke Richtung Plitvicer Seen sowie Sonne und angenehmen 22 Grad statt der 37 Grad der letzten Woche.

Der Nationalpark Plitvicer Seen ist UNESCO – ach, Ihr wisst schon. Der fast 300 Quadratkilometer große Park ist der älteste Nationalpark Südosteuropas. Die 16 hintereinander liegenden Seen sind über Bäche, Flussläufe, Rinnsale und Wasserfälle kaskadenartig über 130 Höhenmeter miteinander verbunden. Dazwischen wächst ein Urwald aus Bäumen, Büschen und Wasserpflanzen. Wir laufen über Holzstege und über erdig riechenden Waldboden zwischen den am frühen Morgen dampfenden Wasserflächen durch, wir genießen es, wie die Sonne zwischen den Zweigen glitzernd auf das Wasser fällt, wir nehmen eines der leise dahingleitenden Elektroboote über den Kozjak-See und fahren am Ende des hervorragend ausgeschilderten Weges mit einem Bus zum Eingang zurück. Der Park ist für uns ein absoluter Traum und wir genießen den relaxten, traumhaft schönen Tag. Einziger Wermutstropfen sind die Reisegruppen und Menschenmassen, die sich über die engen Wege schieben. Wir sind froh, am frühen Morgen ohne Anstehen im Park zu sein – am Nachmittag ist die Menschenschlange am Ticketschalter gut hundert Meter lang. Ruhe und Beschaulichkeit sind dann komplette Fehlanzeige.