“Frohe Weihnachten” mal anders …

Die katholische Kirche St. Peter & Paul in Muscat war heute zur Christmette rappelvoll. Wir waren 75 Minuten vor Beginn der Messe da und haben einen der letzten Parkplätze bekommen, und einen der letzten Plätze in der Kirche. Eine Stunde vor Beginn der Messe wurde der Rosenkranz gebetet und eine halbe Stunde vor Beginn der Messe hat ein Kinderchor die „normalen“ christlichen Weihnachtslieder gesungen – auf Englisch natürlich.

Die Gemeinde besteht im Wesentlichen aus südostasiatischen Christen. Die Menschen sind aus Malaysia, Indien, Sri Lanka, den Philippinen, Pakistan, Bangladesh etc. Europäer haben wir außer uns noch vier gesehen – vier von mehreren Tausend Gläubigen heute.

Es gab fünf Geistliche, 8 Messdiener, 30 Messdiener in der „zweiten Reihe“, 40 Kommunionhelfer und ein je 50 köpfige Kinderchor und Jugendchor – die letzten Zahlen sind grob geschätzt.

Der Gottesdienst wurde in mehrere Gebäude übertragen sowie auf die umliegenden Zwischenhöfe, die mit Plastikstühlen vollgestellt waren, so daß Platz für 4.000 – 5.000 Menschen war. Während die Messe sehr feierlich und würdevoll war, herrschte nach dem Segen ein riesiges Chaos überall.

Der Gottesdienst war ganz anders als in Europa – uns wurde bewusst: das Christentum ist in Südostasien einfach anders. Es war bunt, fröhlich, intensiv, von Herzen kommend aber auch irgendwie unterwürfiger und stärker der Mensch als Sünder, der um Fürbitte, Erbarmen und Gnade bittet. Wir sind noch total beeindruckt.

Übrigens: am 1. Januar werden acht (!) Messen gefeiert, davon einige in Tamil, Malayisch und Urdu…

Durch das Hajar al-Gharbi zur Küstenebene Batinah und weiter nach Muscat

In Al-Ain verlassen wir die Vereinigten Arabischen Emirate und reisen wieder in den Oman ein. Gleich hinter der Grenze ist es zunächst topfeben und die Gegend wirkt mit dem grauen Gestein wie eine bizarre Mondlandschaft.

Die Berge des Hajar-Gebirges sind im Osten zum Greifen nahe und schon bald erreichen wir hinter Qumayrs den ersten atemberaubend schönen, 1.000 Meter hohen Pass. Wir versuchen große Straßen zu vermeiden und schlängeln uns über Pisten, durch Oasen, durch kleine Orte und vorbei an Moscheen durch die Berge.

Die Strecke von Manqniyat in den Süden nach Al-Ayn ist wunderschön. Immer wieder laufen Ziegen oder Kamele über die Straße bzw. die Piste oder fressen in deren Nähe die dornigen Büsche.

Die ca. 20 Bienenkorbgräber auf dem Bergrücken nördlich des Ortes Al-Ayn sind eindrucksvolle Zeitzeugen aus der Zeit 3.000 vor Christus und zählen zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Gräber sind aus grob behauenen Steinen in der Form von Bienenkörben aufgeschichtet, haben winzige Eingänge und sind ca. 3 Meter hoch. Einige haben mehrere Mauerschichten.

Das Wadi Dahm, in das sich die Straße weiterschlängelt, gibt einen ersten Vorgeschmack auf das, was noch kommt. Am rechten Wadi-Rand verläuft eine Traum-Piste. Unterwegs kann man auf einem 800 Meter hohen Plateau mit tollem Ausblick in die Berge und in das trockene Flussbett des Wadi campen (vielen Dank an die Macher der App iOverlander).

Von Manqniyat nach Norden überquert man das Hajar-Gebirge Richtung Meer. Die Piste bis nach Murri ist ein absolutes Highlight. Sie windet sich durch die Berge, hinab durch ein phantastisches Trockental und vorbei an einer eingefallenen Festungsanlage.

Über Rustaq und Al-Hazm geht es für uns raus aus den Bergen in den flachen 40 Kilometer breiten Küstenstreifen Richtung Muscat.

Dubai Traveller‘s Festival

Ins Leben gerufen wurde das Festival, das jedes Jahr im Mushrif-Park nahe dem Flughafen stattfindet, von Scheich Rashed Bin Oweidha Al Qubaisi, der zur Königsfamilie gehört. Der Scheich hat selbst auf mehr als 170.000 Kilometer mit dem Auto die Welt bereist. Jedes Jahr lädt er Reisende ein, Ihren Trip auf Postern und mit Vorträgen vorzustellen.

Der Scheich kommt am Abend und wird umlagert von Fotografen, einem Fernsehkamera-Team und seiner Gefolgschaft. Es sind ca. 20 Reisende für den Konferenz-Teil vor Ort. Wir schauen einen Vortrag über die erste Besteigung des Kilimanjaro per Kamel, wir hören dem ersten Emirati zu, der Europa mit dem Fahrrad bereist hat und reden an einem der Stände mit Mario, der von Kapstadt nach Kairo gelaufen ist und als nächstes eine Fahrt mit dem Elektroauto von Norwegen nach Südspanien und dann rund um den afrikanischen Kontinent plant. Die meisten der reisenden Aussteller haben eine Mission (z.B. die Elektromobilität bekannter machen oder zeigen, dass die Europäer ein freundliches Volk sind – kein Scherz…) und machen ihre Reise nicht rein aus Vergnügen so wie wir.

Es gibt auch eine Handvoll Aussteller für Reiseausrüstung. Wir lernen gleich zu Anfang den Südafrikaner Shaun Meyer mit seiner Firma Expedition Extreme kennen, der seit 13 Jahren in den Emiraten lebt und uns reichlich Tipps für die weitere Omanreise gibt. Er ist wahnsinnig freundlich und hilfsbereit und überspielt uns einige Wegpunkte und Tracks von seinem Rechner. In den nächsten Tagen sollen wir per WhatsApp noch Campingspots von ihm erhalten. Das Schöne an unserer Art zu reisen ist, dass wir von heute auf morgen planen und umentscheiden können.

Drei Imbissbuden sorgen für das leibliche Wohl. Bei Thomas kaufen wir zum Abendessen afrikanische Boerewors vom Grill, was in Dubai etwas kurios anmutet, aber für ein Traveller‘s Festival dann doch wieder kultig ist.

Neben uns gibt es auf der Camp-Area fünf Overlander aus Europa. Außerdem bleibt neben Shaun noch ein Algerier über Nacht, der aus Dubai University City in den Park getrampt ist und in einem der Dachzelte der Aussteller übernachten darf. Wir reden mit den Campern und einigen Tagesgästen des Parks und des Festivals über das Reisen, die Erfahrungen und Pläne und über Autos. Den Abend lassen wir bei Shaun und seiner Frau Ant gemütlich am Lagerfeuer ausklingen.

Insgesamt ist das Festival eine sehr kuriose Veranstaltung, macht aber Spaß und Lust auf’s (Weiter-) Reisen. Wer in der Nähe ist, sollte es sich nicht entgehen lassen.