Sizilien

2022 fängt leider nicht besser an, als 2021 geendet hat. Eigentlich sollte es für Mzungu drei Wochen durch Marokko gehen, aber es gab zum dritten Mal in 1 1/2 Jahren viele Gründe, dass wenige Wochen vor der Abfahrt der Fähre alles anders kam als geplant. Und so tauschen wir den Besuch bei Beduinen und Berbern gegen den bei Sikanern und der Cosa Nostra. Ohne viel Vorbereitung auf Land und Leute wir sind unterwegs nach Sizilien. Zudem sind wir umgestiegen vom Reise-LKW Mzungu auf den Defender Pig Pen und freuen uns auf ein einfaches Leben, das ohne viel Luxus in den nächsten Wochen hauptsächlich draußen stattfinden wird.

Die Fahrt zur Fähre verteilen wir auf zwei Tage, und übernachteten auf dem Bauernhof der Familie Hansemann in der Nähe von Chur in der Schweiz (zu finden über campland.ch). Der Hof ist nur wenige Kilometer entfernt von der Autobahn und liegt traumhaft schön und idyllisch in den Schweizer Alpen. Heidschnucken, Weiderinder und Hühner werden hier von der kuschelbedürftigen Hofhündin Simba bewacht.

Weiter geht es über den San Bernadino, vorbei am Luganersee und am Comer See bis nach Genua. Unterwegs wandelt sich das Wetter von Sturm und Schnee bei zwei Grad Celsius zu strahlendem Sonnenschein und dreiundzwanzig Grad. Wir hören Daughtry und Nickelback und beim ersten überteuerten und grausig schmeckenden Cappuccino, der auf einer Schweizer Raststätte aus einer fancy aussehenden Siebträgermaschine in unsere Pappbecher tröpfelt, stellt sich das erste Urlaubsgefühl ein. Vor der weitgehend unspektakulären Fährfahrt bei ruhiger See und strahlendem Sonnenschein besichtigen wir in Serra Ricco (Lombardei) eine sehr schöne, aber kleine, dem Heiligen Sankt Rocco gewidmete Wallfahrtskirche und starten in Palermo entspannt in 11 Tage Sizilien-Abenteuer.

Sizilien gehört zu Italien und befindet sich südwestlich der “Stiefelspitze”. Durch die Straße von Messina vom Festland getrennt, liegt die dreieckige Insel an der schmalsten Stelle nur drei Kilometer von diesem entfernt. Sizilien ist etwas größer als Sardinien, wo wir vor zwei Jahren im Sommer waren (Blog-Beiträge Sardinien 2020), und ist die größte Insel im Mittelmeer. Die Insel ist hügelig, teils gebirgig und mit aktuell 3.357 Metern ist der Ätna der höchste Berg der Insel – und der höchste aktive Vulkan Europas. Erste Funde, die auf eine Besiedlung der Insel deuten, sind auf 35.000 v. Chr. datiert. Sizilien liegt für den Handel logistisch günstig und so hinterließen ab dem 9-ten Jahrhundert v. Chr. Griechen, Römer, Araber, Normannen und Spanier sichtbare Spuren als Siedler und Machthaber. 1735 kamen Süditalien und Sizilien unter eine gemeinsame Herrschaft und 1861 erfolgte die Vereinigung mit dem Königreich Italien. 1946 wurde Sizilien, als Antwort auf separatistische Bewegungen nach dem zweiten Weltkrieg, zur autonomen Region Italiens.

Wir sind im April unterwegs und das Wetter ist um diese Jahreszeit eher durchwachsen. Die Temperaturen sind nachts niedrig einstellig, tagsüber ist es bestenfalls sonnig bis wolkig, so um die 20 Grad. Der Wind ist noch recht frisch und Touristen sind eher selten anzutreffen. Unterhalb von 1.000 Metern erstrahlt die Insel im satten, hellen grün, die saftigen Wiesen sind Blumen-übersät und die Bäume und Sträucher stehen in voller Blüte. In den Höhenlagen findet man die ersten zarten Knospen an den Bäumen. Die Insel bereitet sich auf den Sommer vor. Nur der Campingplatz in Palermo ist rappelvoll, wenn die Fähre zwischen 20 und 22 Uhr anlegt und die Camper einen Platz für die erste Nacht suchen. Voll sind zu Ostern auch der kleine Campingplatz bei Nicolosi, am Fuße des Ätna, sowie der Platz am Tal der Tempel in Agrigento.

Sobald man sich von den Hauptverkehrsadern entfernt, sind die Straßen eher schlecht, und wir wünschen uns nicht nur einmal statt des löchrigen und geflickten Asphalts eine schöne Schotterpiste. In den Ortskernen sind die Gassen einspurig, teilweise steil und extrem schmal, sodass Pig Pen mit seinen 2 Metern Breite gerade so hindurch passt. Durch die engen Gassen entsteht überall ein kaum überschaubares Gewirr aus Einbahnstraßen. Es ragen Minibalkone in die Gassen hinein, die ein Durchkommen für jedes Fahrzeug über 2,5 Meter Höhe unmöglich machen. Als unserem Defender das mal irgendwann alles zu viel wird, schubst er mit dem Hintern vor der Bibliothek in dem kleinen Ort Mandanici einen Blumenkübel um. Ein paar junge Damen kommen gelaufen und kümmern sich um alles. Sie kommentieren alles lachend mit einem „no problemo“ und „stupid pot“. Helfen dürfen wir nicht beim Wegräumen und bezahlen dürfen wir den Schaden auch nicht. Gut, dass wir wenigstens eine Flasche Wein da lassen können.

Kein Wunder, dass das Fahrzeug der Wahl für die Einheimischen der Kleinstwagen Fiat Panda ist, den man auf jeder noch so schlechten Piste antrifft. Insbesondere der Typ 141 der ersten Generation ist hier als Allrad-Version allgegenwärtig – häufig verbeult und mit verblichenem Lack, aber erstaunlicher Weise ohne viel Rost.

Auch sonst ist die Verkehrsführung auf der Insel insgesamt ziemlich konfus. Ein U-Turn am Kreisel ist nicht nur ein Mal der ausgeschilderte Weg, den auch unser Navi anzeigt. Auch Stop-Schilder mitten im Kreisel gibt es immer wieder. Die Beschilderung ist manchmal unverständlich und manchmal überflüssig. Häufig ist nicht ganz klar, ob eine Straße ein-, zwei oder dreispurig ist. Zweiräder überholen im kreativen Chaos mal rechts und mal links. Jeder fährt wie er meint und hupt einfach einmal mehr, um auf sich aufmerksam zu machen – Bremsen scheint tabu. Es gibt Baustellen über Baustellen mit provisorischen Verkehrsführungen. So manches Mal sind die gelben Linien schon abgefahren und verblasst. An vielen Stellen wirkt es so, als sei das Provisorium zum Verbleib erklärt worden.

Wir fahren ziemlich wirr über die Insel mit unserem Defender. Immer gerade dahin, wohin wir morgens oder mittags spontan entscheiden, hin zu wollen. Das ist nicht immer sinnvoll und manchmal sogar ziemlicher Unfug. So landen wir an einem Abend auf 1.500 Metern Höhe im Nebrodi-Gebirge. Die erste Schneepassage nehmen wir mit Humor, aber bei der zweiten drehen wir doch um. Wir haben kurze Hosen an, sind nicht auf Winter eingestellt und fahren nach einer kalten Nacht zurück auf geringere Höhe.

Wir campen auf Campingplätzen oder wir stehen frei. Wir suchen bewusst einsame Off-Road-Pisten oder besichtigen touristische Highlights. Wir kochen wegen der Kälte im Defender drinnen oder sitzen bei einem guten lokalen Wein nach Sonnenuntergang draußen im Schein unserer Lichterkette. Wir laufen auf 2.000 Meter zu einem Vulkankrater oder sitzen am Strand. Es hat Schneeregen und Hagel und der Defender wärmt uns mit seiner Standheizung. Wir trinken mit Sonnenbrille einen Aperol-Spritz in der Sonne. Wie Ihr seht, ist von allem etwas dabei in diesem Urlaub.

Wir nehmen Euch in den nächsten Wochen in diesem Blog mit zu den Highlights unseres Urlaubs und werden berichten über das Offroad-Fahren in einsamer Natur, über die Natursehenswürdigkeiten, über wunderschöne Kirchen, über Palermo, über die Mafia (incl. Anti-Mafia-Bewegung) und über kulturelle Highlights. Viel Spaß!

Fototour im Eispalast am Hintertuxer Gletscher

Corona-bedingt mussten wir unseren Besuch im Hintertuxer Gletscher in den Zillertaler Alpen mehrfach verschieben. Im Oktober 2021 ist es endlich so weit. Eine Übernachtung ist nicht geplant, die Straßen sind alle asphaltiert (und in gutem Zustand) und das Wetter ist sonnig und trocken. Daher bleiben die Offroader diesmal zu Hause und wir cruisen im Cabrio gemütlich von München nach Hintertux.

Als chilligen Start ins Abenteuer gönnen wir uns einen Kaffee an der Talstation Hintertux auf 1.500 Meter Höhe und nehmen erst dann den Gletscherbus zur Sommerbergalm. Nach ein paar Minuten Fußweg bergan werden wir mit phantastischen Aussichten verwöhnt. Es ist windstill und traumhaft warm für die Jahreszeit, der Himmel strahlt in seinem schönsten blau und die Landschaft ist sommerlich grün. Ein wahres Wanderparadies, aber uns ist viel zu warm in unseren Daunen-Jacken.

Lange bleiben wir also nicht. Gewandert wird beim nächsten Mal. Uns zieht es diesmal weiter den Berg hoch und es geht mit dem Gletscherbus auf 3.250 Meter. Plötzlich stehen wir in einer anderen Welt – Schnee, Eis, unendliches weiß, gleißend hell. An der gefrorenen Wand, direkt neben den Skipisten beginnt der kurze, aber steile und rutschige Weg zum Eispalast, der 2007 von Roman Erler entdeckt wurde, 25 Meter unter den Skipisten liegt und das Ziel unseres Kurztrips ist.

Über die mit Trittblechen und Matten ausgelegten Gänge bewegen wir uns auf einer geführten Tour durch einen Teil des Höhlensystems. Die Wände sind mit Eis überzogen.

Immer wieder leuchten farbige Lichtinstallationen und sogar ein Kunstwerk gibt es im erwigen Eis. Im unterirdischen Gewirr der Gänge ist es Sommer wie Winter Null Grad kalt und neben unseren Daunen-Jacken sind hier auch Mütze und Handschuhe angebracht.

Über Stufen und Leitern kommen wir zu einem im Eis eingeschlossenen unterirdischen See – geologisch eine absolute Seltenheit. Als Highlight gleiten wir mit der Gruppe aus ca. 20 Personen mit einem Boot über den See, der nur eine Hand breiter ist als unser Gefährt.

Die Tour ist ein Geschenk von Christoph an Ina und umfasst als Foto-Tour eine Foto-Genehmigung und die Möglichkeit, mit einem privaten Guide fast eine Stunde lang den Kristallpalast zu erkunden. Währen alle anderen nur einen Blick in diese enge, mit Spikes zu begehende Höhle werfen, dürfen wir hier verweilen und die Eindrücke in aller Ruhe mit einem tollen Guide genießen. 

Das funkelnde Eis, die weit verzweigten Gänge auf unterschiedlichen Ebenen, die Hohlräume mit ihren Eisformationen, das alles ist ein unglaubliches Erlebnis, das uns atemlos und wortlos macht. Die gewaltige Schönheit dieser Natursehenswürdigkeit berührt uns tief im Inneren. Auch wer nicht fotografieren möchte, sollte sich den Kristallpalast und die Ruhe und Stille nicht entgehen lassen. Einfach da zu sein ist das wahre Erlebnis – das Fotografieren ist in den Hintergrund getreten.

Obwohl natürlich schon ein paar tolle Fotos dabei rumgekommen sind und ein Video gibt es auch …

UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer und Rückfahrt

Wir erreichen mit Delfzijl den auf dieser Reise ersten Ort am niederländisch-deutschen Wattenmeer. Während Christoph mit der Nordsee lange Sandstrände verbindet, ist für Ina die Kindheitserinnerung das Wattenmeer. Das eigentliche Watt wird bei Flut überschwemmt und präsentiert bei Ebbe seinen typischen graubraunen Schlick. Algen, Wattschnecken, Wattwürmer, Muscheln sowie Watt- und Wasservögel – das Watt ist ein ganz eigenes Ökosystem, das man am besten im Rahmen einer Wattführung barfuß oder in Gummistiefeln kennenlernt.

Das Wetter in den vergangenen Tagen war ein echter Traum. Jetzt sind wir froh, auch warme Jacken dabei zu haben. Es ist bewölkt, 15 Grad kalt und windig. Dennoch treibt es uns raus. Wir lieben es, durch den Wind am Meer spazieren zu gehen. Es fängt an zu regnen und wir besuchen das Aquariums-Museum.

Das Museum zeigt einerseits die Bewohner des Meeres in Aquarien mit Nachbildungen der örtlichen Küstenstruktur und des Meeresbodens. Einige Aquarien erscheinen leer und erst wann man genau hinschaut, entdeckt man Fische an den Steinen oder Krabben im Kies. Außerdem gibt es Informationen zum Schutz des Wattenmeeres und der positiven Entwicklung der letzten Jahre. Spannend ist die Tatsache, dass das Aquarium in einem ehemaligen Bunker untergebracht ist. Hier gibt es Infotafeln mit Bildern und Texten über die Zeit des zweiten Weltkriegs und die Deutsche Armee, weil Delfzijl eine wichtige Rolle spielte in der Verteidigung der Mündung der Ems. Im modernen Museumsgebäude sind Fossilien und Muscheln ausgestellt. Auch über die Entstehung der Erde und der Meere gibt es Schaukästen und Videos. Schiffsmodelle und allerlei nautische Geräte runden die sehr vielfältige Ausstellung ab. Ganz nach dem Motto „Reisen bildet“ gibt es ein Kuriositäten-Kabinett. In solchen Schränken wurden ab dem 16. Jahrhundert Gegenstände von weit entfernten Orten präsentiert, die in Europa noch niemand gesehen hat und nichts darüber in der Bibel gelesen hat.

Mittlerweile stürmt und regnet es und wir verkriechen uns in Mzungu – schließlich haben wir ein unendlich gemütliches Ess- und Wohnzimmer dabei, in dem man prima einen Abend quatschen und lesen kann – und wir haben ja auch noch Käse, Kracker und Dipp aus Dokkum und einen guten Wein von zu Hause. Einen Fernseher brauchen wir nicht.

Ina möchte weiter nach Bensersiel. Was für ein Wahnsinn mit Mzungu in der Hauptferienzeit. Aber wenn sich Frau etwas wünscht… Also muss sich Mzungu ein weiteres Mal zwischen die weiße Ware eines Campingplatzes quetschen. Er versucht den Bauch einzuziehen und nicht aufzufallen, was ihm nicht wirklich gelingt.

Auf dem Weg dorthin machen wir noch einen Abstecher nach Papenburg und besuchen die Meyer Werft. Dazu haben wir einen eigenen Bericht geschrieben.

In Bensersiel können wir endlich richtig im Watt spazieren gehen. Da das Wetter viel besser ist als erwartet, sind wir den ganzen Tag draußen – im Watt, auf dem Deich, im Hafen, im Café, in unseren Klappsesseln vor Mzungu. Wir genießen jeden Sonnnenstrahl, auch wenn es kühl und windig ist. Wir lassen es uns richtig gut gehen.

Das Highlight sind der Hafen und die Fischbrötchen an der Imbissbude im Hafen, denn der Fisch ist fangfrisch vom Schiffskutter gegenüber im Hafenbecken. Die Wertschöpfungskette vom Fischfang über die Weiterverarbeitung und den Verkauf ist hier vollständig in einer Hand. Ganz anders als bei der sonst üblichen Massenverarbeitung von Nordseegarnelen. Diese werden zwar fangfrisch an Bord in Seewasser gekocht, dann aber in Kisten verpackt und gekühlt. Das pulen geschieht wegen der Hygienevorschriften in Deutschland nicht mehr händisch. Selbst die maschinelle Schälung ist hierzulande teurer, als die Krabben nach Marokko oder Polen zu transportieren, dort händisch zu schälen und wieder nach Deutschland zu schicken. Was für ein Wahnsinn …

Abends klettern wir auf‘s Dach von Mzungu und genießen mit Pullis und in Jacken eingekuschelt den Sonnenuntergang bei einem Glas Weißwein. Mzungu rappelt sich stolz zu voller Größe auf. Unten machen ein paar Camper dumme Kommentare, die der Wind gnädig wegträgt. Wir verabschieden uns traurig von der Nordsee. Es war schön und wir sind entspannt und erholt wie lange nicht.

Es geht zurück über Kassel und Fulda nach München. Wie schon bei der Anreise, nehmen wir uns auch auf dem Rückweg etwas mehr Zeit und bleiben über Landvergnügen eine Nacht auf einer Alpaka-Farm. Die flauschigen Tiere sind eher scheu und mögen es gar nicht gerne, gekuschelt zu werden. Also halten wir Abstand und genießen den Anblick und die Ruhe, die die Tiere ausstrahlen. Bis zum Winter sollte aus der gekauften Wolle noch eine Mütze werden, aber auch hier hatte das Leben etwas anderes mit uns vor…

Im Regen und bei trübem Wetter geht es endgültig nach Hause und der Alltag wird uns wie immer zu schnell einholen.