Wir cruisen gemütlich vom Ruhrgebiet zur Grenze und weiter über die Autobahn an die Nordsee-Küste ganz im Süden der Niederlande. 270 km und keine einzige Strassenbaustelle. Ganz selten zähfliessender Verkehr, kein Stau. Die Anzahl der Straßenschilder und Regelungen je Kilometer ist signifikant geringer als in Deutschland. Entspanntes Fahren in Reinkultur. Dieses Bild wird sich in den nächsten Tagen auf den 800 km durch die Niederlande nicht ändern. Ganz anders als in Deutschland: Wir sind auf der Rückfahrt gerade ein paar hundert Meter zurück in Deutschland, und schon fahren wir mehrere Kilometer durch eine Baustelle, an der nicht gearbeitet wird, ja nicht mal Arbeitsmaschinen stehen. Was um alles in der Welt machen wir in Deutschland eigentlich falsch? Oder anders herum: was können wir von den Niederlanden lernen?
Geplant sind auf diesem Tripp erstmal Dünen, Sandstrand und Meer. Nach der etwas längeren Anfahrt geht es heute am späten Nachmittag endlich das erste Mal ans Meer. Wir laufen über die Dünen und durch den Sand, planschen mit nackten Füßen im Wasser herum und kommen langsam mental an – der eigentliche Urlaub kann beginnen. Wir laufen gemütlich am Meer entlang und durch die Dünen zurück. Es ist zwar nicht überfüllt, aber es ist quirlig viel los. Hauptsaison an der Nordsee. Für Ina eher unbekannt, denn an der Nordsee war sie als Kind meist über Ostern. Für Christoph ist es das bekannte Gefühl von Sommerferien. Es fehlen nur noch Frikandeln und Pommes Special zu seinem Glück. Da kann dem Mann geholfen werden.


Es regnet fast die ganze Nacht und am Morgen nieselt es leicht. Nach unserem Frühstück in Mzungu mit Milchkaffee und aufgeschäumter Milch sowie frisch aufgebackenen Bagels mit Frischkäse und Lachs geht es trotzdem in die Dünen und ans Meer. Heute ist kaum jemand unterwegs. Der Wind fährt uns durch die Haare und der Regen prasselt leise auf die Anoraks. Das ist die Nordsee, wie Ina sie aus ihrer Kindheit kennt und liebt. Urlaubsfeeling pur – und langsam setzt auch die Entspannung ein.

Wir fahren weiter am Meer entlang über die Halbinseln im Westen der Niederlande nach Norden.
Nach wenigen Kilometern geht es über den Oosterscheldedam. Hier können 62 stählerne Tore bei drohendem Hochwasser geschlossen werden. Im Normalfall sind diese geöffnet und die Gezeiten werden nicht beeinträchtigt. Das ganze ist ein beeindruckendes technisches Bauwerk, das die Region schützen soll. Eine Besichtigung ist leider heute nicht möglich, daher geht es für uns weiter entlang der See.

Wir fahren immer weiter Richtung Norden und erreichen den Brouwersdam. Ohne Regen wäre es hier sicher traumhaft schön. Man darf an der gesamten Strecke tagsüber neben der Straße parken, und so reiht sich hier trotz des Wetters ein Wohnmobil an das nächste. Alle mit genialem Ausblick aus der ersten Reihe auf’s Meer. Auch wir genießen die sehenswerte Strecke, die das Grevelingenmeer von der Nordsee trennt. Nach einem kurzen Sightseeing-Stopp beeilen wir uns, durch den Regen ins Strandcafé Zee zu kommen. Das Café ist phantastisch; irgendwie modern und dennoch urig. Und wir haben das große Glück, noch einen Platz zu bekommen. Corona scheint es hier nicht zu geben – keine 3G-Regel, keine Masken, kein Abstand, keine Registrierung. Eigentlich wollen wir nur eine heisse Schokolade mit Sahne trinken, aber das Essen an den Nachbartischen sieht unglaublich lecker aus und es ist eh gerade Mittagszeit. Also bleibt die Küche in Mzungu heute kalt und wir essen auswärts. Eine gute Entscheidung, denn es schmeckt phantastisch.


Es regnet noch immer. Ununterbrochen. Mal nieselt es, mal schüttet es. Wir fahren über die Autobahn durch Zuid-Holland weiter direkt nach Alkmaar und relaxen bei Tee und Espresso den restlichen Tag auf einem Stellplatz in der Nähe der Stadt. Ab morgen soll hier schönes Wetter sein. Noch sind wir skeptisch, aber lest selbst wie es weiter geht …






