Unsere Wohnkabinen-Entscheidung

Parallel zum Kauf und zur Aufbereitung des Basisfahrzeugs stand natürlich die Entscheidung an, wer unsere Wohnkabine bauen soll. Die Auswahl der Anbieter ist dabei viel größer als man denkt; unter anderem werben Unicat, Action Mobil, Füss, Bocklet, Bimobil, Woelcke, Eine-Welt-Reisen, Ormocar, Krug XP, Orangework, Langer & Bock, Bliss, Kerkamm, Terracab, Ziegler und viele mehr um Kunden. Wer einmal die Abenteuer Allrad in Bad Kissingen besucht hat, mittlerweile die größte Allradmesse der Welt, kann sich die Qual der Wahl vorstellen.

Dabei ist der Bau einer Wohnkabine durchaus Spezialisten-Handwerk. Es kommen viele Gewerke wie Gas- und Wasserinstallation, Elektrik und nicht zuletzt der Bau von GFK-Kabine und Zwischenrahmen zusammen – alles durchaus nicht trivial, zumal dann, wenn ein dauerhaft pistenfestes Fahrzeug entstehen soll. Nachdem der Markt seit Jahren boomt, tummeln sich auch Anbieter im Geschäft, die schon einmal einen Kühlkoffer gebaut haben und jetzt jeden marktüblichen Preis für Wohnkabinen unterbieten; gleichzeitig ist man auch bei etablierten Anbietern nicht vor Fehlern gefeit, wie Erfahrungen der Pistenkuh und Travelnotes360 beweisen. Dabei geht es oft nicht um unsauber schließende Schranktüren oder ausfallende Leuchten, sondern um brechende Zwischenrahmen, undichte Kabinen oder grundlegende Planungsfehler. Wenn sich eine fertige Dusche schon bei 1°-2° Schiefstand des Fahrzeugs nicht mehr benutzen lässt, weil das Wasser nicht bergauf abfließen kann, ist eine Lösung meist aufwendig bis unmöglich. Wir haben selbst schon die Erfahrung gemacht, dass ein Kabinenbauer gute 350.000€ für einen Unimog aufruft, aber nicht die Frage beantworten kann, ob seine Heizung über 3000m Höhe noch funktioniert. In dem Fall heißt es: Finger weg und weitersuchen …

Wie also nun die richtige Entscheidung treffen? Bei uns haben es am Ende drei Anbieter in die engere Wahl geschafft – auf Basis ganz unterschiedlicher Kriterien. Krug XP war aufgrund des sehr ansprechenden Designs und der augenscheinlich guten Verarbeitung lange im Rennen, und das zu einem guten Preis. Am Ende fanden wir für uns nicht alle Fragen zur Ausführungsqualität und Termintreue zur Zufriedenheit beantwortet, so dass wir uns gegen Krug entschieden haben. Bei Bliss gefiel uns die Möglichkeit, die in sich geschlossene Kabine später bei Bedarf auf ein anderes Basisfahrzeug umsetzen zu können. Bliss fiel letztendlich aufgrund mangelnder Konfigurierbarkeit des Grundrisses und der hohen Kosten aus dem Rennen.

Letztendlich haben wir uns für Bocklet in Koblenz entschieden. Ausschlaggebend war für uns neben dem annehmbaren Preis die Tatsache, dass Bocklet über zwei Generationen Erfahrung verfügt – wobei die Er-FAHR-ung durchaus wörtlich zu nehmen ist, da im Hause Bocklet auch gereist wird. Für alle Gewerke sind Spezialisten an Bord, und unsere Layout- und Ausstattungswünsche wurden kompetent und kritisch kommentiert. Auch das haben wir schon anders erlebt; Aussage eines weiteren renommierten Anbieters war, „sagen Sie mir, was sie wollen, und ich baue es Ihnen“ – inklusive aller Fehler aufgrund unserer Unkenntnis … Und nicht zuletzt verfügt Bocklet mit einem Vorzeige-Steyr Bocklet Dakar 700 über ein sehr attraktives Referenzprojekt mit plausiblem Gewicht, geringer Höhe, gutem Layout und sinnvoller Ausstattung, an dem wir uns orientieren können.

Lohnt sich das denn – Teil 2

Neulich hatten wir uns schon mit der Frage befasst, ob sich die Anschaffung eines Fernreisefahrzeugs (oder Expeditionsmobils, je nach Lesart) betriebswirtschaftlich lohnt – und waren klar zu der Einschätzung „nein“ gekommen. Aber wie sieht es emotional aus; „lohnt“ sich das denn, oder anders: warum überhaupt mit dem eigenen Fahrzeug reisen?

Die Antwort ist nicht leicht zu geben, und vermutlich auch nicht leicht nachzuvollziehen. Natürlich ist ein aus unserer Sicht perfekt ausgestattetes Reisefahrzeug am Zielort meist nicht zu mieten, aber das ist es nicht allein. Die beste Erklärung ist vermutlich die, dass das Fahrzeug für uns kein Mittel zum Zweck ist. Es ermöglicht uns überhaupt erst, solche Reisen zu unternehmen – und wird damit ein Teil des Erlebnisses. So wie ein Geiger vermutlich nur über sein eigenes Instrument die Perfektion erreicht, wie ein Sportler sein Sportgerät pflegt und optimiert, um Höchstleistung zu erreichen, so ist für uns das Fahrzeug unser Hilfsmittel, Ziele zu erreichen und Erfahrungen zu machen, die uns sonst verwehrt bleiben würden. Damit verschmelzen die Reise, das Fahrzeug und wir zu einem Erlebnis.

Das Erlebnis beginnt schon beim Planen der Ausrüstung, Schrauben, Packen und Tanken; es geht weiter beim Reisen, wo alles am gewohnten Platz ist, sich alles hoffentlich bewährt, man auf schwierigen Pisten die abgelegensten Orte erreicht (und sich und das Fahrzeug auch mal „einsaut“); und endet, wenn alle Wartungen und Reparaturen erledigt sind und das Fahrzeug wieder glänzend daheim steht – und man ein neues, gemeinsames Erlebnis teilt.

Vor dem Hintergrund „lohnt“ sich auch unser geplanter LKW – die Frage haben wir uns auf der fast 4-wöchigen Reise durch den Oman 2018/19 nochmal gestellt. Fast alle Routen und Pisten wären auch im LKW machbar gewesen, wir hätten den Komfort geschätzt und die Größe wäre kein Hindernis gewesen. Insofern freuen wir uns seitdem noch ein bisschen mehr auf die gemeinsamen Erlebnisse, die mit unserem Steyr noch kommen werden…

Lohnt sich das denn?

Schon zu unserem Defender bekamen wir immer wieder eine Frage gestellt. Sich einen geländegängigen Camper aufzubauen und den auch noch zum Reiseziel zu verschiffen – lohnt sich das denn?

Die rein betriebswirtschaftliche Antwort lautet ohne zu zögern NEIN. Dazu sei eine kleine Rechnung angestellt; das durchschnittliche, in Deutschland verkaufte Wohnmobil kostet derzeit ca. 70.000 EUR. Ein solches Fahrzeug bspw. in der Zwischensaison für eine Woche zu mieten, kostet gut 800 EUR. Bei beispielsweise drei Wochen Reisedauer entstehen also Kosten von rund 2500 EUR. Das bedeutet – ein typisches Kauf-Wohnmobil kann man ebenso gut 28 Jahre lang jedes Jahr 3 Wochen mieten, anstatt es einmal zu kaufen. Dabei sind Steuer und Versicherung nicht mal betrachtet, ebenso wenig wie die Tatsache, dass das Mietmobil immer ein oder höchstens zwei Jahre alt ist. Ein Kauf „rechnet“ sich also nur bei sehr viel mehr Reisezeit im Jahr – oder wenn man die Anschaffung nicht aus finanziellen Gründen tätigt, sondern andere Motive hat; Freiheitsdrang, Fernweh, Selbstverwirklichung oder den Besitz eines solchen Fahrzeugs an sich. Vielleicht ist es auch nur ein lange gehegter, persönlicher Traum, der – in Form von Gummi, Stahl und GFK – die Chance hat, vor den eigenen Augen Wirklichkeit zu werden. Ach so, für die Rechnung oben hatte ich ein Wohnmobil zugrunde gelegt. Ein Expeditionstruck ist sehr viel teurer. Insofern rechnet der sich auch sehr viel weniger. Rein betriebswirtschaftlich betrachtet …

… und rein emotional? Auf unserer Reise durch den Oman zum Jahreswechsel 2018/19 hatten wir Gelegenheit darüber nachzudenken, darüber in einem späteren Blog aber mehr.