Zu groß, zu schwer, zu naiv?

Die Nordsee war als Urlaubsziel im Sommer 2021 eine Notlösung und uns war klar, dass Mzungu hier seine Stärken nicht ausspielen kann. Wir freuten uns dennoch auf ein paar relaxte und ruhige Tage mit viel Natur um uns herum und mit spontanen Ausflügen. Wegen dem Stress der letzten Monate hier unser Reisebericht mit etwas Verspätung.

Ina möchte für die erste Nacht direkt am Strand und in den Dünen stehen. Christoph möchte in den Südwesten der Niederlande und von dort aus die Küste entlangfahren. Diesen Randbedingungen genügende Stellplätze gibt es kaum, und illegales Parken ist teuer in den Niederlanden. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als erstmal einen normalen Campingplatz anzusteuern.

Als wir ankommen, entsteht Panik. „Mit DEM Auto können sie nicht auf den Platz. Das ist kein Camper. Die Reifen sind zu groß. Das geht in ganz Holland nicht. Das ist verboten. So etwas hatten wir hier noch nie.“ Dem sonst bestimmt immer freundlichen Mitarbeiter des Platzes ist die Sorge um seine Campingwiese ins Gesicht geschrieben.

Wir sind gefrustet. Diskussionen über zu große Reifen sind das Gegenteil von relaxten Tagen. Die Gemüter beruhigen sich langsam und man bemüht sich, uns doch noch einen Platz in der Nähe der Zufahrt, und damit bei den Sanitärräumen, der Bar und der Rezeption zur Verfügung zu stellen. Nach einiger Diskussion ist ein Platz gefunden und Mzungu verspricht im Gegenzug, den Rasen nicht kaputt zu machen, was uns letztendlich auch gelingt.

Wir gucken entgegen unseren Plänen und Wünschen weder in die Dünen noch ins Grüne, sondern stehen am Verkehrs-Knotenpunkt und PKW Parkplatz zwischen zwei Gebäuden an der Einfahrt in einem Meter Abstand zu den beiden nächsten Campern. Etwas betrübt bummeln wir über den ansonsten schönen Platz und sind uns sicher, dass die Bäume nicht zu niedrig und die Zufahrten nicht zu schmal und zu eng sind. Unser Wendekreis ist kleiner als der von manch anderem WoMo auf dem Platz, und das Gewicht – gemessen an der Aufstandsfläche der Reifen – ist vermutlich auch kleiner als bei so manchem Bus.

Wir planen die nächsten Tage für Mzungu ein wenig um. Mzungu macht den Mitarbeitern von Camping- und Stellplätze scheinbar Angst mit seinem Aussehen. Dabei tut der nix. Der will nur im Dreck spielen…

Campen zur Hauptferienzeit in den Ferienregionen der Nordsee mit einem 9 Tonnen Offroad-Reisemobil ist vermutlich nicht die smarteste Idee. Wir hätten es wissen können, machen das Beste daraus, haben eine tolle Zeit wie ihr später lesen werdet und genießen die Zeit und die Vorteile des Luxuslebens in Mzungu. Mit der allgegenwärtigen weißen Ware wollen wir nicht tauschen.

Auf nach … Holland

Nach Holland? Naja, an die niederländische und deutsche Nordsee, wenn man ganz genau ist. Und ja, es ist uns klar, dass wir für diese Reise kein offroad-geeignetes Reisemobil mit Euro 1 ohne AdBlue benötigen. Aber mehr als Holland geht dieses Jahr einfach nicht: Corona, Job, Familie.

Ganz nach dem Motto “der Weg ist das Ziel”, ist die Anfahrt bereits Teil der Reise. Wir trinken morgens zu Hause noch gemütlich auf der Terrasse einen Milchkaffee in der Sonne, packen ganz entspannt und brechen erst dann auf.

Der erste Stop ist ein Platz von Landvergnügen auf einem ehemaligen Bauernhof. Das Konzept haben wir hier schon mal beschrieben. Wir stehen wie immer kostenlos, legal und in toller Natur. Das lokale Gewerbe unterstützen wir mit einem Einkauf im Hofladen. Von unserem Gastgeber erfahren wir viel über die Probleme der Viehwirtschaft in Franken. Sinn macht es nicht, dass wir als Verbraucher Milch unter dem Erzeugerpreis kaufen, der Erzeuger dann aber von unseren Steuergeldern Zuschüsse zum Überleben braucht. Wieso nicht gleich einen fairen Preis zahlen? Beim Kaffee klappt das ja auch.

In der Osteifel machen wir den nächsten Zwischenstopp. Wir stehen auf dem Parkplatz hinter einer bewirtschafteten Wanderhütte mit phantastischer Aussicht auf die Berge und Täler der Eifel. Die Stille ist unglaublich. Wir laufen ein wenig durch die tolle Natur, sitzen abends zum Sonnenuntergang auf einer Bank und genießen den Ausblick und die Ruhe des ausklingenden Tages. Seele baumeln lassen und abschalten. Alles ist so friedlich. Der Stress der letzten Wochen und Monate scheint weit weg zu sein, auch wenn uns die Gedanken immer wieder einholen. Hier weihen wir unseren neuen Gasgrill ein – mit Christophs Eltern und ihren Freunden, bei denen sie gerade in der Ferienwohnung leben. (Vegetarische) Bratwurst im Brötchen mit Senf und dazu Kölsch aus der Flasche. Einfach, pragmatisch und unkompliziert. Das ist Camping für uns.

Der Stau auf den Autobahnen rund um Bonn, Köln, Leverkusen und das Ruhrgebiet macht im LKW noch weniger Spaß als im PKW. Eine Baustelle folgt der nächsten. Das Verkehrschaos ist unfassbar. Über 3 Stunden für 150 Kilometer nerven uns und wir sind froh, unseren nächsten Zwischenstopp zu erreichen. Wir treffen uns mit Bekannten auf ein Eis in Moers und fahren nach einem netten Plausch weiter zu Studienfreunden, mit denen wir den Abend und den nächsten Morgen verbringen. Es ist wie früher: gemütlich essen, quatschen, Cremont und Wein trinken, und nach der Nacht in Mzungu gibt es auch noch ein fulminantes Frühstück. Wir werden so sehr verwöhnt und sind glücklich darüber, so viele nette und liebe Menschen in unserem Leben zu haben. Morgens geht es dann endgültig nach Zeeland zum eigentlichen Urlaub.

Campingvergnügen auf dem Land

Hier möchten wir Euch das Konzept von Landvergnügen vorstellen, das uns unglaublich gut gefällt.

Die Idee ist eigentlich ganz simpel: Man erwirbt eine Jahresmitgliedschaft bei Landvergnügen und erhält dafür einen Campingführer, eine Vignette für‘s Auto und einen Mitgliedsausweis mit Mitgliedsnummer. Letztere benötigt man, um die optionale App auf dem Smartphone frei zu schalten. Die Informationen der App sind identisch zu denen im Campingführer, aber die Nutzung ist komfortabler als die der Papierversion.

Zwischen dem 01.04. und dem 31.03. des Folgejahres kann man mit seinem Reisemobil, Wohnwagen oder Campingbus (die Vignette muss an der Scheibe kleben) bei 1.100 Gastgebern in ganz Deutschland kostenlos für 24 Stunden stehen. Telefonische Voranmeldung einen Tag vor der Anreise oder am Anreisetag sind obligatorisch. Bei der Ankunft registriert man sich mit seinem Mitgliedsausweis (vorher noch Kennzeichen eintragen und unterschreiben) und seiner Mitgliedsnummer.

In der Regel ist bei man bei landwirtschaftlichen Betrieben zu Gast, beispielsweise Bauernhöfen oder Weingütern, die zwischen einem und drei Stellplätzen anbieten. Einen Camping-Service gibt es häufig nicht, dafür traumhafte Natur und viel Platz. In den meisten Fällen steht man völlig autark; die vorhandenen Services sind im Campingführer und der App aufgeführt. Die Gastgeber haben viele spannende Informationen und verkaufen lokale Produkte; dabei gibt es keinen Kaufzwang, aber natürlich wird es gerne gesehen, wenn man den lokalen Hofladen unterstützt. So haben wir bei den letzten Besuchen Alpaka-Wolle, Honig und Wallnussöl erstanden und auch schon verbraucht. Man sollte sich bewusst sein, dass man bei Privatleuten bzw. auf einem bewirtschafteten Hof zu Gast ist und nicht auf einem Campingplatz. Es ist fast wie frei stehen – nur legal, und genau das macht den Reiz aus.

Da die Campingführer sehr beliebt und schnell ausverkauft sind, hier noch ein Hinweis: Die Vorbestellung für 2022 ist bereits jetzt möglich. Rund 1.400 Gastgeber sind es nächstes Jahr. Die Gebühr ist auf 50 Euro gestiegen – dennoch ein guter Deal, finden wir, und drücken schnell den „Bestellen“-Button.

Wer ähnliche Konzepte in anderen Ländern kennt, kann uns gern eine Nachricht senden. Wir testen es dann und stellen es hier vor.